Johannes Paulsen
deutscher Pastor
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Leben
Herkunft, Familie und Ausbildung
Johannes Paulsen wurde am 18. März 1847 in Witzhave als Sohn eines Lehrers geboren. Sein Bruder, Adalbert Paulsen war Pastor in Gelting, Sterley und Brügge. 1871 heiratete er Marie, geb. Lund, die er 1866, während seiner Zeit als Hauslehrer in Winderatt kennenlernte. Aus der Ehe gingen drei Töchter und drei Söhne hervor.[1] Sein Sohn Adalbert Paulsen (1889–1974), war Theologe und NS-Funktionär, der von 1933 bis 1945 als Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holsteins amtierte.
Paulsen studierte Theologie in Kiel, Tübingen und Berlin. Er wurde am 20. November 1870 im Schleswiger Dom ordiniert.
Wirken in Kropp
Im Alter von 23 Jahren stand Paulsen am 7. August 1870 als Prädikant auf der Kanzel der Kropper Kirche. Er war nun Adjunkt seines Vorgängers Pastor Hansen. Da er das Mindestalter von 25 Jahren noch nicht erreicht hatte, wurde er durch eine Verfügung des Ministers Heinrich von Mühler für die Ordination zugelassen.
In Kropp bemühte sich Paulsen um die Reform des sonntäglichen Gottesdienstes und entwickelte eine rege Missionstätigkeit. So predigte er persönlich auf Missionsfesten an vielen Orten in Schleswig-Holstein, aber auch in Pommern, Ostfriesland und der Lüneburger Heide. Seit 1873 veranstaltete er in Kropp Jahresfeste mit mehreren hundert Besuchern.[2] Zudem entsendete Paulsen Diakone und Seminaristen in viele ländliche Regionen Schleswig-Holsteins, um dort missionarische Versammlungen abzuhalten.[3]
1877 gründete Paulsen den ersten Posaunenchor in Schleswig-Holstein, welcher bis heute besteht.[4] Die Auftritte des Posaunenchors auf Missionsfesten, die Paulsen im Land organisierte, führten zu weiteren Gründungen von Chören.[5]
Im Anschluss an einen 1881 vom Lutherischen Generalkonzil veröffentlichen Aufruf nach deutschsprachigen Pastoren initiierte Paulsen in Kropp den Aufbau eines Predigerseminars zur Ausbildung für den Dienst in Nordamerika. 1882 nahm das Seminar mit zunächst 12 Teilnermern seine Arbeit auf und wurde in den folgenden Jahren erheblich ausgebaut. Paulsen reiste mehrfach nach Amerika, um dort die Bedingungen für die Ausbildung auszuhandeln. Nachdem sich das Lutherische Generalkonzil mit der Lutherischen Generalsynode zur United Lutheran Church in America (ULCA) zusammengeschlossen hatte, kooperierte Seminar in Kropp mit dem von Christian Jensen in Breklum gegründeten Predigerseminar. Nach dem deutlichen Rückgang an Seminaristen während des Ersten Weltkriegs und strukturellen Veränderungen in den amerikanischen Kirchen verlor die Einrichtung an Bedeutung und wurde schließlich 1931 geschlossen.[6] Ein Forschungsprojekt der Christian-Albrechts-Universität Kiel stellte fest, dass die von Johannes Paulsen in Kropp, von Christian Jensen in Breklum und von Johann Hinrich Wichern in Hamburg initiierte Ausbildung von Missionaren zur Entsendung von über 600 Predigtamtskandidaten für lutherische Gemeinden in Nordamerika führte.[7]
1884 kam die Arbeit am neu entstandenem Waisenhaus hinzu. Es folgten das Altenheim, die Irrenanstalt und das Kinderheim. 1892 kam die Diakonissenanstalt hinzu.
Paulsen hielt Predigten in plattdeutscher Sprache und gab die Plattdütsche Togav zum Kropper Kirchlichen Anzeiger heraus. Mit dem niederdeutschen Dichter Klaus Groth (1819–1899) bemühte er sich um eine niederdeutsche Übersetzung von Johannes Bugenhagens Neuem Testament und der Psalmen.[8]
- Grab von Johannes Paulsen in Kropp
- Historisches Straßenschild in Kropp
Werke (Auswahl)
- Abriss der Heilslehre der evangelisch-lutherischen Kirche, Kropp 1879
- Predigten über die Sonn- und Festtags-Episteln des Kirchenjahres, 2 Bde., Kropp 1880–81
- Geschichten aus dem Reiche Gottes, 3 Bde., Kropp 1882
- Hausbuch (Morgensegen) in Betrachtungen aus Gottes Wort auf alle Tage des Kirchenjahres, Kropp 1883
- Predigten über freigewählte Texte auf alle Sonn- und Festtage des Kirchenjahres, Kropp 1884
- Bibelstunden über die Pastoralbriefe, Kropp 1885
- Heideblumen, 2 Bde., Kropp 1892
- Brotkorb für Sonn- und Festtagnachmittage, Kropp 1894
- Gotteskindern dargeboten in Betrachtungen über Gottes Wort, Kropp 1894
Literatur
- Johannes Paulsen: Geschichte der Kropper Anstalten. Druck und Verlag der Anstaltsbuchhandlung „Eben-Ezer“ Kropp 1904.(Nachdruck 2004)
- Rudolf Eckart: Handbuch zur Geschichte der plattdeutschen Literatur. Bremen 1911, S. 297f.
- Gertrud Koch: Meine Erinnerungen an Pastor Johannes Paulsen, * 1849, † 1916, Gemeindepastor in Kropp von 1870–1916, in: Jahrbuch für die Schleswigsche Geest 8 (1960) 5-40.
- Harald Greve: Johannes Paulsen und das Amerikabild am Predigerseminar in Kropp, 1985.
- Hans Hansen: Kropp und die Welt. Streiflichter aus dem Leben und Wirken von Johannes Paulsen (1847-1916), 1999.
