Jean Dufay
französischer Astronom
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Jean Dufay (* 18. Juli 1896 in Blois; † 6. November 1967 in Chaponost) war ein französischer Astronom.[1][2]
Leben
Jean Claude Barthélemy Dufay wurde am 18. Juli 1896 als Sohn des Anwalts Simon Pierre Charles Dufay und dessen Frau Marie Louise Sidonie Berteloot in Blois im Département du Loir-et-Cher geboren.[3] Nach dem Abitur im Jahr 1913 begann er an der Sorbonne mit der Vorbereitung auf einen naturwissenschaftlichen Abschluss (Licence in Naturwissenschaften), verpflichtete sich jedoch 1915 im Ersten Weltkrieg als Infanteriesoldat und nahm sein Studium erst 1919 wieder auf.[4] Von Januar bis Oktober 1921 war er als Assistent an der Fakultät für Naturwissenschaften in Paris tätig. Daran anschließend unterrichtete er bis Oktober 1925 an einem Gymnasium in Montpellier, von Oktober 1925 bis Oktober 1927 am Lycée Charlemagne in Paris und von Oktober 1927 bis Dezember 1928 am Lycée Saint-Louis, ebenfalls in Paris.[4]
Dufay wurde 1928 mit der Dissertation Recherches sur la lumière du ciel nocturne (Untersuchungen des Nachthimmellichts) unter Charles Fabry und Jean Cabannes an der Universität von Paris promoviert.[5][6] Am 16. Februar 1929 nahm er eine Stelle als Hilfsastronom am Observatorium von Lyon an. Gut zwei Jahre später, am 1. Juli 1931, wurde er als Nachfolger von Charles Gallissot zum außerordentlichen Astronomen (astronome adjoint) ernannt, am 1. März 1932 übernahm er kommissarisch die Leitung und trat am 1. Oktober 1933 die Nachfolge von Jean Mascart als Direktor des Observatoriums an. Ab 1937 war er zusätzlich Direktor am neu gegründeten Observatorium Haute-Provence, an dessen Standortsuche er zusammen mit André Couder beteiligt war.[4] Es gelang ihm, beide Observatorien durch die Zeit des Zweiten Weltkriegs unter deutscher Besetzung und Vichy-Regime zu führen.[1]
Dufay war seit dem 24. Dezember 1919 mit Marie-Antoinette Mélanie Hélène Toyes verheiratet. Das Paar hatte zwei Söhne, Maurice Dufay (1923–1994) wurde Physiker und beschäftigte sich ebenfalls mit Spektroskopie, Claude Dufay (1926–2001) wurde Entomologe.[3][7] 1966 trat er in den Ruhestand. Jean Dufay starb unerwartet am 6. November 1967 im Alter von 71 Jahren in Chaponost, wohin er sich ein Jahr zuvor zurückgezogen hatte.[4]
Astronomie
Schon während seiner Zeit als Gymnasiallehrer befasste er sich intensiv mit Astronomie. Zusammen mit Cabannes bestimmte er 1926 die Höhe der Ozonschicht.[8] Die in seiner Dissertation (siehe oben) verwendeten spektroskopischen Methoden begründeten seine Hinwendung zur Astrophysik.[9] Während der Mondfinsternis vom 26. September 1931 analysierte er das Spektrum des vom Mond reflektieren Lichts, um Effekte der Erdatmosphäre zu studieren.[10] Im Spektrum der Nova DQ Herculis aus dem Jahre 1934 konnte er zusammen mit Marie Bloch erstmalig Absorptionslinien von CN in einer Nova nachweisen,[11] drei Jahre später veröffentlichten sie eine weitergehende Spektralanalyse dieser Nova.[12] Zusammen mit Cheng Maolan untersuchte er das Spektrum des Orionnebels.[9] Ferner interessierte er sich für Spektren von Kometen und Veränderlichen Sternen sowie für interstellare Materie und ihren Einfluss auf die scheinbare Struktur der Milchstraße und die interstellare Absorption.[9] Dufay nahm auch an zwei Expeditionen zu Sonnenfinsternissen teil. Bei der Sonnenfinsternis vom 31. August 1932 in Louiseville (Kanada) nahm er mit Henri Grouiller erfolgreich das Spektrum der Sonnenkorona auf,[13] eine zweite Expedition zur Sonnenfinsternis vom 19. Juni 1936 nach Qostanai (Kasachstan) scheiterte an schlechten Wetterbedingungen.[4]
Literatur
Jean Dufay ist Autor folgender Bücher:[3]
- Jean Dufay: Nébuleuses galactiques et matière interstellaire (Galaktische Nebel und interstellare Materie). Albin Michel, Paris 1954 (französisch, Dieses Buch wurde ins Englische übersetzt: Galactic Nebulae and Interstellar Matter).
- Jean Dufay: Introduction à l'astrophysique. Les étoiles (Einführung in die Astrophysik. Die Sterne). Armand Colin, Paris 1956 (französisch, Dieses Buch wurde ins Englische übersetzt: Introduction to Astrophysics: The Stars).
- Jean Dufay: Les comètes (Die Kometen). In: Que sais-je? Nr. 1236. Presses universitaires de France, Paris 1966 (französisch).
Das Leben und Wirken von Jean Defay wird in folgender Dissertation behandelt:
- Yves Gomas: Jean DUFAY (1896–1977), professeur, astrophysicien et directeur d’observatoires. Hrsg.: Université de Lyon. 26. September 2017 (französisch, hal.science – hier findet sich ein Bild auf Seite 14).
Ehrungen
Jean Dufay war Mitglied der Société astronomique de France (SAF), korrespondierendes Mitglied der Société royale des sciences de Liège und des Bureau des Longitudes[3] und ab 1954 auch assoziiertes Mitglied der Royal Astronomical Society.[14]
- 1932 erhielt Dufay den Prix Gabrielle et Camille Flammarion der SAF[15] und den Prix Valz der Académie des sciences.[3]
- Die SAF verlieh ihm 1946 die Médaille commérorative.[15]
- 1956 gewann der den Prix Dorothea Klumpke – Isaac Roberts der SAF.[15]
- 1963 wurde er mit dem Jules-Janssen-Preis ausgezeichnet.[16]
- Im Jahre 1970 benannte die Internationale Astronomische Union den Mondkrater Dufay offiziell nach Jean Dufay.[17]