Johann Puppe
deutscher Ingenieur und Eisenhüttenfachmann
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Johann „Jean“ Puppe (* 14. April 1882 in Oberhausen; † 19. Dezember 1941 in Breslau[1]) war ein deutscher Ingenieur und Pionier der neuzeitlichen Walzwerkindustrie. Von 1934 bis Anfang 1937 war er Reichskommissar für Rohstoffwirtschaft.
Leben
Puppe besuchte die Schule in Zwickau, zog aber nach dem frühen Tod seines Vaters nach Dortmund. Dort begann er eine Lehre als Walzwerker.[2] Danach betätigte er sich von 1896 bis 1902 in zahlreichen in- und ausländischen Betrieben. Anschließend nahm er für das Fach Chemie und Hüttenkunde ein Studium an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg auf. Im Jahre 1906 legte er seine Prüfung zum Diplom ab. Die Promotion erlangte er im Jahre 1909 zum Dr.-Ing. Im selben Jahr erhielt er ein Stipendium des Carnegie Hero Trust Funds.[3]
Es folgten mehrere Studienreisen, um in Europa und Nordamerika Hüttenwerke der Eisengewinnung zu besuchen. Für den Verein deutscher Eisenhüttenleute, dem heutigen Stahlinstitut VDEh, stellte er Untersuchungen an, welche Leistungen bei Antrieben und Rollen bei Walzwerken auftreten können. Auch damit zusammenhängende Fragestellungen schloss er in seine Betrachtungen ein. Von 1910 bis 1913 wirkte er an der Technischen Hochschule Breslau, wo er in der Auenstraße 43 wohnte. An der Hochschule lehrte er als Dozent das Fach Hüttenmaschinen und Walzwerkskunde. Die Hochschulen in Brünn (1920), Breslau (1923) und Leoben verliehen ihm später die Doktorwürde ehrenhalber.[2][4] Er war Mitglied des Corps Montania Breslau.[5]
Danach erstellte er den Plan für den Bau des ersten Spezialwerks für parallelflächige Breitflanschenträger, wobei er ein eigenes Patent verwendete (Peiner-Träger).[6] Das Projekt wurde bei der Walzwerk AG Peine verwirklicht. Von Ende 1915 bis Januar 1919 leitete er als Direktor die Eisenwerke in Freistadt. Danach wirkte er von 1919 bis Juli 1925 als 1. Direktor in den Witkowitzer Eisenwerken in Witkowitz.
Anschließend betätigte er sich in Düsseldorf als Sachverständiger für das Gebiet Eisenhüttenwerke. Hierbei erstellte er Gutachten für in- und ausländische Betriebe. So beriet er die russische Regierung beim Wiederaufbau und der Erweiterung der russischen Eisenhüttenindustrie. In Düsseldorf wohnte er in der Beethovenstraße 19. Die Technische Hochschule in Berlin ernannte Puppe 1932 zum Ehrensenator.[7]
Am 18. Juni 1934 erfuhr Carl Vincent Krogmann bei der Besichtigung der Wasserstraßendirektion Magdeburg in einem Gespräch mit Wilhelm Keppler, dass der Reichswirtschaftsminister Kurt Schmitt Puppe für die Ernennung zum Reichskommissar für Rohstoffwirtschaft (Rohstoffkommissar) vorgeschlagen hatte, die dann im Juni 1934 erfolgte. Alfred Rosenberg spottete über ihn als den neuen Rohstoffkommissar ohne Vollmachten. Puppe, der aus der Praxis der Eisenhüttenwerke kam, betrachtete die NS-Planungsziffern als Phantasiepläne und das Büro Keppler hielt er für einen Klub von Phantasten, wie Riedel schrieb.
Puppe konnte ohne Kompetenzen nur eine unbedeutende Rolle in der Kriegsrüstung des NS-Regimes spielen und wurde auch Anfang 1937 auf eigenen Wunsch abgelöst.[8] In Berlin wohnte er in der Behrenstraße 43.
1941 verstarb Puppe überraschend an den Folgen einer Operation.
Auszeichnungen
- Dr. techn. h.c. der Technischen Hochschule Brünn (1920)
- Dr. Ing. h.c. der Technischen Hochschule Breslau (1923)
- Dr. mont. h.c. der Montanistischen Hochschule Leoben
- Ehrensenator der Technischen Hochschule Berlin (1932)
Schriften (Auswahl)
- Experimental Investigations on the Power Required to Drive Rolling Mills, Chas. Griffin and Co., Tld.
- Versuche zur Ermittlung des Kraftbedarfs an Walzwerken, Düsseldorf 1909 (siehe auch: Stahl und Eisen, Jahrgang 2 (1910), S. 1619–1624).
- Iron and Steel Institute. In: Carnegie Scholarships Memoirs, Vol. 2 (1910), S. 271–304.
- Investigation of Rolling Pressure and Power Consumption in the Rolling of Billets and Angles, Düsseldorf 1913.
- American Rolling Mill Practice, IA, May 15, 1913, S. 171–179.
- Handbuch des Eisenhüttenwesens in drei Bänden, 1934.
Literatur
- Matthias Riedel, Eisen und Kohle für das Dritte Reich – Paul Pleigers Stellung in der NS-Wirtschaft, Frankfurt/Main 1973.
- C. V. Krogmann, Es ging um Deutschlands Zukunft 1932–1939, Leoni 1976.
- Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 2: L–Z. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1931, DNB 453960294.
- Herrmann A. L. Degener, Wer ist's?, Berlin 1935.