Johann August von Starck

deutscher Schriftsteller und Theologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Johann August Starck, seit 1811 Freiherr von Starck (* 28. Oktober 1741 in Schwerin; † 3. März 1816 in Darmstadt) war ein deutscher Schriftsteller, Freimaurer, lutherischer Theologe und Generalsuperintendent zu Königsberg in Preußen (1776–1777). Zeitweilig eine führende Gestalt der Freimaurerei, stand diese neben kirchengeschichtlichen Arbeiten im Zentrum seines schriftstellerischen Schaffens.

Leben

Studium

Starck war ein Sohn des Predigers am Schweriner Dom Samuel Christfried Starck (1688–1769). Er studierte 1760 bis 1763 Theologie, Philosophie und Theologie und Orientalistik an der Universität Göttingen unter Johann David Michaelis, von dem er sich jedoch später abwandte. 1763 verschaffte ihm Anton Friedrich Büsching, den er in Göttingen kennengelernt hatte, einen Posten als Lehrer für alte Geschichte und Orientalistik an der St. Petersschule, der Schule der deutschen lutherischen Sankt-Petri-Kirche (Sankt Petersburg), obwohl er sein Studium noch nicht abgeschlossen hatte. 1765 reiste er nach Paris und bekam dort unerwartet eine Stellung als Übersetzer für morgenländische Sprachen angeboten. Der Magistergrad wurde ihm 1766 in absentia verliehen. Wegen einer schweren Erkrankung des Vaters ging er aber bereits 1767 zurück nach Wismar und arbeitete als Konrektor. 1768 erhielt er ein Angebot für eine Tätigkeit beim Fürsten Wačzenskoy und siedelte für ein Jahr wieder nach St. Petersburg über.[1]

Königsberg

Am 28. September 1769 ließ sich Starck in Königsberg nieder, wo er ein Nachbar Immanuel Kants war. Beide wohnten in Räumen des Buchhändlers Kanter, dem Starck anscheinend keine Miete zu zahlen brauchte.

Seit dem Sommersemester 1770 lehrte Starck zunächst als außerordentlicher Professor für Orientalistik an der Königsberger Universität und erhielt bald den dortigen Lehrstuhl für Logik und Metaphysik. Im selben Jahr wurde er zum zweiten Hofkaplan ernannt. 1773 erhielt er ein Doktorat für Theologie, was nachträglich seine Einsetzung als vierter Professor dieser Fakultät im Jahr zuvor rechtfertigte. Im Herbst 1773 gab er den Philosophielehrstuhl auf.

1776 wurde er Haupthofkaplan, dritter Professor der Theologie und Generalsuperintendent sowie qua diesem Amt Vorsitzender des lutherischen Preußischen Konsistoriums zu Königsberg,[2] der regionalen Kirchenbehörde des Lutherischen Oberkonsistoriums zu Berlin, das für die gesamte Monarchie zuständig war.[3] Zu den Aufgaben der Königsberger Generalsuperintendentur gehörte auch die Aufsicht über die ostpreußischen Schulen. Sein direkter Vorgänger war Generalsuperintendent Daniel Heinrich Arnoldt, sein Nachfolger Johann Ernst Schulz.

Kurland

1777 verließ Starck Preußen und ging an die Academia Petrina nach Mitau, damals die Hauptstadt von Herzogtum Kurland und Semgallen, das auch ein Zentrum der Freimaurerei war. In freimaurerischen Dingen fühlte er jedoch eine wachsende Entfremdung gegenüber den bloß politisch motivierten Brüdern sowie den bloß Geselligkeit suchenden Brüdern. Aufgrund seiner Ansichten und möglicherweise auch seiner Persönlichkeit wurde er in Mitau bald unbeliebt und siedelte 1781 nach Darmstadt über.

Darmstadt

In Darmstadt brachte Starck den Rest seines Lebens als Hofkaplan und Generalsuperintendent für die Schulen von Gießen und Darmstadt zu.

1785 wurde ihm von Friedrich Nicolai unterstellt, im Geheimen Katholik zu sein; ein deshalb angestrengtes Verleumdungserfahren gewann Starck.[4]

1811 wurde er in den Freiherrnstand erhoben. Er starb am 3. März 1816.

Familie

Im April 1774 heiratete er Maria Albertine Schultz, die jüngste Tochter des verstorbenen Generalsuperintendenten Franz Albert Schultz. Da seine Ehe mit Maria Albertine kinderlos geblieben war, adoptierte er 1812 zwei männliche Verwandte seiner Frau, Karl Rinck von Starck und Gustav von Starck.

Wirken

Freimaurererei

Als Starck 1761 seine Studien begann, wurde er in eine Freimaurerloge in Göttingen aufgenommen. Während seiner Zeit in St. Petersburg lernte Starck einen Grafen Peter Melesino oder Melissino (1726–1797) kennen, der griechischer Herkunft und Generalleutnant der Kaiserlichen Russischen Armee war. Dessen Freimaurerloge arbeitete nach einem Hochgradsystem, das angeblich auf den Templerorden zurückging, der wiederum das Geheimwissen der alten Juden und Ägypter erhalten haben sollte. Starck schloss sich dieser Richtung und später der Strikten Observanz Karl Gotthelfs von Hund und Altengrotkau an.

In Wismar, wo er von 1766 bis 1768 Konrektor des Gymnasiums war, war er im Februar 1767 Mitbegründer einer Loge der Strikten Observanz. 1768 kehrte er, vermutlich in Freimaurerangelegenheiten, noch einmal nach St. Petersburg zurück.

Starck gilt als Gründer des Klerikalen Systems in Deutschland. Er soll die Unterlagen für dieses christlich-mystische, teilweise bis ins Okkulte reichende System aber aus dem Ausland erhalten haben. Das Klerikat stand in enger Verbindung zur Strikten Observanz.

In seinem Briefwechsel mit dem Zürcher Freimaurer Diethelm Lavater betonte Starck trotz mancher umstrittener Ansichten, dass er bis zu seinem Lebensende Freimaurer geblieben sei. 1809 schrieb er:

„Es sind seit jener Zeit wie in der politischen Welt also auch im Orden, allerlei grosse Veränderungen vorgefallen: eine Szene hat mit der anderen abgewechselt, und es sind nun schon 32 Jahre, dass ich mich von allem ganz zurückgezogen habe, und an allem, was vorgenommen wird und noch werden wird, keinen andern Anteil nahm, als dass ich zusehe, wie man das ausgeblasene Ei bald so, bald anders färbt und damit spielt, es auch wohl dazu braucht, wozu es am wenigsten gebraucht werden sollte. Bei dem allem sind aber meine Überzeugungen von der Sache selbst dieselbigen, die sie damals waren und werden es auch immer bleiben. Die Wahrheit, mein verehrtester Freund und Bruder, ist nur eine und unveränderlich, und dass diese da existiert wo wir ihre Existenz zu glauben berechtigt waren, davon bin ich nach reiflicher Prüfung... vollkommen überzeugt.“

Starcks Denken

Am Anfang seiner Karriere zeigte Starck eine deistische Auffassung, die geeignet war, doktrinäre Gegensätze zu überbrücken. In seiner anonym erschienenen „Apologie des Ordens der Freymaurer“ (1770) argumentierte er, dass die Weisheit der eleusinischen Mysterien, der Freimaurerei und des Christentums im Wesentlichen eins sei.

Sein „Hephästion“ (1775) führte einige Aspekte des Christentums auf heidnische Wurzeln zurück und wurde deswegen scharf angefeindet, etwa von Georg Christoph Pisanski, der einen „Antihephästion“ schrieb.

Starck veröffentlichte auch in seiner Zeit in St. Petersburg mehrere Aufsätze und Dissertationen: Er schrieb in der ersten Petersburger Zeit: De varietatibus ad codices Ebraeos V.T. caute colligendis, bei seinem zweiten Aufenthalt Et Observat. philol. criticarum.

In der Zeit der Französischen Revolution wandte Starck sich dem Reformkonservativismus zu. In der Zeitschrift Eudämonia war er führend an der Verbreitung der Verschwörungstheorie beteiligt, die die Ursache der Französischen Revolution im Wirken der Aufklärungs-Philosophen, der Freimaurer und Illuminaten sah.[5]

Mit den „Freymüthigen Betrachtungen über das Christenthum“ begann Starck 1780 eine Wende zu einer konservativeren Theologie, die in dem vielgelesenen „Triumph der Philosophie im achtzehnten Jahrhunderte“ (1803) ihren Abschluss fand. In diesem Werk, das teilweise von Augustin Barruels 1797/98 erschienenen „Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus“ inspiriert war, machte er „Philosophismus“ (d. h. die Aufklärung) und die politisierte Freimaurerei für den Verfall der Religion und alle Missstände seiner Zeit verantwortlich.

Werke Starcks

  • De Aeschylo et eius imprimis tragoedia „Prometheus vinctus“ inscripta est libellus. Göttingen 1763
  • Commentationum et observationum philologico-criticarum. Königsberg 1769
  • Antrittspredigt zum Hofpredigeramt. Königsberg 1770
  • Apologie des Ordens der Freymaurer / Von dem Bruder **** Mitgliede der ** Schottischen Loge zu P.*. Freimaurer [Anon.] Königsberg 1770
  • Dissertatio inauguralis de usu antiquarum versionum Scripturae Sacrae interpretationis subsidio. Königsberg 1773
  • De tralatitiis et gentilismo in religionem christianam liber singularis. Königsberg 1774
  • Hephästion, Königsberg 1775
  • Antrittspredigt zum Oberhofpredigeramt. Königsberg 1776
  • Neujahrs- und Abschiedspredigt. Königsberg 1777
  • Geschichte der christlichen Kirche des ersten Jahrhunderts. Berlin und Leipzig 1779/80
  • Freymüthige Betrachtungen über das Christenthum [Anon.] Berlin 1780
  • Ueber den Zweck und Nutzen des Freymaurerordens [Anon.] Berlin 1781
  • Ueber die alten und neuen Mysterien. Berlin 1782
  • Versuch einer Geschichte des Arianismus. Berlin 1783–85
  • Saint Nicaise, oder eine Sammlung merkwürdiger maurerischer Briefe, für Freymaurer und die es nicht sind [Anon.] Frankfurt am Main 1785
  • Wahrhafte Begebenheiten einiger Brüder Freymaurer, die sich durch ein falsches Licht blenden ließen, und endlich zur wahren Erkenntniss gelangten. Von ihnen selbst in Briefen an ihre Freunde geschrieben, 1786
  • Ueber Krypto-Katholicismus, Proselytenmacherey, Jesuitismus, geheime Gesellschaften und besonders die ihm selbst von den Verfassern der Berliner Monatsschrift gemachte Beschuldigungen, mit Acten-Stücken belegt. Frankfurt am Main und Leipzig 1787
  • Auch Etwas, wider das Etwas der Frau von der Recke über des Oberhofprediger Starcks Vertheidigungsschrift. Leipzig 1788
  • Beleuchtung der letzten Anstrengung des Herrn Kessler von Sprengseysen, seine verehrungswürdigen Obern, die Berliner und sich selbst vor aller Welt zu vertheidigen. Nebst einigen Erwägungen, das neue Betragen der Berliner betreffend. Leipzig 1788
  • Christian Nicolai Buchführers zu Bebenhausen in Schwaben. Wichtige Entdeckungen auf einer gelehrten Reise durch Deutschland, und aus Eifer für die christliche, vornehmlich evangelische Kirche durch den Druck bekannt gemacht [Anon.]. Dessau und Leipzig 1788
  • Dokumentirter Anti-Wehrt, nebst einer kurzen Abfertigung der drey Berliner und des Herrn Carl von Sacken. Frankfurt am Main und Leipzig 1789
  • Apologismus an das bessere Publikum. Halle und Leipzig 1789
  • Geschichte der Taufe und Taufgesinnten. Leipzig 1789
  • Der Triumph der Philosophie im achtzehnten Jahrhunderte [Anon.] Frankfurt am Main 1803
  • Theoduls Gastmahl, oder über die Vereinigung der verschiedenen christlichen Religions Societäten [Anon.] Frankfurt am Main 1809
  • Theoduls Briefwechsel. Seitenstück zu Theoduls Gastmahl [Anon.] Frankfurt am Main 1828

Literatur

  • Georg Christoph Pisanski: Entwurf einer preußischen Literärgeschichte in vier Büchern [1790]. Mit einer Notiz über den Autor und sein Buch. Hrsg. von Rudolf Philippi. Hartung, Königsberg 1886 (Digitalisat), S. 565, 570, 592, 596, 601, 637, 708.
  • Friedrich Wilhelm Strieder: Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten- und Schriftstellergeschichte. Kassel, 1806, Band 15, S. 225–237.
  • Dirk Fleischer: Starck, Johann August Freiherr von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 25. Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-11206-7, S. 64 (deutsche-biographie.de).
  • Paul Tschackert: Starck, Johann August. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 35, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 465 f.
  • Paul Konschel: Hamanns Gegner, der Kryptokatholik D. Johann August Starck, Oberhofprediger und Generalsuperintendent von Ostpreußen. Ein Beitrag zur Geschichte der Aufklärungszeit. Königsberg 1912 (=Schriften der Synodalkommission für ostpreussische Kirchengeschichte, Heft 13) (Digitalisat).
  • Michael Vesper: Aufklärung – Esoterik – Reaktion: Johann August Starck (1741–1816). Geistlicher, Gelehrter und Geheimbündler zur Zeit der deutschen Spätaufklärung. Verlag der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung, Darmstadt 2012(=Quellen und Studien zur hessischen Kirchengeschichte, 3), ISBN 3-931849-02-3.
  • Claus Oberhauser: Die verschwörungstheoretische Trias: Barruel-Robison-Starck, Innsbruck-Wien-Bozen 2013, ISBN 978-3-7065-5307-0.
  • Claus Oberhauser: Barruel – Robison – Starck. Merkmale von Verschwörungstheorien in der Spätaufklärung. In: Johannes Kuber, Michael Butter, Ute Caumanns, Bernd-Stefan Grewe, Johannes Großmann (Hrsg.): Von Hinterzimmern und geheimen Machenschaften. Verschwörungstheorien in Geschichte und Gegenwart (Im Dialog. Beiträge aus der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart 3/2020), S. 77–919.
  • Boris Telepneff: J. A. Starck and his Rite of Spiritual Masonry. In: Transactions of the Quatuor Coronati Lodge. Bd. 41, London 1929, S. 238–284.
  • Klaus Epstein: The Genesis of German Conservatism. Princeton University Press, Princeton, NJ 1966, S. 506–517.
  • Werner G. Zimmermann: Von der alten zur neuen Freimaurerei. Briefwechsel und Logenreden von Diethelm Lavater nach 1800. Zürich 1994 (enthält 36 Briefe Starcks an Lavater 1809–1815).
  • Christopher Spehr: Starck, Johann August. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 7, Mohr-Siebeck, Tübingen 2004, Sp. 1687–1688.

Einzelnachweise

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