Joan Bennett
US-amerikanische Schauspielerin (1910-1990)
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Joan Bennett (* 27. Februar 1910 in Palisades, New Jersey; † 7. Dezember 1990 in Scarsdale, New York) war eine US-amerikanische Schauspielerin. Bekannt wurde sie durch Filme wie Vier Schwestern, Gefährliche Begegnung, Vater der Braut und Suspiria.

Leben und Karriere

Joan Bennett entstammte einer Schauspielerfamilie, die sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Ihre Eltern waren in ihrer Kindheit regelmäßig auf Tournee quer durch die USA, sodass Joan Bennett bei engen Freunden der Familie aufwuchs. Ihr Vater war der Theaterstar Richard Bennett, ihre Schwestern die Schauspielerinnen Barbara Bennett und Constance Bennett. Bereits mit vier Jahren stand Joan zum ersten Mal auf der Bühne. Im Jahr darauf gab sie in dem Stummfilm The Valley of Decision ihr Leinwanddebüt. Sie absolvierte ihre Schulausbildung unter anderem in Versailles und heiratete bereits im Alter von 16 Jahren. Nachdem sie sich 1928 von ihrem Ehemann, einem Alkoholiker, hatte scheiden lassen, musste sie als alleinerziehende Mutter selbst für Einkommen sorgen. Daraufhin wandte sie sich wieder der Schauspielerei zu.[1]
Ab 1928 war Bennett ausschließlich als Filmschauspielerin tätig. Sie war zunächst bei First National unter Vertrag, spielte oft Rollen, die von Loretta Young abgelehnt wurden (Moby Dick, Disraeli) und war dabei vor allem im Rollenfach der jungen Geliebten zu sehen. Später, unter Vertrag bei Fox, war sie oft an der Seite des jungen Spencer Tracy zu sehen. 1933 spielte Bennett neben Katharine Hepburn in der Literaturverfilmung Vier Schwestern nach dem Roman von Louisa May Alcott die Rolle der Amy March.
Ihre Karriere bekam ab 1934 einen Schub, als sie bei Paramount unter Vertrag genommen wurde. Neben Bing Crosby und W. C. Fields spielte sie in Mississippi und an der Seite von Claudette Colbert, Charles Boyer und Joel McCrea in Oberarzt Dr. Monet. Ihr Talent für leichte Komödien stellte sie neben Cary Grant in Wedding Present und Große braune Augen (beide 1936) unter Beweis. 1938 bekam Bennett viel öffentliche Aufmerksamkeit, als sie sich für den Film Trade Winds ihre blonden Haare à la Hedy Lamarr brünett färben ließ und diesen Look (inklusive Mittelscheitel) bis zum Ende ihrer Laufbahn beibehielt. Ende der 1930er-Jahre gehörte sie zu den engsten Anwärterinnen für die Rolle der Scarlett O’Hara in Vom Winde verweht.[2] Nur von ihr und Paulette Goddard wurden Probeaufnahmen in Technicolor gemacht. Am Ende bekam aber die in Hollywood bis dato weitgehend unbekannte Britin Vivien Leigh die Rolle.
In den 1940er-Jahren trat Bennett insbesondere in Thrillern auf und stellte den Rollentyp der Femme fatale in mehreren Film noirs dar.[3] Sie stand mehrfach für Universal Pictures und RKO Radio Pictures vor der Kamera, aber auch für mehrere unabhängige Filmproduzenten wie ihren Ehemann Walter Wanger. Unter der Regie von Fritz Lang war sie in den Thrillern Menschenjagd (1941), Gefährliche Begegnung (1944), Straße der Versuchung (1945) und Geheimnis hinter der Tür (1948) zu sehen.[4] In ersterem und letzterem Film war ihre Figur Sympathieträgerin, während sie in den beiden mittleren Filmen undurchsichtige und kriminelle Frauen verkörperte, denen ihr Filmpartner Edward G. Robinson bis hin zur Mordtat hoffnungslos verfällt. Ebenfalls zum Teil düster gelagert waren ihre Darstellung einer streitenden Ehefrau in Zoltan Kordas Die Affäre Macomber und einer betrügenden Ehefrau in Jean Renoirs letzter amerikanischer Regiearbeit Die Frau am Strand (beide 1947). In Max Ophüls’ Schweigegeld für Liebesbriefe (1949) spielte sie eine aufopferungsvolle Mutter, die ihre Tochter vom Mordverdacht fernhalten will und dabei selbst in gefährliche Situationen gerät.
1950 hatte sie als Familienmutter Ellie Banks in Vincente Minnellis Komödie Vater der Braut neben Spencer Tracy und Elizabeth Taylor großen Erfolg. Diese Rolle spielte sie auch in der 1951 erschienenen Fortsetzung Ein Geschenk des Himmels. Bennett, nunmehr über 40 Jahre alt, versuchte damit offenbar den Rollenwechsel ins mütterliche Rollenfach. Überschattet wurde ihre Karriere jedoch im Folgenden von einem Skandal, als im Dezember 1951 ihr damaliger Mann Walter Wanger im Dezember 1951 ihren Agenten Jennings Lang vor der Haustür niederschoss, da er eine Affäre zwischen Bennett und Lang vermutete. Lang überlebte verletzt und Wanger musste für vier Monate ins Gefängnis; Bennetts Karriere wurde durch die negativen Schlagzeilen nachhaltig beschädigt.[5]
Mitte der 1950er-Jahre spielte sie jeweils eine Mutter in Michael Curtiz’ schwarzer Komödie Wir sind keine Engel und in Douglas Sirks Melodram Es gibt immer ein Morgen. In den folgenden Jahren blieben größere Rollen jedoch aus und sie stand nur sehr sporadisch vor der Kamera. Ab 1966 feierte Bennett mit der Fernsehserie Dark Shadows ein Comeback, durch die sie der breiten Öffentlichkeit in den USA bekannter als je zuvor wurde. In der Familiensaga, bei der die Lebenden in Kontakt mit allen Formen von Untoten treten, war sie bis 1971 in einer tragenden Rolle zu sehen; sie wirkte 1970 auch im dazugehörigen Kinofilm Schloss der Vampire mit. Die Serie war sehr populär und stilbildend für ein ganzes Genre. Eine ihrer letzten Rollen hatte sie 1977 in Dario Argentos Horrorfilm Suspiria. Insgesamt umfasst ihr filmisches Schaffen bis zu ihrem Karriereende 1982 fast 100 Film- und Fernsehproduktionen.
Joan Bennett war viermal verheiratet: von 1926 bis 1928 mit John Marion Fox, von 1932 bis 1937 mit dem Autoren Gene Markey, von 1940 bis 1965 mit dem Produzenten Walter Wanger sowie von 1978 bis zu ihrem Tod mit dem Publizisten David Wilde. Aus den ersten drei Ehen hatte sie vier Töchter. Als sie 1990 im Alter von 80 Jahren an einem Herz-Kreislauf-Stillstand starb, war sie dreizehnfache Großmutter.[6] Beigesetzt ist sie auf dem Pleasant View Cemetery in Lyme, Connecticut.[3]
Filmografie (Auswahl)
- 1916: The Valley of Decision
- 1928: The Divine Lady
- 1929: Die ungekrönte Königin (The Divine Lady)
- 1929: Bulldog Drummond
- 1929: Disraeli
- 1930: Moby Dick
- 1931: Doctors’ Wives
- 1932: She Wanted a Millionaire
- 1932: Me and My Gal
- 1933: Vier Schwestern (Little Women)
- 1934: Jagd nach dem Glück (The Pursuit of Happiness)
- 1935: Oberarzt Dr. Monet (Private Worlds)
- 1935: Mississippi
- 1935: Der Mann, der die Bank von Monte Carlo sprengte (The Man Who Broke the Bank at Monte Carlo)
- 1936: Große braune Augen (Big Brown Eyes)
- 1936: Wedding Present
- 1937: Für Sie, Madame … (Vogues of 1938)
- 1938: I Met My Love Again
- 1938: Über die Grenze entkommen (The Texans)
- 1938: Trade Winds
- 1939: Der Mann mit der eisernen Maske (The Man in the Iron Mask)
- 1939: Die grüne Hölle (Green Hell)
- 1939: Nenn mich Hilda (The Housekeeper’s Daughter)
- 1940: The House Across the Bay
- 1940: The Man I Married
- 1940: Die Stunde der Vergeltung (The Son of Monte Cristo)
- 1941: Menschenjagd (Man Hunt)
- 1941: Wild Geese Calling
- 1943: Irrtum nicht ausgeschlossen (Margin for Error)
- 1944: Gefährliche Begegnung (The Woman in the Window)
- 1945: Straße der Versuchung (Scarlet Street)
- 1947: Die Frau am Strand (The Woman on the Beach)
- 1947: Die Affäre Macomber (The Macomber Affair)
- 1948: Geheimnis hinter der Tür (Secret Beyond the Door)
- 1948: Der Mann mit der Narbe (Hollow Triumph)
- 1949: Schweigegeld für Liebesbriefe (The Reckless Moment)
- 1950: For Heaven’s Sake
- 1950: Vater der Braut (Father of the Bride)
- 1951: Ein Geschenk des Himmels (Father’s Little Dividend)
- 1954: Die Autofalle von Las Vegas (Highway Dragnet)
- 1955: Wir sind keine Engel (We’re No Angels)
- 1956: Es gibt immer ein Morgen (There’s Always Tomorrow)
- 1959: Too Young to Get Steady (Fernsehserie, sieben Folgen)
- 1960: Begierde im Staub (Desire in the Dust)
- 1966–1971: Dark Shadows (Fernsehserie, 389 Folgen)
- 1970: Schloss der Vampire (House of Dark Shadows)
- 1977: Suspiria
- 1981: Devil’s House – Wenn Mauern töten (This House Possessed)
- 1982: Scheidungskriege (Divorce Wars: A Love Story, Fernsehfilm)
Auszeichnungen
- 1960: Stern auf dem Hollywood Walk of Fame für ihre Filmarbeit
- 1966: Nominierung für den Emmy Award als beste Darstellerin einer Seifenoper für Dark Shadows
- 1977: Nominierung für den Saturn Award als beste Nebendarstellerin für Suspiria
Weblinks
- Joan Bennett bei IMDb
- Joan Bennett ( vom 21. Oktober 2019 im Internet Archive) bei AllMovie (englisch)
- Joan Bennett in der Internet Broadway Database (englisch)
- Joan Bennett In: Virtual History (englisch)
- Joan Bennett in der Datenbank Find a Grave