Jens Chemnitz
grönländischer Pastor
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Jens Anton Elias Barsilaj Ignatius Chemnitz (* 24. November 1853 in Ikigaat; † 26. Februar 1929 in Alluitsoq)[1] war ein grönländischer Pastor.
Leben
Herkunft und Jugend
Jens Chemnitz war der Sohn des dänischen Böttchers Jens Carl Vilhelm Chemnitz (1811–1857), dessen Eltern Deutsche waren, und der grönländischen Hebamme Marie Elisabeth Egede (1817–1867), einer Urenkelin von Anders Olsen.[1] Sein Vater stammt aus einer dänischen Linie der Gelehrtenfamilie Chemnitz und ist Stammvater aller Chemnitzens in Grönland. Der Name bezieht sich auf Kemnitz, einen Stadtteil von Pritzwalk, wo die Familie seit dem 13. Jahrhundert belegt ist.[2]
Jens Chemnitz wurde in Ikigaat (an der Stelle des mittelalterlichen Herjólfsnes) geboren, wo sein Vater als Udstedsverwalter tätig war. Dieser starb, als er drei Jahre alt war, woraufhin seine Mutter mit ihm nach Nanortalik zog, wo sie 1860 bei Jørgen Kielsen wohnten, der mit Jens’ ältester Schwester Augusta verheiratet war. 1865 lebte er in Narsaq bei seinem älteren Bruder Pavia Chemnitz, der an Grønlands Seminarium studiert hatte und nun Katechet war.[3]
Von 1866 bis 1868 war Jens Chemnitz Präparand in Qaqortoq, da er anschließend das Seminarium besuchen sollte. 1868 wurde er konfirmiert und anschließend in Nuuk am Seminarium aufgenommen. Er schloss die Ausbildung 1874 ab, erhielt aber ein Jahr Extraunterricht. 1875 zog er nach Dänemark, um sich weiterbilden zu lassen. Nach seiner Rückkehr wurde er Katechet in Nuuk. 1880 wurde er erneut nach Dänemark geschickt, wo er Theologie studierte.[3]
Karriere
Nach seiner Ordination am 18. April 1883 in Kopenhagen wurde er im selben Jahr zum Oberkatecheten von Qaqortoq ernannt. 1885 wechselte er nach Sisimiut.[3] In Sisimiut sorgte er dafür, dass die Männer nicht mehr auf schottischen Fischkuttern anheuerten. Dadurch widmeten sie sich der eigenen Jagd, sammelten Vorräte für den Winter und machte die Bevölkerung somit weniger von externer Hilfe abhängig, womit er die Wirtschaft stärkte. Er versuchte zudem, die Bevölkerung zu motivieren, sich nicht zu verschulden.[4] 1900 zog er nach Alluitsoq und im Jahr nach Narsarmijit. Im Zuge der Kirchenreform von 1905 wurde er zum Pastor ernannt, ein Amt, das Grönländern zuvor üblicherweise nicht verliehen worden war.[3] Von 1905 bis 1906 war er ein weiteres Mal in Dänemark, um an Kommissionsarbeit teilzunehmen,[5] und war danach Pastor in Narsarmijit.[3] In Narsarmijit führte er die Schafzucht wieder ein, um den Bewohnern eine Einnahmequelle neben Fischerei und Robbenjagd zu bieten. Diese ist noch heute ein bedeutender Wirtschaftszweig in Südgrönland. Zudem setzte er sich für den Aufbau des organisierten Haifangs ein. Er wollte zudem die Wohnzustände der Bevölkerung verbessern und gründete eine Vereinigung, mit der die Bewohner sich gegenseitig beim Hausbau unterstützen konnten. Er ließ zudem ein Versammlungshaus errichten, wo anschließend aufklärende Vorträge für die Bevölkerung gehalten wurden.[4] Von 1911 bis 1912 war er wieder in Dänemark und wechselte dann zurück nach Alluitsoq.[3] Dort setzte er seine Aktivitäten fort und ließ zudem eine Hauswirtschaftsschule errichten.[4] Für die Jugend organisierte er Gemeinschaftgesang, Vorträge und Vorlesungen, die Männer ließ er im Kajakfahren und Handwerk unterrichten und seine Frau unterrichtete die Frauen an der Hausfrauenschule in Kochen, Nähen und Klöppeln.[6] 1926 wurde er pensioniert, nachdem er zuvor eine Hirnblutung erlitten hatte,[5] und starb 1929 in Alluitsoq im Alter von 75 Jahren.[7]
Ab 1890 schrieb er regelmäßig Artikel zu religiösen Themen in der Atuagagdliutit. 1906 war er Mitherausgeber des grönländischen Kirchengesangbuchs Tugsiutit.[3] 1901 wurde Jens Chemnitz zum Dannebrogsmand ernannt und 1912 wurde er zum Ritter des Dannebrogordens ernannt.[7][8] Er war vermutlich der erste Grönländer, dem jemals diese Ehre zuteilwurde.[4]
Ehe und Nachkommen
Jens Chemnitz heiratete am 10. Juni 1886 in Nuuk Ane Marie Jakobine Kathrine Holm (1858–1939), Tochter des dänischen Handelsassistenten Johan Frederik Holm (1828–1884) und dessen grönländischer Frau Juliane Bolette Raun Møller (1828–1875), uneheliche Tochter des Dänen Jørgen Nielsen Møller.[1] Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor:
- Karl Johan Pavia Chemnitz (1884–1965), verheiratet mit Margrethe Kristine Rosa Julie Høegh (1897–1978)
- Nikolaj Adolf Valdemar Chemnitz (1885–1941)
- Bolethe Maria Ester Chemnitz (1887–?)
- Bolette Maria Ingeborg Chemnitz (1888–1957), verheiratet mit Hans Hoseas Josva Kleist (1879–1938)
- Jørgen Niels Peter Chemnitz (1890–1956), verheiratet mit Vilhelmine Else Kathrine Dorthe Josefsen (1894–1978)
- Jens Lars Andreas Chemnitz (1891–1966), verheiratet mit Ingrid Elisabeth Nielsen († 1935)
- Kathrine Helene Martine Chemnitz (1893–?)
- Conrad Holm John Chemnitz (1893–?)
- Marie Augusta Hanne Chemnitz (1896–1972), verh. mit John Otto Abel Jens Høegh (1890–1966)
- Johan Frederik Morthen Chemnitz (1899–?)
Zu seinen Enkelkindern gehören der KGH-Direktor Aage Chemnitz (1927–2006), die Frauenrechtlerin Gudrun Chemnitz (1928–2004), der Propst Rink Kleist (1912–1977), die Schriftstellerin Maaliaaraq Vebæk (1917–2012), die Frauenrechtlerin Guldborg Chemnitz (1919–2003), der Intendant Jørgen Chemnitz (1923–2001), der Politiker Lars Chemnitz (1925–2006), der Vizebischof Jens Christian Chemnitz (1935–2005), der Politiker Erling Høegh (1924–1993), der Politiker Ingvar Høegh (1927–2007) und der Landesrat Oluf Høegh (1927–2018).