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Johanna Maxl

deutsche Schriftstellerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Johanna Maxl (geboren 1987 in Dachau) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Leben

Sie studierte ab 2012[1] am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, wo sie mit einem Master abschloss, und war Meisterschülerin von Alba D’Urbano in der Fachklasse für Intermedia an der Hochschule für Grafik und Buchkunst ebenda.[2] Sie präsentiert ihre Texte vor allem intermedial in Gestalt von Performances oder Installationen. Zusammen mit dem Künstler Jakub Šimčik leitet sie die interdisziplinäre Plattform Initiative Wort & Bild.[3] Maxl veröffentlichte Texte in den Zeitschriften Exot, Edit, der schwedischen Literaturzeitschrift Ord&Bild[4][1] und war 2009 Mitherausgeberin von Tippgemeinschaft, der Jahresanthologie der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts.

Unser großes Album elektrischer Tage

2018 erschien ihr Debütroman Unser großes Album elektrischer Tage bei Matthes & Seitz. Maxl nahm ein besonderes Interesse an der Buchgestaltung und wünschte sich, das Buch möge „wie ein Fashion-Accessoire, wie eine glitzerend-plüschige Clutch“ erscheinen, ein Wunsch, dem die beauftragte Designfirma gerne nachkam.[5] Am 8. März 2018 hatte eine Adaption des Romans – noch vor dessen Erscheinen am 31. August – durch die Gruppe James & Priscilla Premiere im freien Thater Cammerspiele Leipzig.[6] 2019 erhielt Maxl für Unser großes Album elektrischer Tage den damals erstmals verliehenen, mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis der Stadt Fulda. 2020 erschien eine serbische Übersetzung.[2][7]

Oberflächlich geht es in dem Roman um die durchgängig abwesende Protagonistin Johanna beziehungsweise um die Suche nach ihr beziehungsweise die Gründe für Johannas Verschwinden. Betrieben wird die Suche von einer nicht näher bestimmten Gruppe verlassener Kinder Johannas, aus deren Wir-Perspektive die Texte formuliert sind.

Die Reaktion der Kritik auf den Roman war gemischt von verhalten zustimmend, eher ratlos bis entschieden ablehnend.[8] So schreibt Juli Katz in Die Zeit:

„Unser großes Album elektrischer Tage ist ein Pool an Ideen, wie sich eine Figur erzählen ließe, und fordert detektivisches Gespür, den vermeintlich richtigen zu folgen. Alles könnte, nichts muss oder war. Gerade wenn man Johanna verstanden haben könnte, verschwindet sie in der Verneinung. In diesem Gestus verharrt Maxl und zerschlägt Ideen schon, bevor sie ihnen Raum gibt. Hat man das Konzept einmal verstanden, trägt es sich nicht weiter. Es mündet routiniert ins Ungewisse, in ein großes Vielleicht. Nur an eins kann man sich halten. An den Namen Johanna.“[9]

Juliane Liebert vergleicht in der Süddeutschen Zeitung die Protagonistin Johanna mit der Amélie aus Jean-Pierre Jeunets Film von 2001, begleitet von einem Chor von Wir-Zwergen („eine Schar LSD-verstrahlter Kinder aus dem Märchenwald“). Liebert gesteht Maxls Sprache zu, dass sie „durchaus Rhythmus, Bildkraft und Witz hat.“ Aber:

„Leider kunstmärchelt sie allzu wohlig vor sich hin. Man würde gern ein Kettensägenmassaker unter ihren präzisen Perioden anrichten. Die fiktive Johanna wird als flirrendes Wesen vorgestellt, affizierbar von Schönheit, allergisch allein gegen die Vorstellung, sich einem Älterwerden zu unterwerfen, anscheinend resistent gegen Verantwortung, in einer Affäre mit einer Sportlehrerin. Wenn sie beleidigt ist, hört sie – Björk. Was die Wir-Zwerge wenigstens naserümpfend vermerken. Vor allem aber ist sie abwesend. Und das wird irgendwann langweilig.“[10]

Hannah Lühmann zeigt sich in Die Welt dagegen angetan:

„[E]in erzählerisch außerordentlich gelungener, also spannender Text. Und dies gerade nicht, weil er eine Formübung darstellen würde, sondern weil er mythisch ist, existenziell, mit Archetypen arbeitet. […] Diese Johanna, sie stammt aus allen Zeiten, sie ist Medea und Ökomutter, die Kinder sind nicht nur Kinder, sondern auch kleine, glatzköpfige Erwachsene, pervers, bedürftig, gewalttätig, David-Lynch-haft.“[11]

Die Autorenseite von Matthes & Seitz sagt, Unser großes Album elektrischer Tage sei ein Romane über „fluide Identitäten im 21. Jahrhundert“.[12] Diesen Aspekt hebt auch Raphael Smarzoch in seinem Beitrag im Deutschlandfunk hervor: „Das Spiel mit Geschlechtern, mit fluiden Identitäten, wird immer wieder in Johanna Maxls Bewusstseinsstrom thematisiert. Nicht nur im erzählenden Wir, das stets geschlechtsneutral in Erscheinung tritt, sondern beispielsweise auch durch die queere Punk-Band Bikini Kill, die Johanna gerne hört oder in der Begegnung der suchenden Kinder mit Orlando“, worin er einen Bezug zu der männlich-weiblichen Hauptfigur von Virginia Woolfs Orlando annimmt. Allerdings: „Welche Funktion diese Verweise haben und wie sie mit der Geschichte in Verbindung treten, erschließt sich allerdings nicht. Sie sind einfach da. Es wirkt, als lese man eine Privatmythologie, in der Fiktives und Biographisches miteinander verschmelzen.“ Abschließend urteilt er:

„Johanna Maxls Roman könnte ewig weitergehen. Darin wird er einerseits erneut zum Sinnbild eines nicht enden wollenden digitalen Informationsflusses, der mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden ist. Andererseits erfährt er dadurch auch eine ermüdende Beliebigkeit. Daher sei empfohlen, die Geschichte nicht chronologisch zu lesen, sondern in ihr umherzuspringen. Sie bruchstückhaft anzugehen. Nur so können die in ihr enthaltenen Momentaufnahmen ihre volle Ausdruckskraft entfalten.“[13]

Auszeichnungen

Bibliografie

  • als Herausgeberin mit Anke Bastrop und Wolfgang Lotz: Tippgemeinschaft 2009. Jahresanthologie der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. Connewitzer Verlagsbuchhandlung, 2009, ISBN 978-3-937799-39-1.
  • Unser großes Album elektrischer Tage. Matthes & Seitz, Berlin 2018, ISBN 978-3-95757-625-5 (E-Book: ISBN 978-3-95757-668-2).
    • Serbische Übersetzung: Johana Maksl: Naš veliki album električnih dana. Übersetzt von Tijana Tropin. Geopoetika izdavaštvo, Belgrad 2020, ISBN 978-86-6145-340-3.

Einzelnachweise

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