Joachim Dunkel
Keramiker, Zeichner, Bildhauer
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Joachim Dunkel (* 19. Juli 1925 in Berlin-Lichtenberg; † 10. Juni 2002 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer, Zeichner und Holzschneider. Er lebte und arbeitete in Berlin und in Lavangeot.
Kindheit, Jugend, erste Ausbildungen
Joachim Dunkel wurde 1925 in Berlin-Lichtenberg geboren.[1] Er war das erste Kind seiner Eltern Kurt und Hildegard Dunkel. Der Vater war Kaufmann und Großschlachter, die Mutter Buchhalterin, beide Eltern waren evangelisch. Bis 1930 lebte die Familie in einer Wohnung hinter den Schlachthöfen in der Ebertystraße (Zentralviehhof) und zog dann nach Hohenschönhausen, wo Dunkel ab 1932 die Volksschule besuchte. 1936 kam die Schwester Helga zur Welt. In diesem Jahr wechselte er an die Mittelschule, Amalienstraße, in Berlin-Weißensee und wurde Pimpf im Jungvolk. 1937 beging der Großvater (väterlicherseits), der ebenfalls seit vielen Jahren auf dem Schlachthof tätig war, Suizid. 1939 wurde sein Vater zum Militär einberufen. Dadurch verschlechterte sich der seelische Zustand der Mutter, die an Schizophrenie litt, was zu mehreren Aufenthalten in der Nervenklinik führte und durch das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten (seit 1941) inzwischen lebensbedrohlich für sie geworden war.
Von 1940 bis 1943 besuchte Joachim Dunkel ein Internat in Grünheide, 1941 wurde er konfirmiert. 1943 erhielt er die Mittlere Reife. Sein früher Berufswunsch, Künstler zu werden, wurde ihm vom Vater versagt.[2] Daraufhin begann er eine Tischlerlehre an den Kunstgewerblichen Werkstätten Berlin, Felzer & Stahl. Im Juni 1943 wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen, ab Oktober auf der Kriegsschule in Berlin-Spandau; nach der Unteroffiziersschule diente er als Soldat in den rumänischen Karpaten und wurde verwundet.[3] 1945, nach Kriegsende, geriet Dunkel in sowjetische Gefangenschaft. Bereits im Oktober 1945 wurde er, durch Krankheit geschwächt und stark abgemagert, entlassen und kehrte zurück nach Berlin, zur Familie. Im Sommer 1945 war bereits der Vater aus dem Kriegslazarett entlassen worden. Das Wohnhaus der Familie war indes während des Krieges zerstört worden und sie lebten nun in einer ihnen zugewiesenen Wohnung. Dunkels schlechter Allgemeinzustand fesselte ihn für längere Zeit ans Krankenbett, auch danach erlitt er immer wieder gesundheitliche Rückfälle.
Kunst- und Bildhauerstudium, zuerst in Berlin-Ost, später Berlin-West

1946 arbeitete Dunkel zuerst in einer Tischlerwerkstatt in Hohenschönhausen. Er bewarb sich gleichzeitig mit einer Mappe für Trickfilm/Phasenzeichnen bei der Deutschen Zeichenfilm G.m.b.H. (1945–1946). Dort empfahl man ihm, sich an der neugegründeten Kunstschule des Nordens in Berlin-Weißensee zu bewerben.[2] D. J. wurde dort angenommen und kam in die Klasse für Graphik (und Illustration) von Eva Schwimmer. Nach einiger Zeit wechselte er in das Fach Plastik und damit zu Bernhard Heiliger, dem er später nach Westberlin an die Hochschule für Bildende Künste (HfBK) folgte. 1948 heiratete J. D. die Studentin der angewandten Kunst Doritt Cadura[3] in Berlin-Steglitz.
Im Wintersemester 1949/1950 erfolgte der Wechsel Dunkels an die HfBK in Berlin-Charlottenburg, wo er bis 1956 Bildhauerei studierte. Hier unterrichteten neben Bernhard Heiliger weitere Größen des Kunstbetriebes wie Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Renée Sintenis, Richard Scheibe, Alexander Camaro und Heinz Trökes.[4] Geleitet wurde die Hochschule bis 1955 von dem expressionistischen Maler Karl Hofer.
1950 wurde Dunkels Tochter Stephanie geboren, die in den ersten Lebensjahren häufig schwer erkrankte, unter anderem an Tuberkulose. Dies führte dazu, dass auch bei Dunkel die Krankheit wieder ausbrach.[3] Die finanziell prekäre Lage der Familie wurde vor allem durch mehrere Stipendien aufgefangen, für die sich anfangs seine Dozentin Eva Schwimmer einsetzte. Durch Eva Schwimmer lernte Dunkel auch die Fotografin Gerda Schimpf kennen,[5] die bis Mitte der 1950er Jahre etliche Aufnahmen von Dunkel selbst sowie seinen frühen Arbeiten machte, unter anderem an der HfBK (Atelier am Steinplatz), später in seinem ersten eigenen Atelier in Lankwitz. Am 26. März 1956 beging Dunkels Mutter Hildegard trotz mehrfacher Behandlungen Suizid.[2] Am 31. März 1956 exmatrikulierte sich Joachim Dunkel und begann seitdem als freier Künstler zu arbeiten.
Der Zeichner
Die umfangreichen Kenntnisse, die Dunkel durch seine Dozentin Eva Schwimmer vermittelt bekam, drücken sich später auch in einer anhaltenden Wertschätzung seiner früheren Lehrerin gegenüber aus.[2] So widmete er ihr sein Künstlerbuch von 1987 mit Zeichnungen zu „Reineke Fuchs“. Dunkel erhielt durch Schwimmers Vermittlung auch Aufträge für Illustrationen sowie 1948 ein Leistungsstipendium zur Existenzsicherung (siehe oben). War Dunkel sich nach eigener Aussage[6] nach zwei oder drei Semestern nicht mehr sicher bei seiner Wahl der Fächer Zeichnen und Illustration, so blieb er trotzdem zeitlebens immer ein leidenschaftlicher Zeichner. Davon zeugen viele erzählende Blätter, häufig in Zyklen zusammengefasst, an denen er teils über mehrere Jahre arbeitete. Dabei verwendete Dunkel unterschiedlichste Materialien wie Blei-, Farb- und Kreidestifte, Filzstift, Kugelschreiber und verschiedenste Federn sowie Pinsel mit Tinten unterschiedlicher Couleur. Auch liebte er es später zunehmend diese verschiedenen Mittel zu kombinieren und dabei starke farbliche Akzente zu setzen. Einige der Themen seiner Zyklen sind neben „Reineke Fuchs“ „Sommernachtstraum“, „Don Quichote“, „Chevaliere de Florin“ und afghanische Märchen.
Ein weiteres Thema ist der Tod in unterschiedlichen Formen und Ausdrucksweisen, wozu wohl auch die Bearbeitung eigener, persönlich-familiärer Ereignisse gehört. Es gibt bei ihm etliche biblische Bezüge wie den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies, die Kreuzigung Jesu auf Golgatha, die Auferstehung und der Höllensturz. Ab den 1970er Jahren entstanden Landschaftszeichnungen und Naturstudien, angeregt durch Aufenthalte im Französischen Jura, wo Dunkel sich in Lavangeot ein kleines Domizil schuf, in das er immer wieder einkehrte und arbeitete. Es existiert außerdem ein großer Werkkomplex zu Pferden und Reiterdarstellungen.[7]
Der Holzschneider
Zwischen 1948 und 1949, während der Zeit des Suchens nach der für ihn richtigen künstlerischen Ausdrucksform, fertigte Dunkel eine Serie von Holzschnitten an. Dabei suchte er nach einer Möglichkeit, weg zu kommen vom rein zeichnerischen zu einem plastischeren Arbeiten, zu einem „anfassbaren“ Wirken.[6] Das Holzschneiden eröffnete Dunkel die Chance, am Ende für sich eine Entscheidung zu finden zwischen Zeichner und Bildhauer. Im Grunde sei dieser Wunsch von Beginn an in ihm da gewesen, brauchte aber seine Zeit, um sich herauszubilden. Die 1948/1949 von ihm geschaffene Werkgruppe von Holzschnitten, die er in Zeiten äußerster Materialknappheit verwirklichte, blieb erst einmal seine Einzige und zudem lange Zeit unbekannt.[8] Zu seinen Motiven hier zählen ein Selbstbildnis, welches ihn ungeschminkt in seiner damaligen, durch Krankheit und Not gezeichneten Lage und um Jahre gealtert zeigt. Dazu kommen mehrere weibliche Akte und Arbeiten mit Titeln wie „Maskenfest“, „Monster“, „Zirkus-Blätter“, „Versuchung des hlg. Antonius“ sowie ein Blatt, das sich ikonographisch an das biblische Christophorus-Thema anlehnt, ohne die Heiligkeit der Figur hervorzuheben. Erst ca. 40 Jahre später, zwischen 1991 und 1999, schuf Dunkel eine weitere Holzschnitt-Gruppe, die nun ihre öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung fand.
Der Bildhauer


In ihrer Beschreibung der Lehrjahre an der HfBK in Berlin-Charlottenburg, in der Klasse von Bernhard Heiliger, gibt die Bildhauerin Karin Reetz,[4] damals noch mit dem Nachnamen Graudenz und Studien-Kollegin von Joachim Dunkel, plastisch die häufig prekäre Lage der Studierenden wieder, die froh waren für jede Gelegenheit zur Aufstockung ihres knappen Budgets. Heiliger, der täglich in sein Meisteratelier am Steinplatz kam, gab seinen Schülern regelmäßig Korrektur. Dunkels Arbeitsschwerpunkt war damals das plastische Gestalten.[2] 1951 wurde Dunkel von Heiliger für Arbeiten am Relief für das Foyer im Schillertheater (Berlin) herangezogen. Ab März 1955 wurde er Meisterschüler bei Heiliger und konnte ein Jahr lang frei im Atelier am Steinplatz arbeiten.
Dunkel beteiligte sich bereits früh an Ausstellungen, so 1956 an einer internationalen Hochschulausstellung in Mailand und im selben Jahr an der Großen Berliner Kunstausstellung und im Holsteinischen Landesmuseum in Schloss Gottorf. 1957 präsentierte er 22 seiner Werke in der Ausstellungsserie „Junge Künstler stellen aus“ im Kunstamt Charlottenburg.[2] Für seine Großplastik eines Reiters erhielt er seinen ersten Kunstpreis. Zeigte sich 1951 in seinem abstrahierenden Selbstporträt (ein Bronzeguss befindet sich seit 1960 in der Nationalgalerie) noch deutlich seine Orientierung an der Formensprache Heiligers, folgte Dunkel seinem Lehrer nicht in die weitere Abstraktion, sondern entwickelte gemäß seiner inneren Vorstellungswelt und entsprechend der Formlogik seine eigene Formensprache. Neben der Form veränderte sich nach 1958 auch der Inhalt seiner Sujets. So gestaltete er in den ersten Jahren vor allem Tierplastiken wie Pferd, Reiter, Stier, Rehbock und Hahn (wovon einige Bronzegüsse an Museen und Einzelpersonen gingen) und konzentrierte sich in seinen Reiterfiguren oder im Stier auf kompakte und kraftvolle Darstellungen. Später widmete er sich zunehmend Mischwesen zwischen Mensch und Tier. Hier thematisierte Dunkel vornehmlich Verletzlichkeit, Unbestimmtheit und widmete sich dem Flüchtigen, Unvollständigen sowie dem Transitorischen.[2]
Die genannten Themen bearbeitete Dunkel im Laufe seines künstlerischen Schaffens in zahlreichen Porträts, darunter etliche Selbstporträts sowie vor allem in der Darstellung des Weiblichen. Dabei interessierte ihn nicht vorrangig das Sinnlich-Sexuelle, sondern die Verletzlichkeit darunter, die Ambivalenz von Präsenz, Lebendigkeit und gleichzeitiger Zerbrechlichkeit. Oft sind seine Figuren unvollständig, wirken wild, aber auch entrückt.[9] Hier schuf er Porträts, kleine und große Plastiken und Torsi in einer Vielzahl von Variationen wie auch in besagten Mischformen. Als ein weiteres Sujet tauchen bei Joachim Dunkel immer wieder religiöse Themen auf,[10] die er in vielfältiger Weise, nicht nur bildhauerisch, bearbeitet (siehe „Der Holzschnitzer“). Anfangs entschied sich der Künstler für das Relief, 1960 entstand „Apokalyptische Reiter“, 1964 folgte „Adam und Eva“, 1965 „Die Vertreibung aus dem Paradies“. Des Weiteren entstanden insgesamt zehn Kreuzigungsszenen, die er im Statuettenformat ausführte, das heißt, die meisten dieser Werke reichen nicht höher als 50 cm. Besonders das Kreuzigungsthema beschäftigte den nicht dezidiert religiösen Künstler im Laufe seines Lebens immer wieder, die zehnte Kreuzigungsgruppe entstand in seinem Sterbejahr 2002. Was ihn innerlich dabei bewogen haben mag, lässt sich sicher in seiner persönlichen und familiären Geschichte vermuten wie auch in seinem grundsätzlichen Interesse, alles Menschliche an Gefühlen, Motivationen und Handlungen zu erfassen und zeigen, dabei Gutes, Schönes genauso wie Gleichgültigkeit und Grausamkeit. Seine genaue Beobachtungsgabe schlug sich nieder in einer ebenso detaillierten Wiedergabe des Geschehenen, bei der nichts verschwiegen oder beschönigt wird. Ein weiteres typisches Kennzeichen für Dunkels Werk sind die zahlreichen Blätter, auf denen er parallel zur Entstehung eines bildhauerischen Werkes dieses mit Skizzen und Zeichnungen vorbereitete und quasi begleitete.
In ganz anderer Weise bearbeitete Dunkel das Thema der Weihnachtsgeschichte. So schuf er in Terrakotta, spielerisch, leicht und farbenfroh, eine jedes Jahr weiter anwachsende Szenerie einer Weihnachtskrippe, ein Geschenk an seine Frau Maria, die Dunkel 1974 heiratete und mit der er bis zu seinem Ende zusammen lebte. Heute befinden sich diese Krippenfiguren bei seiner Witwe, die sich seit vielen Jahren unter Jochen Dunkel Archiv um den umfangreichen Nachlass des Künstlers kümmert.
1960 erfolgte die erste Einzelausstellung in der Galerie Gerd Rosen, Berlin, in der neben Pferd und Reiter auch Porträts und weibliche Figuren zu sehen waren. Neben der Beteiligung an zahlreichen Gruppenausstellungen folgten etwa alle zwei Jahre weitere Einzelausstellungen (siehe „Ausstellungen“).
Dunkel als Lehrender
Ab 1959 begann Joachim Dunkel selber zu unterrichten.[2] Lag sein eigener Schwerpunkt als beginnender Bildhauer zuerst beim plastischen Gestalten, so vermittelte er Selbiges auch den nächsten Generationen, anfangs bei mehreren Berliner Institutionen wie an der Pädagogischen Hochschule in Berlin-Lankwitz, verschiedenen Berliner Volkshochschulen und an der Architekturfakultät der TU Berlin. Ab 1974 erhielt er im Fach Visuelle Kommunikation einen Lehrstuhl an der HfBK, wo er bis zu seiner Pensionierung 1990 Zeichnen und Modellierung unterrichtete. Bis Mitte der 1980er Jahre befand sich seine Modellierwerkstatt am Einsteinufer 43–53 im fünften Stock, ab 1986 im Erdgeschoss.[11]

In den beiden Werken „Joachim Dunkel, Texte zu Leben und Werk“, aus welchen hier schon vielfach zitiert wurde und in dem sich eine Reihe von Autorinnen und Autoren teilweise sehr intensiv mit Dunkels Leben und Werk auseinandersetzen, gibt es auch Berichte von einigen seiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler. Immer wieder wird Dunkels intensive, hoch konzentrierte, oft sehr direkte und nahbare Art beschrieben, dabei immer auf Augenhöhe, mit der er mit den bei ihm Lernenden kommunizierte. Dazu gehörten neben dem intensiven Arbeiten, dies häufig bis in die Abendstunden hinein, auch Austausch und Diskussionen in gemeinsamer Runde bei Tee und Wein.[12] Die sehr unterschiedlichen Erfahrungsberichte sind bestimmt von einem respektvollen bis bewundernden Grundton, sowohl was die pädagogischen Fähigkeiten ihres Lehrmeisters angeht, seine oft ungewöhnliche Vermittlung praktischer und künstlerisch bedeutsamer Lehrinhalte, als auch in Bezug auf die Art, mit der Dunkel für eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens und Respektes, auch unter den Studierenden, sorgte. Allerdings kamen nicht unbedingt Jeder und Jede klar mit Dunkels scharfer Urteilskraft und seiner mitunter zynischen Art. Wer sich jedoch hiervon nicht abschrecken ließ, profitierte offensichtlich sehr von diesem Lehrmeister und gehörte bald zu seiner „Fangemeinde“.[12]
Nach seiner Pensionierung leitete Dunkel Meisterklassen an der Kunsthochschule in Wroclaw.[2] 1989 stellte er auf Vermittlung des Verlegers Willmuth Arenhövel in einer Galerie in Wroclaw aus. Aus dieser sehr gut besuchten Ausstellung, die auch die erste war im Rahmen eines Austauschprogramms zwischen der HfBK und Akademie der Künste in Wroclaw, ergaben sich weitere Kontakte. Ab dieser Zeit begann Dunkel Workshops mit polnischen Studierenden der Bildhauerei an der Staatlichen Hochschule der Künste (PWSSP) durchzuführen.[13]
Auftragsarbeiten
Der Künstler Joachim Dunkel, der weder Mitglied im Bund Berliner Künstler (BBK) war noch sich durch eine Galerie vertreten ließ, war dennoch unter den Berliner Künstlern gut vernetzt.[2] Zudem pflegte er regelmäßige Kontakte nach Westdeutschland und war Mitglied sowohl in der Münchener Secession wie auch in der Neuen Darmstädter Sezession. Außerdem beteiligte Dunkel sich immer wieder an Wettbewerben, zum Teil gemeinsam mit anderen Künstlern. Im folgenden werden exemplarisch einige seiner Auftragsarbeiten vorgestellt.
In den 1950er Jahren war es üblich, dass Studierende der Kunsthochschulen auch mit staatlichen Aufträgen für öffentliche Gebäude versorgt wurden, wie bei der Sanierung des Charlottenburger Schlosses. 1957 erhielt Dunkel den Auftrag zur Herstellung der Säulenkapitelle und -basen für die Große Orangerie.[14] 1964 legte er Entwurfsskizzen vor für vier Figuren für die Balustrade zur Gartenseite hin, die angenommen wurden. Doch wurden die Aufträge zur Ausführung an ihn und drei weitere Kollegen für ihre jeweiligen Dachskulpturen erst 1971 erteilt. Die Erstaufstellung der insgesamt zwanzig Figuren in Aluminiumguss erfolgte erst zwischen 1976 und 1978. 1996 wurde das gesamte Figurenensemble wegen Sanierung des Daches abmontiert und 2007 wieder auf dem Dach des Berliner Schlosses aufgestellt.
1960/1961 erhielt Joachim Dunkel von Hans Scharoun den Auftrag, für die Freianlagen der Siedlung Charlottenburg-Nord Plastiken zu entwerfen zum Thema „Sonne, Mond und Sterne“ für sechs Aufstellungsorte innerhalb der Wohnanlage. Die Himmelskörper machen in kleinen und großen Pedants die Beziehungen zwischen den winklig zueinander stehenden Wohnblöcken sichtbar, die sechs Wohngehöfte bilden, und sind zudem auch untereinander in Beziehung gesetzt.[15]
Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins 1987 erhielt Dunkel vom West-Berliner Senat den Auftrag für die Schaffung einer neuen Berolina, nachdem die alte im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden war.[16] Diese sollte als Trophäe anlässlich der Funkausstellung im August 1987 an berühmte internationale Künstlerinnen und Künstler der Unterhaltungsindustrie überreicht werden. Jede der Bronzestatuetten wog 5 kg und war 50 cm hoch.
Im Laufe seines Schaffens fertigte Dunkel zahlreiche Porträts an von Familienangehörigen, Freunden, Kollegen sowie von sich selber. Etliche Porträts von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens entstanden wiederum als Auftragsarbeiten.[17] 1957 porträtierte Dunkel zum ersten Mal im Auftrag den hanseatischen Maler Friedrich Ahlers-Hestermann, diese Arbeit gelangte in die Galerie des 20. Jahrhunderts, heute Sammlung der Nationalgalerie. 1967 erfolgte das zweite Porträt des Malers, dessen Bronzeabgüsse die Akademie der Künste sowie die Hamburger Kunsthalle besitzt. 1975 schuf Dunkel das Bildnis von Margarete Kühn, die sich maßgeblich für die Bewahrung des Charlottenburger Schlosses vor dem Abriss und für seinen Wiederaufbau eingesetzt hatte.
Es gab und gibt bis heute eine Vielzahl temporärer und permanenter Kunststandorte, wo Dunkels Kunst ausgestellt, angekauft und aufgestellt wurde, im öffentlichen Raum wie in institutionellen Sammlungen. So wurden Dunkels „Figuren zur Krippe“ bisher mehrmals temporär in Berlin aufgestellt, unter anderem in Charlottenburg (Keramikmuseum, Villa Oppenheim[18], Georg Kolbe Haus Stiftung für Bildhauerei und anderswo) sowie in mehreren Städten der Bundesrepublik (darunter Göttingen, Pirna, Braunschweig, Bamberg, Halle, Velten).[19] Zu den permanenten Standorten von Dunkels Kunst gehören Städte wie Aachen, Antwerpen, Berlin, Bielefeld, Braunschweig, Coburg, Darmstadt, Frankfurt/Main, Göttingen, Halle, Hamburg, Kiel, Marbach, Stuttgart und Wolfsburg. Allein in Berlin sind Dunkels Kunstobjekte und Werkgruppen an etwa 20 Orten zu finden, in Institutionen sowie im öffentlichen Raum, wie die bereits erwähnten Attika-Figuren auf dem Dach des Schlosses Charlottenburg oder die genannten sechs Gestirne in der Wohnsiedlung am Heilmannring im Norden Charlottenburgs, die Porträt-Stele Carl Herz vor dem Rathaus Kreuzberg und das Porträt Gustav Heinemann im Bundespräsidialamt.[19]
Auf der Suche nach Arkadien
Joachim Dunkel liebte die Freiheit, sowohl als Künstler wie auch als Mensch. So vermied er es, der in seiner Arbeit wie auch im Privaten gut in verschiedene Richtungen vernetzt war, in Abhängigkeiten zu kommen.[20] Konkret bedeutete dies, sich in seiner Kunst keiner Richtung zu verschreiben, keiner Schule anzuhängen. Dies scheint um so bemerkenswerter, da er während seines Studiums nicht nur den Wechsel von der immer stärker ideologisch ausgerichteten Kunsthochschule Weißensee in Ost-Berlin an die Kunsthochschule Berlin-West vollzog, um dann hier mit dem „Kunststreit“ zwischen dem damaligen Direktor Karl Hofer und seinem Kontrahenten Will Grohmann um die Nachkriegsmoderne konfrontiert zu sein. Letztlich entschied er sich für keine der beiden Richtungen. Dunkel schuf seine eigene, aus seinem Denken und Fühlen heraus sich entwickelnde Ausdrucksform. Damit hatte er ein Alleinstellungsmerkmal und hielt sich zudem fern von Medien und das Kunstleben und den Kunstmarkt steuernden Personen und Formationen. Die Galeristin Josephine Gäbler, die 2003 die letzte noch mit Dunkel gemeinsam konzipierte Ausstellung zeigte, sagte über ihn: „Der Bildhauer Joachim Dunkel gilt als eigenwillig und unabhängig.“[20] Auch privat soll Dunkel seine künstlerische Arbeit über Besitztümer und privaten Luxus gestellt haben, was er nicht als Einschränkung, sondern als „Freiraum“ empfand. Vielleicht kein Zufall, dass Dunkel während der Jahre seiner Lehrtätigkeit in Polen sich dem Ort Arkadia, einem naturnahen Landschaftspark, dessen Anlage dem Rousseau’schen Freiheitsbegriff folgt, sehr verbunden fühlte.
Einzelausstellungen (Auswahl)
- 1960 Galerie Gerd Rosen, Berlin
- 1963 Gesellschaft für Bildende Kunst/Kunstgeschichtliches Institut Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz
- 1965 Galerie Gerda Bassenge, Berlin
- 1967 Galerie Elfriede Wirnitzer, Baden-Baden
- 1968 Galerie Seifert-Binder, München
- 1973 Kabinett Dr. Hanna Grisebach, Heidelberg
- 1975 Neuer Berliner Kunstverein zu Gast im Schloss Charlottenburg / Orangerie
- 1978 St. Matthäus Kirche am Kulturforum, Berlin
- 1981 Galerie zur Mühle, Königswinter
- 1986 Galerie Anja Bremer, Berlin
- 1987 Atelier James Lamy au Rousseau, Besançon
- 1990 galeria w pasazu, Wroclaw
- 1990 Galerie Pan-Opticum, Wasserburg
- 1991 Kunstkreis Hamm / Maximilianpark, Hamm
- 1993 Kunstverein / Pavillon im Hofgarten, Coburg
- 1994 Bildhauergalerie, Berlin
- 1995 Obere Galerie / Haus am Lützowplatz, Berlin
- 1997 Städtische Museen Heilbronn
- 2000 Studiogalerie der Stiftung für Bildhauerei / Georg Kolbe Museum, Berlin
- 2001 Galerie Bremer, Berlin
- 2002 Charlottenburger Forum für Kunst, Kultur und Medien / Villa Oppenheim, Berlin
- 2003 „signum crucis“ Skulptur – Zeichnung – Graphik / St. Jacobikirche, Göttingen
- 2004 „Tod am Nachmittag“ Zeichnungen und Holzschnitte Stiftung für Bildhauerei / Käthe-Kollwitz-Museum, Berlin
- Joachim Dunkel Zeichnung, Plastik, Holzschnitt / Kunstkreis Die Wassermühle, Lohne
- 2009 „Figur und Götterwelt“ Zeichnung-Plastik-Holzschnitt / Winckelmann-Museum Stendal
- 2010 „Daphne und ihre Schwestern“ Zeichnung, Plastik, Holzschnitt / Galerie am Klostersee und Skulpturenpark, Lehnin
- 2014 Joachim Dunkel Holzschnitte, Zeichnungen, Skulpturen / Forum Jacob Pins, Höxter
- 2015 „Innere Wirklichkeit“ / Galerie Mutter Fourage Wannsee, Berlin
- 2016 Joachim Dunkel Skulpturen und Grafik / Galerie am Plan, Pirna
- 2021 „mitten im Leben/media vita/der Tod“ Zeichnung Plastik Holzschnitt / St. Jacobi, Göttingen
- 2025 Galerie der Stadt Fellbach „Joachim Dunkel Holzschnitt-Zeichnung-Plastik“
Stipendien, Preise, Ehrungen
- 1948 Stipendiat der Hans-Otto-Stiftung (Ostberlin)
- 1950 Reisestipendium nach Paris
- 1952–1956 Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes
- 1954 Stipendium des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie
- 1955 Meisterschüler an der HBK
- 1956 Kunstpreis für Großplastik des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland
- 1958 Rompreis der Villa Massimo sowie Georg-Kolbe-Preis
- 1959 Reisestipendien der „Freunde der Bildenden Kunst e.V. Berlin“
- 1974 Berufung an Hochschule für Bildende Künste Berlin
- 1985 Erster Preis im Wettbewerb „Wahrzeichen beim Landtagsgebäude“ Niedersächsischer Landtag Hannover
- 1990 Ehrenpreis Haus Hildener Künstler e.V., Biennale Kleinplastik Hilden
Bibliografie (Auswahl)
- Katalog (I), „Joachim Dunkel“, mit Texten von Eberhard Roters, Joachim Kruse, Helmut Börsch-Supan und Martin Sperlich, Arenhövel, Berlin, 1995, 64. S., 61 Abb., ISBN 978-3-922912-31-6
- Katalog (II), „Joachim Dunkel“, mit Texten von Karl Arndt, Martin Sperlich und Alfred Werwigk, Arenhövel, Berlin, 1999, 64 S., 51 Abb., ISBN 978-3-922912-51-4
- Heilbronner Museumskatalog Nr. 66, „Joachim Dunkel, Gewißheit über den Wandel“, mit Texten von Andreas Pfeiffer, Petra Maisak, Reinhard Müller-Mehlis und Helmut Börsch-Supan, 112 Abb., ISBN 3-930811-62-6
- Hrsg. Waldtraut und Günter Braun, „Joachim Dunkel, Figuren zur Krippe“, mit Texten von Wolfgang Huber (Vorwort), Helmut Börsch-Supan und Dirk Tiedemann, Arenhövel, Berlin, 2008, 100 S. 120 Abb., ISBN 978-3-922912-69-9
- Hrsg. Rosemarie und Konrad Donhuijsen, „Dunkel’s Geheimnis, Texte zu Leben Werk von Joachim Dunkel“, Band I, Arenhövel Berlin 2010, 320 S., 288 Abb., ISBN 978-3-922912-70-5
- Hrsg. Rosemarie und Konrad Donhuijsen, „Dunkel’s Freiheit, Texte zu Leben Werk von Joachim Dunkel“, Band II, Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen-Berlin, 2016, 320 S., 311 Abb., ISBN 978-3-8030-3380-2
- Hrsg. Thomas Sandkühler und Bruno Torres Sunén, „Der Bär von Berlin“, Jahrbuch des Vereins für die Geschichte Berlins, 74. Folge 2025, Westkreuz-Verlag GmbH, Konrad Donhuijsen, "Einblicke von außen, Zum Zentenar des Berliner Bildhauers Joachim Dunkel (1925–2002), S. 79–100, ISSN 0522-0033
Weblinks
- Deutsche Zeichenfilm G.m.b.H.
- Website Joachim Dunkel
- Dunkels vier Skulpturen auf der Ballustrade der Nordfassade von Schloss Charlottenburg
- Bildhauerei Berlin, Springendes Pferd von J. Dunkel
- J. Dunkels Reineke Fuchs (nach J. W. v. Goethe) bei Museum Digital
- 2025 Ausstellungseröffnung Joachim Dunkel in Fellbach
- Besuch des Nachlasses von Joachim Dunkel am 18. April 2026, Berlin