Johann Ferch

österreichischer Schriftsteller (1879–1954) From Wikipedia, the free encyclopedia

Johann Ferch (* 3. Juni 1879 in Wien; † 26. Januar 1954 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller, Freimaurer und Sexualaufklärer.

Leben und Wirken

Johann Ferch stammte aus einer Arbeiterfamilie. Er wurde Schriftsetzer und begann bald Artikel für Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben. Sein erster Roman Die Kaserne (1913) über seinen Militärdienst wurde zunächst verboten, dann aber doch zugelassen.[1] In den folgenden Jahren schrieb er mehrere Bücher gegen den Ersten Weltkrieg.

Johann Ferch war Freimaurer. Seine Grundeinstellungen waren in dieser Zeit humanistisch, er trat auch für eine Verständigung mit Juden und ihrer Kultur ein. In einigen seiner Romane beschrieb er soziale und gesellschaftliche Missstände. 1919 gründete Johann Ferch er mit seiner Frau Betty den Bund gegen den Mutterschaftszwang in Wien.[2] Dieser unterstützte Frauen, ein selbstständiges Leben zu führen, auch bei einer freien Entscheidung für oder gegen ein Kind. Er schrieb zahlreiche Romane und einige Dramen zu diesem Thema, in denen er auch ein erfülltes Sexualleben thematisierte. 1934 lösten sie den Bund wegen der veränderten politischen Situation in Wien auf.

Anfang der 1930er Jahre war Johann Ferch als Beamter im Sozialministerium tätig. In dieser Zeit schrieb er nur noch unverfängliche Unterhaltungsromane. Im Herbst 1936 wurden alle seine Bücher im Deutschen Reich verboten.[3] Johann Ferch beantragte daraufhin 1937 bei der Reichsschrifttumskammer eine Zurücknahme dieser Entscheidung und seine Aufnahme und argumentierte mit seiner gewandelten Einstellung und einem judenkritischen Buch. Er wurde von mehreren NSDAP-Verantwortlichen unterstützt, die betonten, dass es wichtig sei, ehemalige linke Autoren, die ihre Ansichten geändert hatten, zu unterstützen. Der Antrag wurde dennoch von der Reichsschrifttumskammer abgelehnt, auch die Gestapo äußerte Zweifel an seinem Gesinnungswandel. Lediglich die Bücher seit 1933 wurden von dem Verbot ausgenommen. 1940 wurde Johann Ferch dann doch noch in die RSK aufgenommen.

Werke (Auswahl)

Johann Ferch schrieb etwa 50 Romane und zehn Dramen, meist als leichte Unterhaltungsliteratur mit sozialem Anliegen.[4]

  • Die Kaserne, Suschitzky, Leipzig 1913, Neuauflagen Wien 1930, 1931
  • Mutter, Vorwärts, Berlin 1913
  • Liebe und Ehe in der arbeitenden Klasse, Orania, Oranienburg 1914
  • Das zweite Gesicht und andere Skizzen aus dem Felde, Suschitzky, Leipzig 1915 Digitalisat
  • In letzter Stunde, Vogel & Vogel, Leipzig 1915
  • Der bezwungene Ozean, Verlagshaus für Volksliteratur und Kunst, Berlin 1915
  • Kasernen-Allotria, Hesse & Becker, Leipzig 1916
  • Die Rache ist mein! Verlagshaus für Volksliteratur und Kunst, Berlin 1916
  • Der Herr Bürgermeister, Rabinowitz, Leipzig 1918, über Karl Lueger
  • Die Revolutionierung des Liebeslebens, Verlag der Neuen Weltanschauung, Berlin-Leipzig, 1919
  • Kerker oder Zwangsmutterschaft, Brand, Wien 1919
  • Der Umsturz der Ehe, Graphische Werkstätte, Zürich 1920
  • Die Flucht vor dem Kinde, Vorwärts, Berlin 1920
  • Mutterschafts-Zwang und Bürgertum, Perles, Leipzig 1921
  • Elternrecht, Mutterschaftszwang, Wiener Volksbuchhandlung, 1921
  • Am Kreuzweg der Liebe, Barth, Leipzig 1921, Neuauflage Wien 1930 Titelblatt
  • Freimaurerei und soziale Arbeit, Heller, Leipzig 1921
  • Stiefkinder der Liebe, L. Hübsch, Leipzig 1922
  • Zölibat, Leonhardt-Verlag, Leipzig 1922, Neuauflage Wien 1925, Werk
  • Bekenntnisse eines Freimaurers, Anzengruber, Wien 1924
  • Mensch, nicht Jude! Oldenburg, Leipzig 1924, Roman über eine Liebe zwischen einer Christin und einem Juden
  • Marsch auf Wien, Anzengruber, Wien 1930
  • Purzl, Eos, Wien 1931, Neuauflagen Werdau 1934, München 1944
  • Das Gesetz des Blutes, 1937, judenfeindlich

Literatur

  • Marcus C. Patka: Johann Ferch. Vom Arbeiterschriftsteller zum NS-Mitläufer. In: Konstantin Kaiser, Jan Kreisky, Sabine Lichtenberger (Hrsg.): Rote Tränen. Die Zerstörung der Arbeiterkultur durch Faschismus und Nationalsozialismus. Klagenfurt 2017. S. 230–261, mit detaillierten biographischen Angaben

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI