Jean Löhe
deutscher Tenor
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Jean Löhe (* 9. August 1901 im Kölner Stadtteil Vingst; † 28. August 1990 ebenda) war ein deutscher Werbezeichner und Opernsänger (Lyrischer Tenor).
Leben
Löhe war eines von sechs Kindern Arbeiters, der als Former in einer Eisengießerei arbeitete. Trotz seiner musikalischen Begabung konnten ihm die Eltern keine künstlerische Ausbildung ermöglichen. Er absolvierte eine Ausbildung zum Schildermaler und Werbegraphiker. Nebenbei wurde er Mitglied in Arbeiter-Chorgemeinschaften und erhielt gelegentlich auch Partien als Solist. So wurde er schließlich für die Chorgemeinschaft von Dynamit Nobel entdeckt, erhielt eine Arbeitsstelle im Unternehmen und wurde als Tenor in den Chor eingegliedert. Im Alter von 35 Jahren ließ Löhe seine Stimme von Bruno Aleff-Baumöller an der Rheinischen Musikschule in Köln ausbilden. Dank seiner stimmlichen Begabung und seiner autodidaktisch erworbenen Fähigkeiten legte er im Folgejahr das Staatsexamen als lyrischer Tenor ab.
Seine Reifeprüfung hatte er erst im Alter von 39 Jahren abgelegt und sein Bühnendebüt gab er 1940 am Theater Koblenz gemeinsam mit Anneliese Rothenberger in der Oper Tosca von Giacomo Puccini.[1] Seine Karriere wurde durch den Einsatz an der Ostfront und sowjetische Kriegsgefangenschaft unterbrochen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland trat Löhe erfolgreich an den Stadttheatern von Altenburg in Thüringen und Plauen im Vogtland auf. 1948 fuhr er nach Berlin, um dort bei Intendanten, Konzertagenturen, Orchestern und Rundfunkanstalten vorzusingen und konnte beim amerikanischen Sender RIAS erste Aufnahmen machen. Als die Städtische Oper im Theater des Westens an der Charlottenburger Kantstraße den ständigen Spielbetrieb wieder aufnahm, trat Löhe dort auf. In den Jahren 1948 und 1949 war er zudem fest am Neuen Operettentheater Berlin engagiert.
Durch immer häufigere Radio-Präsenz, im Studio und in Live-Konzerten, wurde Löhe im Bereich der Operette und der „gehobenen Unterhaltungsmusik“ einem breiteren Publikum bekannt. In den 1950er Jahren war er auf allen Ätherwellen präsent, neben RIAS Berlin vornehmlich beim damaligen NWDR, Funkhaus Köln, unter dem das Operetten-Repertoire souverän betreuenden Dirigenten Franz Marszalek.
Löhe wurde Interpret für Schallplattenaufnahmen beim Label Telefunken. So sang er unter anderem in Werken von Johann Strauss (Sohn), Karl Millöcker, Carl Zeller, Franz Lehár, Emmerich Kálmán, Leo Fall, Paul Lincke, Eduard Künneke, Rudolf Kattnigg, Walter Kollo, Nico Dostal, Ralph Benatzky, in Potpourris, Samplers und Tenorschlagern. Es entstand auch eine deutschsprachige RIAS-Aufnahme der Perlenfischer (Bizet).
Aufgrund seines Alters gab er nach nur wenigen Jahren seine Karriere auf, da ein Wechsel ins Opernfach unrealistisch schien. Löhe trat gelegentlich noch als Oratoriensänger und bei festlichen Events auf oder gab private Konzerte.[2]
Rollen (Auswahl)
- Nadir in Perlenfischern (Georges Bizet)
- Chapelou in Postillon von Lonjumeau (Adolphe Adam)
- 23. Januar 1948: Manrico in Der Troubadour (Giuseppe Verdi)[3]
Weitere Auftritte hatte er im Rigoletto, bei Madama Butterfly, in Martha, Carmen, Tiefland, Land des Lächelns oder Hoffmanns Erzählungen.
Schallplattenaufnahmen (Auswahl)
- Beliebte Melodien von Walter Kollo 1958
- Meister Der Operette Elite Special (SOLP 33-232 / SOLP-232)
- Rendezvous Mit Jacques Offenbach 1965 Elite Special (SOLP-324)
Literatur
- Löhe, Jean. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. 3. Auflage. München 1997, Band 3, S. 2105.
- Löhe, Jean. In: Deutsches Theater-Lexikon : biographisches und bibliographisches Handbuch. Begründet von Wilhelm Kosch fortgeführt von Ingrid Bigler-Marschall. Nachtragsband, Teil 3: K–L. De Gruyter, Berlin / Boston / München 2013, ISBN 978-3-11-028460-7, S. 370 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
Weblinks
- Jean Löhe bei Operissimo auf der Basis des Großen Sängerlexikons
- Klaus Ulrich Spiegel: Tenorglanz auf Ätherwellen. Jean Löhe, ein Meteor, der nicht erglühen durfte (ku-spiegel.de).
- Klangbeispiel Juble mein Herz aus Rudolf Kattniggs Prinz von Thule
- Klangbeispiel Au fond du temple saint aus Georges Bizets Die Perlenfischer