Johann Matthias von Coll
Präsentatus am Reichskammergericht zu Wetzlar
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Johann Matthias Ritter und Edler von Coll (* 23. September 1692[1] in Koblenz; † 17. November 1752 ebenda) war Jurist, kurtrierer Wirklicher Geheimer Rat und Kanzler.
Herkunft und Familie
Die Familie gehörte zu der führenden Beamtenschaft des Kurfürstentums und der Stadt Koblenz.[2] Der Vater von Johann Matthias von Coll war der kurtrierische Hofsekretär, Kammerrat und Generaleinnehmer des niederen Erzstifts Wolfgang Friedrich von Coll. Seine Mutter war Katharina Maria Coll, geborene Champagnier, genannt Kaysersfeld.[3]
Johann Matthias von Coll heiratete Maria Theresia Franziska von Solemacher zu Namedy.[4] Sie war eine Tochter des kurtrierischen Kanzlers Johann Arnold von Solemacher[5] (1657–1734), Enkelin, Urenkelin, Ururenkelin und Schwägerin von vier Assessoren (Richtern) am Reichskammergericht.[6] Die gemeinsamen Kinder waren[7]:
- Johann Hugo Joseph von Coll (?–1784), kurtrierischer Verwaltungsbeamter
- Maria Walpurgis Elisabeth (1725–1793), heiratete den kurtrierischen Verwaltungsbeamten Hugo Franz von Gaerz (1716–1759)
- Johann Jakob (um 1729–1798), Jurist und Kanoniker, seit 1789 Dechant von St. Florin in Koblenz
Ausbildung
Johann Matthias von Coll studierte Philosophie an der Universität Trier, was er 1708 mit einem Bacc.phil und 1709 mit einem Magister (Mag. Phil.) abschloss. Es folgte ein dreijähriges Studium der Rechtswissenschaft in Trier und Reims. Anschließend leistete er Praktika ab, unter anderem am Reichskammergericht. Die Promotion erfolgte erst 1730 an der Universität Trier im Zuge der angestrebten Berufung als Assessor an das Reichskammergericht.[8]
Wirken
Beruflich stieg Johann Matthias von Coll 1714 oder 1715 als Staatsanwalt in Koblenz und damit in kurtrierische Dienste ein. In den 1720er Jahren, spätestens 1730, war er Hof- und Regierungsrat, dann auch erster Revisionsrat und Stadtschultheiß von Koblenz. 1730 wurde er zum Wirklichen geheimen Rat ernannt, am Jahreswechsel 1734/1735 zum Vizekanzler und Lehenpropst des Kurfürstentums Trier. Zwischenzeitlich wurde er immer wieder auch für diplomatische Missionen eingesetzt. Ab 1745 bis zu seinem Tod war er – in Nachfolge seines Schwiegervaters, Johann Arnold von Solemacher – Hofkanzler des Kurfürsten.[9] Seit 1730 hatte er erhebliche gesundheitliche Probleme, er litt an Gicht.[10]
1729 präsentierte Franz Georg von Schönborn, Kurfürst-Erzbischof von Trier, Johann Matthias von Coll dem Reichskammergericht als Nachfolger von Anton Knopaeus, der dort die von Kurtrier zu besetzende Assessoren-Stelle von 1719 bis 1729 innegehabt hatte. Das Verfahren zog sich bis 1744, als Johann Matthias von Coll auf die Ernennung verzichtete.[11] Die Lange Wartezeit ergab sich aus der dauerhaften Unterfinanzierung des Reichskammergerichts, aufgrund derer immer nur 17 statt der an sich vorgesehenen 25 Assessoren-Stellen besetzt werden konnten.[12] Die von Johann Matthias von Coll kurz darauf angetretene Stelle des kurtrierischen Hofkanzlers war attraktiver. Seitens Kurtriers wurde dem Reichskammergericht nun Franz von Gaerz präsentiert, der Schwiegersohn von als Johann Matthias von Coll.[13] Es war die zweite Schwiegersohn-Präsentation seitens Kurtriers in Folge.[14]
Noch kurz vor seinem Tod begann Johann Matthias von Coll den Bau eines prächtigen Hauses in Koblenz.[15]
Ehrungen
Kaiser Karl VI. erhob Johann Matthias von Coll am 28. Februar 1735 in den erblichen Reichsritterstand mit dem Prädikat "Edler von".[16]
Literatur
- Nicolaus von Hontheim: Historia Trevirensis Diplomatica et Pragmatica – Trier 1750.
- Sigrid Jahns: Das Reichskammergericht und seine Richter. Verfassung und Sozialstruktur eines höchsten Gerichts im Alten Reich – Teil 2, Band 1: Biografien (= Friedrich Battenberg, Albrecht Cordes, Ulrich Eisenhardt, Peter Oestmann, Wolfgang Sellert (Hg.): Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich, Band 26). Böhlau, Köln u. a. 2003. ISBN 3-412-06503-X, S. 49–58.