Johan IV. von Glymes von Bergen
belgischer Politiker
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Johan IV. von Glymes von Bergen, auch Jean de Glymes de Berghes (* 6. Februar 1528 in Borgvliet bei Bergen op Zoom; † 21. Mai 1567 in Madrid) war ein niederländischer Edelmann, seit 1562 Graf von Walhain. Er war eine niederländische Schlüsselfigur vor dem Ausbruch des Achtzigjährigen Krieges.

Leben
Johan war der Sohn von Anton von Glymes (1500–1541) und Jacqueline de Croÿ, Schwester von Philippe II. de Croÿ. Er folgte seinem Vater 1541 nach als Herr von Glymes und Marquis von Bergen op Zoom, zunächst unter der Regentschaft seiner Mutter bis 1550. Dann heiratete er Maria von Lannoy, Tochter des Jan van Lannoy, Ritter vom Goldenen Vlies. Sie hatten keine überlebenden Kinder.[1]
Seine Jugend verbrachte Johan am Hof der Statthalterin Maria von Ungarn in Brüssel, wo er auch Wilhelm von Oranien kennenlernte. Mit ihm wurde er beauftragt, den jungen Philipp II. 1549 aus Italien in die Niederlande zu begleiten. Da der Thronfolger nur Spanisch sprach, war es schwierig mit ihm. Ein Begrüßungsturnier zu seinen Ehren in Binche gewann Johan, wodurch er in der Gunst stieg.
1554 wurde er nach England geschickt zusammen mit Lamoral von Egmond, um die Ehe zwischen Philipp II. und Mary I. von England zu arrangieren, die 1558 mit ihrem Tod endete. Er nahm am Krieg gegen Frankreich teil und wurde 1556 mit dem Orden vom Goldenen Vlies ausgezeichnet sowie Mitglied des Staatsrates von 1556 bis 1560. Dann wurde er nicht mehr berufen, weil er zu sehr auf der niederländischen Seite stand. Ab 1559 war Margarethe von Parma die Statthalterin in den Niederlanden. Eine Reform der Bistümer schuf viele neue Sitze, auf die der König seine Leute einsetzte, und vor allem das neue Erzbistum Mecheln, wo Antoine Perrenot de Granvelle zum ersten Erzbischof und mächtigsten Mann der Region wurde, obwohl er noch sehr jung und in den Augen des niederländischen Hochadels nur ein Amtsadeliger war.
Im Jahr 1560 wurde Johan zum Statthalter der Grafschaft Hennegau und der Stadt Valenciennes ernannt, wo die Calvinisten stark waren. 1562 erhielt er den Befehl, gegen die Calvinisten im Hennegau vorzugehen, doch hielt er sich noch meist in Lüttich bei seinem Bruder Robert van Bergen auf, um dessen Ansprüche als Fürstbischof zu retten. Sein weiteres Vorgehen im Hennegau stieß auf Widerstand vor Ort, die Spanier wurden mit ihm unzufrieden. Als die Spannungen zwischen Philipp II., den sein Minister Granvelle vertrat, und dem Adel der Niederlande anwuchsen, war Johan Teil der 1561 gebildeten Gruppe hoher Adliger, die für Granvelles Rücksendung nach Burgund eintraten. Zwar arbeitete er am Kompromiss der Adligen mit, den Philipp II. jedoch ignorierte, unterzeichnete ihn aber nicht und blieb damit als Vermittler geeignet.
Johan trat als Statthalter im Januar 1566 zurück, andere niederländische Führer folgten ihm als Zeichen des Widerstands. Obwohl er sich durch einen Unfall beim Kolfspiel in Brüssel obendrein verletzt hatte, reiste er dennoch im Juli 1566 unter Schmerzen zur Vermittlung nach Spanien, wo er zusammen mit dem vorausgeeilten Montigny den König in Segovia traf. Doch dieser, erzürnt von den aktuellen Bilderstürmen, zeigte kein Entgegenkommen, sondern sandte den Herzog von Alba in die Niederlande, um dort Ordnung zu schaffen. Beide Vermittler standen danach faktisch unter Hausarrest.
Johan erkrankte noch schwerer und verstarb 1567 (nach einer Untersuchung von 2020 wohl an Magenkrebs, nicht an einer Vergiftung). Der Leichnam kam per Maulesel in einem Koffer zurück nach Bergen, wo er in der Sint-Gertrudiskerk bestattet wurde.[2]
Der spanische König reagierte mit einer Vermögenskonfiskation bereits 1567 und der Verurteilung Johans in einem Prozess wegen Felonie 1570. Der Witwe blieb nur eine kleine Pension, 1577 wurde das Vermögen aber durch Brabant zurückgegeben.
Literatur
- Bart van Eekelen, Joey Spijkers, Marion Goosens: Jan IV van Bergen 1528–1567: leven en nalatenschap van een (on)fortuinlijk markies. Verloren, Hilversum 2020, ISBN 978-90-8704-862-4.
Weblinks
- Müller, Pieter Lodewijk: Bergen op Zoom, Jean de Glimes Markgraf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 366.
- Nieuws op het gebied van de Tachtigjarige Oorlog of De Bello Belgico. Abgerufen am 19. November 2025 (amerikanisches Englisch).