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Jochen Kraußer

deutscher Filmregisseur From Wikipedia, the free encyclopedia

Jochen Kraußer (* 7. Februar 1943 in Hildburghausen, Thüringen) ist ein deutscher Filmregisseur und Musiker.

Leben und Wirken

Jochen Kraußer legte 1962 das Abitur ab und war danach zwei Jahre lang als Krankenpfleger tätig.[1] Ab 1966 studierte er an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg Dramaturgie. Ab 1969 war er beim DEFA-Studio für Dokumentarfilme als Dramaturg tätig. Ab 1976 drehte er dort eigene Filme, außerdem einige Kinderfilme. Ab 1990 war Jochen Kraußer als freischaffender Filmemacher tätig. 1999 drehte er seinen letzten Film.

Die Filme von Jochen Kraußer sind geprägt vom eigenwilligen Blick. Er erhielt dreimal eine Auszeichnung für seine Kinderfilme, sein wichtigster Film Leuchtkraft der Ziege (1988) wurde 2024 in der Retrospektive der Berlinale wieder gezeigt. Das Zeughauskino in Berlin widmete ihm 2020 eine umfassende Werkschau.[2]

Würdigungen

Der Filmhistoriker Günter Agde würdigte die Filme von Jochen Kraußer anlässlich einer Werkschau 2020:

„Die Filme Jochen Kraußers weichen ab: vom normalen Blick, von den Normen des DEFA-Dokumentarfilms, von Erwartungen der Zuschauer und vom Alltäglichen jeglicher Couleur. Kraußer schaut auf die Ränder der Gesellschaft, auf Menschen, die nicht im öffentlichen Interesse stehen, auf sogenannte Außenseiter, altersweise Geschichtenerzähler, Lebenskünstler und er entnimmt dem Alltag Details, die der Wirklichkeit ihren doppelten Boden entlocken. (...) Souverän jongliert er mit allen Formen des Spielerischen, Komischen und Grotesken. „Es ist nicht sicher, was ich sehe, und es ist nicht sicher, wie ich es interpretiere, es hat auf keinen Fall Wahrheit in dem Sinne, wie man Wahrheit definiert.““[3]

Der Filmhistoriker Ralf Schenk schrieb 1999 über Jochen Kraußer:

„Der Regisseur (...) forscht konsequent nach Freiräumen abseits offiziell gewünschter Themen; ihn interessiere es nicht, ein von der Obrigkeit vorgegebenes Zentrum filmisch zu fassen, er orientiert sich lieber an der vermeintlichen Peripherie. Sein Blick gilt Menschen „Am Rande“: jenen Stillen, Unscheinbaren, die nie in die Schlagzeilen drängen. Sie werden für ihn zur Quelle von Kunst-und Lebenserfahrung.“[4]

Filmografie (Auswahl)

Regie

  • 1976 Schmetterlinge, Kinderfilm
  • 1977 Das Patenschiff
  • 1978 Ein Himmel – drin die Taube fliegt
  • 1979 Bruno Greiner Petter. Genannt der Bimmel, Dokumentarfilm
  • 1980 Die Kreuzschnabellegende.
  • 1980 Lerchenlieder
  • 1982 Der Kindergärtner
  • 1983 Die Demonstration
  • 1983 Über die Berge, Kinderfilm
  • 1983 Markmußer Phantasien, Kinderfilm
  • 1984 Die Geburt der Königin, Kinderfilm
  • 1985 Herbstblätter. Ein Film zum 100. Geburtstag Ernst Thälmanns.
  • 1985 Des – Ce – Es – De, Musikdokumentarfilm
  • 1985 Geburt einer Königin, Dokumentarkurzfilm
  • 1987 Das Traumboot
  • 1988 Leuchtkraft der Ziege. Eine Naturerscheinung
  • 1988 Der Auftrag
  • 1989 Bilder einer Ausstellung
  • 1989 Jens, die Reizzwecke
  • 1989 Endlich fliegen
  • 1990 Wind seit stark, Dokumentarfilm
  • 1991 Der gordische Knoten
  • 1992 Johans Erbe
  • 1992 Schloß Wiligrad
  • 1994 Tisa und Jens-Peter. Eine Freundschaft
  • 1995 Begegnungen in Ravensbrück, Dokumentarfilm
  • 1998 Cinquillo Cubano. Die kubanische Familie Vistel Colombié, Dokumentarfilm, Arte
  • 1998 Freiheit ist ein anderes Wort
  • 1999 Das kleine Orchester der Hoffnung. Geistig behinderte Kinder in Rußland, Dokumentarfilm
  • 2000 Abschied von Mechowoje, Dokumentarfilm, Arte

Auszeichnungen

Literatur

  • Günter Jordan, Ralf Schenk: Schwarzweiß und Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946–92. Berlin 1998. S. 412, mit biographischen Angaben
  • Ralf Schenk: Metamorphosen des Unscheinbaren. Der Dokumentarfilmregisseur Jochen Kraußer. In: Filmdienst. 3/1999 (Text), mit ausführlicher Würdigung

Einzelnachweise

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