Joan Fuster Bonnín

mallorquinischer Maler From Wikipedia, the free encyclopedia

Joan Fuster Bonnín (* 22. Mai 1870 in Palma de Mallorca; † 16. April 1943 ebenda) war ein spanischer Maler und zählt heute zu den bekanntesten Künstlern der Insel Mallorca.

Joan Fuster Bonnín (um 1920)

Leben und Werk

Joan Fuster Bonnín war der Sohn eines Kurzwarenhändlers und studierte an der Escola Provincial de Belles Arts, einer Kunstschule in Palma. Anschließend arbeitete und studierte er in der Werkstatt des Malers Ricardo Anckermann. Um 1894 besaß er ein eigenes Atelier und gab Zeichen- und Malkurse. Daneben beteiligte er sich an den regelmäßigen Ausstellungen des Foment de la Pintura i l’Escultura, einer Vereinigung zur Förderung von Malerei und Bildhauerei. Zu dieser Zeit schuf er Landschaften, Stillleben und Porträts von vorzugsweise weiblichen Modellen in Ölfarben, Pastell und Aquarell. Er nahm 1896 und 1898 an der Exposició General de Belles Arts i Indústries Artístiques (Generalausstellung der bildenden Künste und der Kunstindustrie) in Barcelona teil und stellte 1899 auf der Exposició Nacional de Belles Arts (Nationale Ausstellung der Schönen Künste) in Madrid aus. 1898 zog er nach Valldemossa, heiratete Maria Ignàsia Tarongí und wurde später Vater von vier Töchtern.

Joan Fuster Bonnín: Temps de verema (1899)

In seinen frühen Jahren zeichnete sich Fuster durch einen breiten, halb pastosen und schnellen Pinselstrich aus. Detaillierte, sorgfältig ausgeführte und klar definierte Formen bildeten die Grundlage seiner Werke. Seine Palette bestand aus reinen Farben und hellen Tönen. Die Bilder sind dabei von einem intensiven Licht erfüllt, das Farben und Formen zum Leuchten bringt. Auch in Dämmerungs- und Nachtmotiven nimmt das Licht eine zentrale Stellung ein. Insofern hoben sich seine Werke von der damals etablierten mallorquinischen Malerei ab. Häufige Motive seiner Porträts waren die Landbevölkerung, Bäuerinnen und Fischer bei der Arbeit. Zu den Werken aus der Zeit vor 1900 zählen El passeig del Born (1897), Retrat de l’esposa (1898), Temps de verema (1899),[1] Primavera (1899) und Dues pescadores (1899).

Die aktivste und produktivste Schaffensphase des Künstlers war zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In diesen Jahre fand ein Wandel in der Malerei und auch in der Gesellschaft der Insel statt. Fuster ließ sich von diesen Innovationen inspirieren, wodurch sein Werk von einer Stimmung der Entwicklung, des Experimentierens und der Erneuerung erfasst wurde. Unter dem Einfluss der Modernisten vereinfachte er seine Entwürfe und verzichtete auf überflüssige Details. Dadurch erreichte er eine gewisse Leichtigkeit und Natürlichkeit, schuf aber zugleich Kompositionen von großer Dichte und Solidität. Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens war nun die Landschaftsmalerei. Seine beliebtesten Motive waren Ansichten von Valldemossa, Sóller und Palma und die Westküste von Mallorca.

Joan Fuster Bonnín: Nocturn amb figures (1900)

Fuster stellte regelmäßig an der jährlichen Exposicion nacional de Bellas Artes (Nationale Ausstellung der Schönen Künste) in Madrid aus. 1903 gewann er die Goldmedaille bei der Internationalen Kunstausstellung in Marseille. Seine erste Einzelausstellung fand 1904 in Barcelona statt. Durch seine Freundschaft mit den Malern Joaquín Mir und Santiago Rusiñol lernte er neue Techniken, Farben und Themen kennen. Er stand auch in engem Kontakt mit dem französischen Künstler Henri Brugnot (1874–1940), der eines der wenigen Porträts von Fuster malte. Einige der Werke, die Fuster in dieser Periode schuf, zeugen von einer vertieften Kenntnis der Technik der französischen Impressionisten. Um 1910 wurde sein Pinselstrich dichter und die Farbe gewann gegenüber der Form an Bedeutung. 1913 nahm er an der Internationalen Ausstellung im Königlichen Glaspalast in München teil. Fusters erste Einzelausstellung in Palma de Mallorca fand 1914 im Cercle Liberal statt. Gemälde aus dieser Epoche sind Nocturn amb figures (1900), Joveneta entre flors (1902), L’estany de Son Moragues (1904), Retrat de l’amo de Son Moragues (1904),[2] Jardí valldemossí (um 1913) und Jardí de Son Moragues (1913/1914). Son Moragues ist ein Landgut in der Nähe von Valldemossa, auf dem sich Bonnín häufig aufhielt.

Joan Fuster Bonnín: Retrat de l’Amo de Son Moragues (1904)

Hermenegild Anglada i Camarasa, der sich 1914 auf Mallorca in Pollença niedergelassen hatte, übte aufgrund seiner Persönlichkeit, seines Ansehens und seines Œuvre sofort einen großen Einfluss auf die Kunstszene der Insel aus. Auch Fuster ließ sich von der Technik und den Themen Angladas inspirieren. Sein Pinselstrich wurde breiter und dicker, seine Farben gewannen an Intensität und Kraft. Neben vielfältigen Grüntönen verwendete er nun vermehrt Blautöne. Zwischen 1915 und 1930 veranstaltete er 14 Einzelausstellungen an verschiedensten Orten, darunter Palma, Barcelona, Maó, Bilbao und Buenos Aires. Er nahm auch an zahlreichen Gruppenausstellungen in Palma und Barcelona teil und stellte wieder in Madrid (1917 und 1926) und Barcelona (1921) seine Gemälde aus. 1919 nahm er eine Stelle als Lehrkraft für Technisches Zeichnen an der Escola d’Arts i Oficis (Schule für Kunst und Handwerk) in Palma an und unterrichtete regelmäßig bis zu seiner Pensionierung 1940. Zu den Werken aus dieser Zeit gehören Retrat de l’esposa (um 1915), Paisatge amb oliveres (um 1917) Retrat de sa filla M. Ignàsia (um 1917), Hort de Valldemossa (um 1920), L’Horta de Sóller (um 1920), Jardí del Pirata (Son Catlaret) (um 1926), Dia gris (um 1928) und I Lectura a l’estany (um 1928).

Joan Fuster Bonnín: Retrat de l’esposa (um 1915)

In den 1930er Jahren experimentierte Fuster weiter mit neuen Ausdrucksformen, neuen Kombinationen von Farben und Texturen. Sein Duktus wird beherrscht von breiten und suggestiven Strichen, unterstützt durch intensive und lebendige Farben. Die vormals dominierenden Formen treten zurück hinter einen Kontext, der in erster Linie der Hervorhebung der Farbe dient. Die allgemeine wirtschaftliche Krise zu dieser Zeit veranlasste den Maler, sich auf kleinformatige Werke zu konzentrieren, die weniger kostspielig und leichter zu verkaufen waren. Er widmete sich auch verstärkt Auftragsarbeiten und malte Porträts für die Handelskammer und für das Rathaus von Palma. Trotz der Widrigkeiten hielt er fünf Einzelausstellungen in Palma ab und nahm an mehreren Gruppenausstellungen in Palma und Barcelona teil. In dieser Zeit entstanden auch mehrere Pleinair-Gemälde wie Carrer de poble (um 1936), Oliveres (um 1938) und I Jardí (um 1938), sowie zahlreiche Stillleben, darunter Natura mota en blancs (1939), und kleinformatigen Ölgemälde wie Vista de Palma (um 1931), und I Paisatges d’ametller florits (um 1931).

Joan Fuster Bonnín: Vista de la badia de Palma (um 1931)

In den letzten Jahren seines Lebens schwächte Fuster die Farbgebung der vorangegangenen Phase wieder ab und kehrte zu einer klareren Konzeption und einer ruhigeren Ausführung der Formen zurück. Er schuf auch Stillleben und einige Kompositionen mit folkloristischem Charakter, sein Interesse galt aber in erster Linie klaren und leuchtenden Landschaften. In diesen Jahren veranstaltete er trotz seiner angeschlagenen Gesundheit drei Einzelausstellungen in Barcelona und zwei in Palma. 1942 erhielt er eine lobende Erwähnung auf dem I. Salon d'Automne des Cercle de Belles Arts (1. Herbstsalon des Kreises der Schönen Künste), an dessen Gründung er 1940 beteiligt war. Fuster starb in Palma 1943 im Alter von 72 Jahren.

Nachwirkung

Der Cercle de Belles Arts von Palma widmete Fuster 1945 eine Gedenkausstellung. 1947 veranstalteten die Galeries Quint eine Retrospektive mit Werken des Malers. 1970, zum 100. Geburtstag des Künstlers, organisierten der Cercle de Belles Arts und die Galeries Costa separate Ausstellungen in Palma. 1970 veranstaltete die Stadt Valldemossa eine Ausstellung im Kapitelsaal des Kartäuserklosters und die Stadt von Sóller präsentierte seine Werke im Gebäude der Sociedad La Unió, auch bekannt als Sa Botigueta. 1995 organisierte das Ministerium für Kultur, Bildung und Sport eine Ausstellung in Sa Llonja, zu der 118 Werke des Malers zusammengeführt und ein illustrierter Katalog veröffentlicht wurde.[3] Anlässlich seines 150. Geburtstags 2020 organisierte die Stadtverwaltung von Valldemossa zusammen mit der Fundació Coll Bardolet eine große Gedenkausstellung.[4]

Werke von Fuster befanden sich in den Ausstellungen Paisatges abans (1986), Arts i Oficis (1992), 100 anys, 100 pintors (1993), Un segle de paisatgisme a les Illes Balears (2007) und anderen retrospektiven Ausstellungen, die renommierten Malern der Inseln gewidmet waren. Anlässlich der Kunstnacht 2013 in Palma widmete die Galerie Maneu – Nou Espai dem Maler eine Ausstellung, in der 37 seiner bisher unveröffentlichten Werke gezeigt wurden, darunter insbesondere das Gemälde Retrat de l’arxiduc Lluís Salvador (um 1920), das den Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich-Toskana zeigt.[5] Die Galerie wird von Joan Oliver, einem Enkel von Fuster, geführt. 2024 organisierte Oliver im Rahmen der Kunstnacht in Palma eine weitere Ausstellung von 40 Gemälden des Künstlers.[6]

Fusters Werke befinden sich u. a. im Besitz des Consell de Mallorca (Inselrat von Mallorca, oberstes Regierungsgremium), des Rathauses von Palma, des Museo de Mallorca in Palma, des Museu Municipal von Valldemossa, des Museums Can Prunera von Sóller, des Ateneu de Maó auf Menorca, der Handels-, Industrie- und Schifffahrtskammer von Mallorca und Ibiza, der Banc d’Espanya in Palma und der Bank Sa Nostra. In Valldemossa ist eine Straße ist nach Fuster benannt.

Auszeichnungen

  • 1897: Silbermedaille bei der Exposició Balear de Sóller
  • 1903: Goldmedaille bei der Exposition internationale in Marseille
  • 1911: Erste Medaille bei der Exposició General de Belles Arts in Maó

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 1904, 1943: Cercle de Belles Arts, Palma
  • 1905, 1906, 1907: Saló Esteva, Figueras i successors d’Hoyos, Barcelona
  • 1914: Cercle Liberal, Palma
  • 1915: Cercle de Belles Arts del Veloz Sport Balear, Palma
  • 1917, 1926: Sala Parés, Barcelona
  • 1917, 1919, 1924; 1926: La Veda, Palma
  • 1920: Galerias Desclaux, Bilbao
  • 1928: La Pinacoteca, Barcelona
  • 1928, 1935, 1939, 1941: Galeries Costa, Palma
  • 1929, 1941: Galeries Laietanes, Barcelona
  • 1929: Sala Witcomb, Buenos Aires
  • 1929: Ateneu de Maó, Maó
  • 1930, 1931: Cercle Mallorquí, Palma
  • 1932: Galeries Mallorquines, Palma
  • 1941: Galeries Costa, Barcelona
  • 1943: Sala Reig, Barcelona

Literatur

  • Miquel Alenyar i Fuster, Gabriel Ramon: Joan Fuster (1870–1943). Edicions Llonja, Palma 1995, ISBN 84-86815-65-7.
Commons: Joan Fuster Bonnín – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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