Johann Nepomuk Pertsch

deutscher Architekt und Maler in der Zeit des Klassizismus From Wikipedia, the free encyclopedia

Johann Nepomuk Pertsch (* 1780[1] in Buchhorn a. Bodensee; † 27. Juli 1835 in München)[2] war ein deutscher Architekt und Maler in der Zeit des Klassizismus.

Leben

St.-Matthäus-Kirche an der Sonnenstraße, Abbruch 1938

Johann Nepomuk Pertsch wurde 1780 in Buchhorn am Bodensee (heute Friedrichshafen) geboren. Pertsch war Schüler des Münchner Architekten Karl von Fischer, einem der bedeutendsten Vertreter des bayerischen Klassizismus. Im Verlauf seiner Laufbahn wurde Pertsch zum Oberbaurat im Dienst des Königreichs Bayern unter König Ludwig I. berufen.

1818 unterstützte er seinen älteren Bruder Matthäus (Matteo) Pertsch (1769–1834), der als Architekt in Triest tätig war. Gemeinsam arbeiteten sie unter anderem am Bau der griechisch-orthodoxen Kirche San Nicolò dei Greci. Später war Johann Nepomuk Pertsch zeitweise für eine Mautbehörde in Trient tätig. Studienreisen nach Rom, Florenz und Venedig erweiterten seine Kenntnisse der italienischen Architektur und beeinflussten sein klassizistisches Schaffen.

In dieser Funktion errichtete Pertsch 1824 die Fronfeste am Anger, ein Untersuchungsgefängnis[3]. Das 1824 fertiggestellte Untersuchungsgefängnisses in München wurde später abgebrochen. Als sein Hauptwerk von Pertsch gilt die erste evangelische Pfarrkirche Münchens. Lange hatte König Ludwig I. den Bau einer protestantischen Kirche abgelehnt, darunter auch Entwürfe von Leo von Klenze. 1827 genehmigte er schließlich den Bau an der Sonnenstraße nahe dem Münchner Karlsplatz (Stachus) nach dem Entwurf Pertschs, der einen klassizistischen Rundbau mit Turm vorschlug.[4] Das ursprünglich offiziell als „Protestantische Kirche Münchens“ bezeichnete Gotteshaus wurde 1833 eingeweiht und erhielt erst ab etwa 1885 – nach dem Bau einer zweiten protestantischen Kirche in München – den Namen St. Matthäus. Die Kirche wurde 1938 von den Nationalsozialisten unter dem Vorwand – Platz zu schaffen für den Verkehr – abgebrochen.

Pertsch starb am 27. Juli 1835 im Alter von 55 Jahren[5] in München.

Grabstätte

Grab von Johann Pertsch auf dem Alten Südlichen Friedhof in München Standort

Die Grabstätte von Johann Pertsch befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Gräberfeld 8 – Reihe 2 – Platz 56)[6][7] Standort.

Bauten (Auswahl)

Fronfeste am Unteren Anger, Abbruch 1913
Ehemalige Remise im Staatsbad Brückenau
  • griechisch-orthodoxe Kirche San Nicolò dei Greci in Triest (zusammen mit seinem älteren Bruder Matthäus Pertsch)
  • Prinz-Arnulf-Kaserne in der Türkenstraße (kriegszerstört und abgebrochen)
  • Fronfeste am Unteren Anger, München (1824; 1913 abgebrochen)[3]
  • Erste evangelische Kirche Münchens (spätere Alte St. Matthäus-Kirche), München (1827–1833; 1938 abgebrochen)
  • Ehemalige Remise im Staatsbad Brückenau 1827 als Remisen- und Stallgebäude errichtet
  • Börse in Augsburg erbaut 1828–1830, 1944 kriegszerstört und Abbruch 1949 bis 1960[8]
  • Ludwigsbrunnen in Schweinfurt, 1830

Bedeutung

Johann Nepomuk Pertsch zählt zu den weniger bekannten Vertretern des bayerischen Klassizismus. Sein architektonisches Werk steht jedoch in engem Zusammenhang mit der städtebaulichen Entwicklung Münchens während der Regierungszeit Ludwigs I. Mit der ersten evangelischen Kirche der Stadt schuf er ein Bauwerk von erheblicher konfessions- und stadtgeschichtlicher Bedeutung, das den wachsenden Einfluss der evangelischen Gemeinde in München dokumentierte.

Literatur

  • Sonja Steiner-Welz: Bauwerke in Deutschland. Klassizismus, Neoklassizismus. Mannheim 2007.
  • Haus der Bayerischen Geschichte (Hrsg.): Werke König Ludwigs I.
Commons: Johann Nepomuk Pertsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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