Johann Anton Wyss
Berner Artillerieoberst und Gelehrter
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Johann Anton Wyss, auch Johann Anton Wyss (* 9. November 1721 in Bern; † 7. Mai 1803 ebenda), war ein Berner Artillerieoberst und Gelehrter. Er prägte durch seine innovativen technischen Verfahren und seine organisatorischen Reformen mehrere Bereiche der bernischen Rüstungsindustrie nachhaltig.
Leben
Herkunft und Familie
Johann Anton Wyss stammte aus der bernischen Patrizierfamilie der Wyss, das zwei Rohrkolben im Wappen führte.
Sein Vater war Hauptmann einer Milizkompanie und dazu Bäcker, seine Mutter war Anna Maria (geb. Stanz).
Am 9. Mai 1742 heiratete Wyss Elisabeth, die Tochter von Franz Hermann. Von ihren Kindern ist namentlich bekannt der reformierte Pfarrer und Schriftsteller Johann David Wyss.[1]
Seine Enkel waren der Dichter Johann Rudolf Wyss, der Maler Johann Emanuel Wyss und der Politiker Johann Gottlieb Wyss (* 30. Juli 1787 in Bern; 6. Januar 1857 ebenda)[2].
Berufliche Laufbahn
Bereits in seiner Jugend zeigte Johann Anton Wyss eine entschiedene Neigung zu den Naturwissenschaften und zur Artillerie, insbesondere zu deren Hilfskenntnissen in Chemie, Metallurgie und Mechanik. Dies stand im direkten Widerspruch zu den beruflichen Plänen seines Vaters, der ihn dem Bäckerberuf widmen wollte. Wyss erlernte daher zunächst das Bäckerhandwerk.
Nach damaliger Sitte vieler Bernischer Bürgersöhne, die sich für Handwerkstätigkeiten bestimmt hatten, trat Wyss als Volontär in die königlich sardinischen Kriegsdienste bei einem Schweizer Regiment ein (siehe Schweizer Truppen in savoyischen Diensten). Nach seiner Rückkehr übernahm er die Bäckerei seines Vaters als Meister, verfolgte aber unverändert sein wissenschaftliches Interesse. Der Überlieferung nach vernachlässigte er seine Backstubenpflichten häufig zugunsten seiner Studien: statt den Teig zu bearbeiten, überstreute er die Werkbank mit Mehl und zeichnete mit dem Finger mathematische Figuren und algebraische Formeln darauf, bis er die Führung der Bäckerei seiner Ehefrau überliess.
Er studierte Artilleriewissenschaft, Chemie, Metallurgie, Mathematik, Mechanik und Feuerwerkskunde und um seine theoretischen Kenntnisse zu vertiefen, führte Wyss umfangreiche chemische und metallurgische Experimente durch und untersuchte systematisch die Gebirgsformationen sowie Erdarten des Kantons Bern unter metallurgischen Gesichtspunkten. Von seinen praktischen Arbeiten sind mehrere selbstgegossene und selbstgebohrte kleine Kanonen, zwei Globen und ein Astrolabium erhalten geblieben, die alle von hoher handwerklicher Qualität zeugen.
Als Mitglied des ehemaligen bernischen Feuerwerkskollegiums, ein freiwilliger Artillerieverein[3], der mit Staatsunterstützung Munition anfertigte, dem er nach seiner Rückkehr aus Sardinien beigetreten war, erhielt Wyss Zugang zu umfangreichen Versuchen mit verschiedenen Feuerwerkssätzen und entwickelte neue Erkenntnisse über die optimale Zusammensetzung von Schiesspulver. Seine fachliche Qualifikation führte zu einer raschen Beförderungskarriere: 1754 zum Hauptmann ernannt, folgte 1768 die Beförderung zum Major, 1779 zum Oberstleutnant und schliesslich 1782 die Ernennung zum Oberst über die gesamte bernische Artillerie. 1788 erhielt er zusätzlich das bürgerliche Amt eines Schaffners im Interlakenhaus in Bern.
Seiner vorzüglichen Kenntnisse wegen erhielt er einen Ruf nach Wien, schlug diesen jedoch aus. Aus Wien aber brachte er den ersten Zünder nach Bern.
Bei der Organisation einer Waffenwerkstatt im Zeughaus Bern, die die Helvetische Direktorialverfassung 1798 anordnete, wurde Wyss in Verbindung mit dem Hauptmann Andreas Lanz, einem geschickten Ingenieur aus dem Kanton Zürich, zum Direktor dieser Einrichtung ernannt; er goss Kanonen, die 1798 zumeist von den Franzosen abtransportiert wurden. Im Jahr 1800 wählte ihn der Vollziehungsausschuss zum Oberaufseher des gesamten Zeughauses in Bern. Er nahm die Stelle unter der Bedingung an, sich wegen seines hohen Alters einen Gehilfen beiordnen zu dürfen – ein Wunsch, der ihm umgehend gewährt wurde.
Im Jahr 1800 wurde er zum Oberaufseher des Zeughauses ernannt, eine Position, die er bis zu seinem Tod innehatte.
Optimierung des Schiesspulvers
Auf Grundlage seiner intensiven Versuche zur Zusammensetzung und Wirkung von Schiesspulver übernahm Wyss die Leitung des bernischen Pulverwesens und wurde 1763 zum Direktor des bernischen Pulverwesens ernannt. Durch eine umfassende Reorganisation der Pulvermühlen in den 1790er Jahren gelang es ihm, die Fabrikation so sehr zu verbessern, dass das Berner Schiesspulver bald als das Beste in ganz Europa bekannt wurde; hierbei wurde er durch seinen Freund Andreas Lanz unterstützt. Dies stellte einen wesentlichen Qualitätssprung dar und machte Bern zu einem bedeutenden Pulverlieferanten.[4]
Leitung der Stückgiesserei
Die metallurgischen Fachkenntnisse von Wyss führten auch zu verschiedenen Aufträgen der hohen Regierung in Bezug auf Bergbau und die Gewinnung von Metallen im Kanton. Schliesslich wurde ihm 1779 die Oberaufsicht und Leitung der Stückgiesserei der Republik Bern übertragen, eine Position, die er mit grosser Sachkenntnis und unermüdlichem Eifer verwaltete. Er widmete sich insbesondere der Forschung nach der optimalen Metallzusammensetzung für Kanonen durch sinnreiche Proben. Als Direktor dieser Anstalt wurde er beauftragt, eine Anzahl Kanonen für den Kanton Basel zu giessen, der seine Arbeiten mit einer goldenen Medaille im Wert von zwanzig Dukaten ausserordentlich würdigte.
Die Gesamtzahl der von Wyss neu verfertigten oder wegen fehlerhafter Komposition von seinem Vorgänger Johann Maritz umgegossenen Kanonen und Haubitzen wird auf etwa 300 Stück beziffert.
Literatur
- Johann Anton Wyss. In: Markus Lutz: Moderne Biographien oder kurze Nachrichten von dem Leben und Wirken interessanter Männer unserer Zeit, welche sich als Regenten, Feldherren, Staatsbeamte, Gelehrte und Künstler in der Schweiz ausgezeichnet haben. Lichtensteig, 1826. S. 341–344 (Digitalisat).
- Johann Anton Wyss. In: Hauptmann Andreas Lanz, Ingenieur von Rohrbach (1740–1803): Wegbereiter der Linthkorrektion und Leiter der bernischen Artillerieschule. In: Jahrbuch Oberaargau: Menschen, Orte, Geschichten im Berner Mitteland, Band 36. 1993. S. 224–226 (Digitalisat).
- Hans Braun: Johann Anton Wyss. In: Historisches Lexikon der Schweiz.