Johannes Watzal

deutsch-böhmischer Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Johannes Watzal (* 22. Februar 1887 in Eger, Elbogener Kreis; † Juni 1945 in Teplice-Šanov, Tschechoslowakei) war ein sudetendeutscher Bildhauer, SS-Sturmbannführer und Professor für Kunst.

Porträtfoto Johannes Watzal aus den 1940er-Jahren

Leben

Johannes Watzal wurde im westböhmischen Eger geboren, das damals zur Österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte. Sein Vater war der Bäckermeister Wolfgang Watzal aus Steingrub im Schönbacher Ländchen. Seine Mutter Hedwig, geb. Härtel, stammte aus Asch.[1] Er hatte acht weitere Geschwister.[2]

Watzal besuchte schon als Schüler die K.k. Fachschule für Keramik und verwandte Kunst-Gewerbe in Teplitz-Schönau, an der er später als Professor wirkte; hier wurde auch sein Talent erkannt. Die Manufaktur Friedrich Goldscheider holte ihn nach dem Schulabschluss als Mitarbeiter nach Wien und gewährte ihm zusätzlich ein Stipendium an der dortigen Kunstgewerbeschule. Unterricht nahm Watzal bei Franz Barwig und Josef Breitner. Er beendete seine Studien 1910 mit einem Reisestipendium der Erzherzog–Rainer–Stiftung. Es folgte ein kurzer Aufenthalt bei Franz Metzner in Berlin, bevor er Mitarbeiter bei Georg Wrba an der Akademie für Bildende Künste in Dresden wurde.[3] Am 5. April 1913 heiratete er Elisabeth Nake (* 4. Dezember 1889) aus Weißkirchlitz, mit der er drei Kinder bekam.[4]

Kriegerdenkmal in Teplitz-Schönau, 1930

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Watzal zum österreichisch-ungarischen Militär eingezogen und kam an die Front nach Galizien. Bei der Schlacht von Komarów wurde er so schwer durch eine Granate verwundet, dass er erst wieder im Frühjahr 1916 den Dienst antreten konnte, jetzt bei der Kriegsgräber–Abteilung in Krakau, wo er als Oberleutnant auch das Kriegsende im November 1918 erlebte.[5]

Nach dem Krieg kehrte Watzal nach Teplitz-Schönau zurück, das jetzt Teplice-Šanov hieß und territorialer Bestandteil der neu gegründeten Tschechoslowakischen Republik war. Er selber zählte sich zur ethnischen Minderheit der Sudetendeutschen. Ab 1919 arbeitete er als Professor für Entwurfs– und Naturmodellieren an seiner ehemaligen Schule.[6] Diese Stelle hatte er bis kurz vor seinem Tod im Juni 1945 inne, wurde 1943 sogar zu ihrem Direktor ernannt.[7] Gewohnt hat er im Teplitzer Vorort Turn (heute:Trnovany) am Turner Park in der Waldzeile 929.[8][9]

Schon vor dem Ersten Weltkrieg sympathisierte Watzal mit dem Gedankengut des österreichischen Politikers Georg von Schönerer und trat 1919 in die völkisch ausgerichtete Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP) ein, deren Mitglied er bis zur Zwangsauflösung im Oktober 1933 blieb. Wie viele Anhänger der jetzt verbotenen DNSAP wechselte er in die von Konrad Henlein geführte Sudetendeutsche Partei (SdP), die sich im Oktober 1938 selbst auflöste.[10]

Goethe-Denkmal in Aš

Nach der Sudetenkrise und den Beschlüssen des Münchner Abkommens vom September 1938 wurde Teplitz–Schönau ein Verwaltungsbezirk im neu geschaffenen Reichsgau Sudetenland. Watzal war jetzt Bürger des Deutschen Reichs, er beantragte am 4. Januar 1939 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. November 1938 aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.763.824).[11] Am 20. April 1939 wurde Watzal im Rang eines SS-Hauptsturmführers ebenfalls in die SS aufgenommen.[12] Er stieg bis 1943 zum SS-Sturmbannführer in der 96. SS-Standarte auf (SS-Mitgliedsnummer 314.989).[13]

Ballwerferin, 1930, Bronze, 68,5 cm

Johannes Watzal starb mit 58 Jahren im Juni 1945 im Gefängnis seiner Heimatstadt. Die näheren Todesumstände sind bis heute ungeklärt,[14] müssen aber im Zusammenhang mit den Gewalttaten bei der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei gesehen werden.

Werke (Auswahl)

Nur wenige Werke von Johannes Watzal existieren heute noch. Die von ihm geschaffenen Kriegsdenkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs wurden nach 1945 alle zerstört. Das bekannteste war das 1930 in Teplitz–Schönau in der Lindenstraße (heute: Lípová ulice) eingeweihte Denkmal, das auf einer 10 Meter hohen Klinkersäule einen von einem Speer durchbohrten Löwen zeigte und mit Reliefdarstellungen des Kriegsgeschehens verziert war. Ein weiteres, schon 1926 geschaffenes Denkmal, stand auf dem Friedhof der Stadt.[15] Auch dieses wurde in den Nachkriegsjahren abgetragen.[Anm. 1]

Beethoven, 1925, Bronze

In der Stadt Aš dagegen haben sich bis heute zwei wichtige Werke von Johannes Watzal erhalten: Das am 28. August 1932 eingeweihte Goethe–Denkmal, das an die häufigen Besuche des Dichters erinnern sollte, und das Denkmal zu Ehren des Industriellen und Bürgermeisters der Stadt Gustav Geipel[16] von 1924. Ebenfalls aus dem Jahr 1924 stammt das noch erhaltene Grabmal des sozialdemokratischen Politikers Josef Seliger. Es befindet sich auf dem Friedhof der Gemeinde Bystřany (dt. Wisterschan)[17] und wird von der Seliger-Gemeinde in München betreut.

Von Watzals Kleinplastiken wird auch heute noch die 1925 entstandene Büste des Komponisten Ludwig van Beethoven als „ein Kunstwerk [mit] besonderer Eindruckskraft“[18] hervorgehoben. Sie wurde erstmals 1929 im Schloss Teplice ausgestellt. Dort befindet sie sich immer noch, jetzt in der Sammlung des hier beheimateten Regionalmuseums.

Ausstellungen (Auswahl)

Johannes Watzal zeigte einzelne Werke immer im Rahmen von größeren Gemeinschaftsausstellungen, so wie sie der Metznerbund regelmäßig veranstaltete. Besonderes kulturpolitisches Gewicht hatte dabei die Sudetendeutsche Kunstausstellung der Jahre 1937 und 1938, die vom Bund der Deutschen ausgerichtet und von Watzal organisatorisch betreut wurde.[19] Watzal präsentierte dort sieben seiner Werke, so viele wie kaum ein anderer Künstler.

Die als Wanderausstellung konzipierte Schau begann im August 1937 in Karlsbad und wurde im weiteren Verlauf in mehreren deutschen Städten gezeigt. Sie diente nicht nur der Präsentation regionaler Kunst, sondern war ein Instrument der sudetendeutschen Propaganda. Das Sudetenland sollte als fester Bestandteil des deutschen Kulturraums präsentiert werden, um so auch weitergehende politische Ansprüche untermauern zu können. Die künstlerische Ausrichtung entsprach dabei der zeitgleich stattfindenden ersten Großen Deutschen Kunstausstellung in München. An dieser nahm Watzal im Laufe der Jahre dreimal teil:

  • 1940 mit der Porträtbüste von Hans Knirsch (Abb.) und der Tierplastik Hahn (Abb.)
  • 1941 mit den Bronzeplastiken Schreihals (Abb.) und Junge Ente (Abb.)
  • 1943 wieder mit der Porträtbüste von Hans Knirsch (Abb.) und der Bronzestatuette Ballwerferin (Abb.)

Quellen

  • Bundesarchiv Berlin, Personenbezogene Unterlagen der SS und SA, BArch R 9361-III/562227 (Digitalisat)
  • Bundesarchiv Berlin, Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, BArch R 4901/21879 (Digitalisat)

Ausstellungskataloge

  • Ausstellung deutscher Künstler aus Böhmen. Hrsg. vom Kunstverein für Böhmen in Prag I., Prag, Januar 1926, S. 8. (Digitalisat)
  • Sudetendeutsche Kunstausstellung 1937. Hrsg. von der Sudetendeutschen Kulturgesellschaft, Berlin, Juni 1937, S. 21, mit Abb. Flachrelief Hans Knirsch und Bronze Schreihals. (Digitalisat)
  • Sudetendeutsche Kunstausstellung 1937. Hrsg. vom Bund der Deutschen, Reichenberg, September 1937, S. 16, mit Abb. Gipsbüste Deutsches Mädel und Bronze Schreihals. (Digitalisat)
  • Kunstausstellung des Metzner–Bundes 1942. Hrsg. vom Metzner–Bund unter der Schirmherrschaft des Gauleiters und Reichsstatthalters Konrad Henlein, Reichenberg, Oktober 1942, S. 17. (Digitalisat)
  • Jubiläumsausstellung des Metzner–Bundes 1919–1944. Hrsg. vom Metzner–Bund unter der Schirmherrschaft des Staatsministers K. H. Frank, Prag, Mai 1944, S. 20. (Digitalisat)

Literatur

  • Watzal, Johannes. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 35: Waage–Wilhelmson. E. A. Seemann, Leipzig 1942, S. 202 (biblos.pk.edu.pl).
  • Paul Herrmann: Der Bildhauer Johannes Watzal. In: Unser Egerland. Monatsschrift für Heimaterkundung und Heimatpflege. 28. Jg., 6. H., Eger 1924, S. 64–66.
  • Gedenkschrift anläßlich der Enthüllung des Kriegerdenkmales von Prof. Johannes Watzal in Teplitz–Schönau. Hrsg. vom Festauschuß der Stadt Teplitz–Schönau, Teplitz, Juni 1930.
  • Wilhelm Pleyer: Der Goethebrunnen auf dem Ascher Marktplatze. In: Bundeskalender 1935, H. 39, hrsg. vom Bund der Deutschen in Böhmen, Teplitz–Schönau 1935, S. 81–84.
  • Xaver Schaffer: Johannes Watzal. Ein sudetendeutscher Bildhauer. In: Kunst des Egerlandes. Festschrift zur Gauausstellung „Bildende Kunst des Egerlandes“ (10. Juli bis 6. August 1938). Hrsg. von Ferdinand Swoboda, Asch 1938, S. 83–89. (Digitalisat)
  • Rudolf Hemmerle: Zum 50. Todestag von Johannes Watzal. In: Mitteilungen des Sudetendeutschen Archivs, H. 120, München 1995, S. 47–48.
  • Johannes Watzal. In: Künstler der Heimat. Kunstschaffen im Ascher Land. Hrsg. von der Stiftung Ascher Kulturbesitz, Rehau 2010, S. 30–31. (Digitalisat)
  • Anna Habánová, Zdenka Čepeláková und Ivo Habán (Hrsg.): Junge Löwen im Käfig. Künstlergruppen der deutschsprachigen bildenden Künstler aus Böhmen, Mähren und Schlesien in der Zwischenkriegszeit. Řevnice 2013, ISBN 978-80-7467-026-8, S. 10, 87, 177, 377.
Commons: Johannes Watzal – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

Anmerkungen

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