Johann Wolfgang Schottländer
deutscher Musikwissenschaftler und Dozent an der Hochschule für Musik in Berlin
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Johann Wolfgang Maximilian Schottländer (* 23. November 1905 in Charlottenburg; † 7. April 1943 in Berlin-Charlottenburg) war ein deutscher Musikwissenschaftler und Dozent an der Hochschule für Musik in Berlin.
Leben und Wirken
Johann Wolfgang Schottländer stammte väterlicherseits aus einer konvertierten jüdischen Familie, sein Vater Friedrich Schottländer (1873–1959) war Chemiker, später Mitglied des Kaiserlichen Patentamts und Oberregierungsrat.[1] Die Mutter Marie Elfreich (1879–1946) war eine Nachfahrin von Goethes Mutter, weshalb sie ihrem einzigen Kind den Vornamen Johann Wolfgang gab. Dieser besuchte eine Schule in Charlottenburg und studierte danach Philologie und Musikwissenschaft an der Friedrich-Wilhelms-Universität bis 1930.[2]
Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP (Mitgliedsnummer 2.594.863)[3] und 1934 der SS bei, später weiteren NS-Organisationen. Er galt in dieser Zeit als Vierteljude, was seine Karriere aber nicht beeinträchtigte.
1936 wurde Johann Wolfgang Schottländer zum Leiter des Seminars für Filmmusik an der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin ernannt.[4] 1938 reichte er seine Promotion ein.
1939 erhielt er von der SS-Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe finanzielle Unterstützung für seine Forschungen zur antiken griechischen Musik. Um 1941 erhielt er von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den Auftrag, eine Denkschrift zur Gründung einer deutschen Hochschule für Filmmusik zu erstellen. Außerdem sollte er US-amerikanische Filmmusik untersuchen, um deren Wirkung in deutschen Filmen besser nutzen zu können.
In dieser Zeit hatte er Kontakte zu Berliner Jazz-Musikern und -Anhängern, die diese Musik nicht mehr spielen durften. Er zeigte ihnen amerikanische Musikfilme und galt bei ihnen als ein Unterstützer.[5]
Johann Wolfgang Schottländer lebte sein Leben lang in der elterlichen Wohnung in Charlottenburg in der Tauentzienstraße 2 und war nicht verheiratet. Er war dickleibig und starb 1943 im Alter von 37 Jahren an einem Halsabzess.[6]
Publikationen
Johann Wolfgang Schottländer veröffentlichte einige Schriften und Artikel über musikalische Themen. Ihm gelang es, eine altgriechische Kithara zu rekonstruieren.[7] Er war Schriftleiter der NS-Zeitschrift Deutsche Musikkultur seit 1937/1938, in der er gelegentlich auch in Artikel von anderen Autoren eingriff.[8]
Herausgeber
- Carl Friedrich Zelters Darstellungen seines Lebens, 1931 (kurze Auszüge)
- Lieder der Landsknechte und Soldaten, 1939[9] (Auszüge)
- Altpreußische Heeresmärsche, 1942
Autor
- Die Kithara, Berlin 1933, Dissertation
Literatur
- Achim Arno Kirste: Forschung und Lehre im Dienste der Propaganda des Nationalsozialismus. Der Musikwissenschaftler Johann Wolfgang Schottländer als Beispiel innerer Emigration. Aachen 2004. 400 Seiten (kurze Auszüge)
Weblinks
- The Origins of the Families Schottländer Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 25, mit einigen Angaben
- Johann Wolfgang Schottländer. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).