Joan Rebull

spanischer Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Joan Rebull i Torroja (* 26. Januar 1899 in Reus, Spanien; † 27. Februar 1981 in Barcelona) war ein spanischer Bildhauer und Zeichner. Rebull vertrat innerhalb des katalanischen Noucentisme, einer neoklassischen Sammelbewegung, die den Modernisme zu überwinden suchte, eine eigenständige Position und gilt als herausragende katalanische Künstlerpersönlichkeit seiner Zeit.

Joan Rebull in Betrachtung seiner Skulptur La ben plantada

Leben

Aus einfachen Verhältnissen stammend, wurde Rebull im südkatalanischen Reus zunächst in einer lokalen, auf religiöse Plastik spezialisierten Werkstatt zum Bildschnitzer ausgebildet. Durch außergewöhnliche Begabung aufgefallen, übersiedelte er 16-jährig nach Barcelona, wo er sich an der Escuela de Arte de la Llotja einschrieb und eine Stelle in der Werkstatt eines Marmorbildhauers antrat.[1]

Erste Ausstellungen in Reus ließen Förderer auf den jungen Künstler aufmerksam werden, was ihm die Fortsetzung seiner Studien und die Gründung eines eigenen Ateliers in Barcelona ermöglichte. Mit gleichaltrigen Künstlerkollegen (u. a. Josep Granyer i Giralt) gründete er 1917 die Gruppe Els Evolucionistes, die innerhalb der Sammelbewegung des sogenannten Noucentisme bald eine führende Rolle einnahm.

Aus der 1925 mit Anna Rodríguez i Torrents geschlossenen Ehe gingen drei Kinder hervor: Jordi (1927), Elvira (1935) und Xavier (1938).

Eine wichtige Station des künstlerischen Werdegangs Joan Rebulls in den 1920er Jahren war Paris (1926–1929), wo er Freundschaft mit Pablo Picasso schloss und 1928 am Salon des Artistes Indépendants teilnahm. Rebull machte sich zunehmend auch als Zeichner einen Namen, illustrierte unter anderem in Zusammenarbeit mit Francesc Domingo mehrere Ausgaben der von André Cayatte und René Char gegründeten Zeitschrift Méridiens. Deutlich experimentierfreudiger als der Plastiker, nahm der Grafiker Rebull Anleihen bei Kubismus und Surrealismus und experimentierte auch mit abstrakten und semiabstrakten Formen.[2]

In den Jahren der Zweiten Spanischen Republik, deren Ausrufung er euphorisch begrüßte, betätigte sich Rebull als Mitglied der 1931 gegründeten Esquerra Republicana de Catalunya (ERC, dt. „Republikanische Linke Kataloniens“) auch in der Kulturpolitik. Sein Hauptaugenmerk galt dabei der Erneuerung der Kunstausbildung, die exemplarisch in einem Pilotprojekt, der neu gegründeten Taller-Escola de Pintura i Escultura in der Stadt Tarragona umzusetzen versucht wurde.

Als Bildhauer war Rebull in diesen Jahren mit zahlreichen Auftragsarbeiten beschäftigt.

Vom Ende des Spanischen Bürgerkriegs 1939 zum Verlassen seiner katalanischen Heimat gezwungen, fiel Rebulls Wahl erneut auf Paris, wo er im Kreis befreundeter Exilanten die Jahre der deutschen Besatzung verlebte, die vom frühen Tod seiner ersten Frau Anna im Jahre 1943 überschattet waren. Künstlerisch zählte neben erneuten Teilnahmen am Salon d’Automne vor allem die Kollaboration mit Jean Cocteau und Emilio Grau Sala für das Théatre de la Mode, die Rebull in der Folge auch nach London führte, zu den Höhepunkten dieser Jahre des Exils.[3]

Aus der 1946 geschlossenen zweiten Ehe des Künstlers mit Conxa Farré i Garí stammen zwei weitere Kinder, Cristina (1947) und Raimon (1954).

Zurück in Katalonien schuf Rebull mehrere Denkmäler für verschiedene katalanische Städte sowie Werke für das Kloster Montserrat. Teilnahmen an Wettbewerben und Kunstbiennalen, darunter die Hispano-Amerikanische Biennale 1951 in Madrid und 1953 in Havanna, sowie die Biennale von São Paulo 1954, zählen zu den Höhepunkten der späteren Laufbahn des Künstlers.

Joan Rebull starb 1981 in Barcelona. Sein Leichnam wurde nach Reus überführt, wo sich sein Grab befindet.

Werk

La gitaneta (1933), Museu Abelló, Mollet del Vallès.

Aus der stilistisch weitgehend homogenen neoklassischen Plastik des katalanischen Noucentisme ragt Joan Rebulls Beitrag durch große Eigenständigkeit hervor.

Zwar steht auch im Zentrum seines Œuvres das sogenannte „mediterranistische“[4] Frauen- bzw. Mädchenbildnis, jedoch spielt der Rückgriff auf das klassisch antike Ideal der griechischen Plastik in seinem Werk keine maßgebliche Rolle. Vielmehr entwickelte der Künstler seine Auffassung aus dem Studium der Plastik Ägyptens und Mesopotamiens, deren „monolithische“ Behandlung der Volumina er in einen zeitlos modernen, bisweilen „naiv“ anmutenden „Purismus der Form“ zu übertragen verstand.[5]

Anzumerken ist jedoch, dass der Künstler von diesem in den 1920er und 1930er Jahren entwickelten Schema, das den kunsthistorisch wertvollen Kern seines Œuvres darstellt, für einige spätere Auftragsarbeiten deutlich abwich.

Rebull fertigte seine teils polychromen Skulpturen in Stein, Holz, Ton und Gips. Der Bronzeguss entsprach seiner Auffassung nur sehr bedingt.

Werke

María Rosa (1935–1948), Museo de Montserrat.

Zu Rebulls bekanntesten Werken zählen der weibliche Akt La gitaneta (auch: La gitanilla[6]) von 1933, der seinen Ruhm begründete, sowie eine während der 1930er Jahre in mehreren Varianten ausgeführte Büste eines Mädchens mit Flechtzöpfen, betitelt meist als María Rosa, bisweilen auch als Niña de las trenzas. Zu nennen ist weiters die preisgekrönte Cabeza de muchacha (dt. „Mädchenkopf“) aus dem Jahr 1935.

Literatur

  • José Corredor-Matheos und Albert Mercadé: Joan Rebull Catálogo razonado de esculturas. (Werkkatalog) Fundación Arte y Mecenazgo, Barcelona 2010.
  • Joan Rebull. Anos 20 y 30. (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museo Reina Sofía) MNCARS, Madrid 2003.
  • Josefina Alix Trueba: „Joan Rebull“ In: Escultura española 1900/1936, Ediciones El Viso, Madrid 1985.

Einzelnachweise

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