Johannisgasse (Leipzig)
Straße in Leipzig
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Die Johannisgasse ist eine Anliegerstraße in der Ostvorstadt von Leipzig. Sie ist nach dem ehemaligen Johannishospital benannt, zu dem sie führte.
| Johannisgasse | ||
|---|---|---|
| Nordseite des Ostteils der Johannisgasse (um 1900) | ||
| Basisdaten | ||
| Ort | Leipzig | |
| Ortsteil | Zentrum-Südost | |
| Angelegt | Mittelalter | |
| Hist. Namen | Bettelgasse | |
| Anschlussstraßen | Johannisplatz, Goldschmidtstraße | |
| Querstraßen | Nürnberger Straße | |
| Nutzergruppen | Auto-, Rad- und Fußverkehr | |
| Technische Daten | ||
| Länge | 330 m bis Goldschmidtstraße[1] | |
Lage und Verlauf
Nach der administrativen Gliederung der Stadt von 1992 gehört die Johannisgasse zum Ortsteil Zentrum-Südost. Sie verlief ehemals vom Augustusplatz über eine Länge von 300 Metern[1] zum östlichen Ende des Johannisplatzes südlich des Grimmaischen Steinwegs und parallel zu diesem. In den 1960er Jahren wurde sie durch den Bau eines Hotels vom Augustusplatz abgeschnitten. Um eine Sackgasse zu vermeiden, wurde sie an ihrem nunmehrigen westlichen Ende mit der Goldschmidtstraße verbunden. Diese Verbindung wird in verschiedenen Karten als Johannisgasse, aber auch als Goldschmidtstraße bezeichnet. Bis zu diesem Abzweig ist sie in westlicher Richtung als Einbahnstraße beschildert. Gekreuzt wird die Johannisgasse von der Nürnberger Straße.
Geschichte
Die Johannisgasse, die bis etwa 1800 Bettelgasse genannt wurde, war eine der ersten Straßen außerhalb der Stadtmauern, die geschlossene Häuserzeilen aufwiesen. Im 13. und 14. Jahrhundert lebten und arbeiteten hier außerhalb der Stadt vor allem Töpfer, denn die Töpferei gehörte im Mittelalter zu den „unehrlichen“ Berufen. Etwa von der Mitte der Johannisgasse zweigte eine Quergasse mit dem Namen Totengäßchen nach Norden ab (später Kirchgäßchen), die heute Teil der Nürnberger Straße ist. Denn es war über viele Jahre Vorschrift, dass die Leichenzüge aus der Stadt zum Johannisfriedhof den Weg durch die Bettelgasse und das Totengäßchen zu nehmen hatten.
Um 1690 wurde südlich der Gasse der Großbosische Garten errichtet, der bis an die Grundstücke der Bettelgasse heranreichte. Im 18. Jahrhundert wurden durch die Gestaltung des Promenadenrings die Grundstücke am westlichen Ende der Bettelgasse interessant. 1747 wurde auf der Südseite ein barockes Wohnhaus errichtet, das später Weinnäpfchen genannt wurde. Etwa zur gleichen Zeit entstand auf der anderen Gassenseite mit der Längsfront zum Augustusplatz das Haus des Verlegers Johann Wendler (1713–1799), der 1786 auf seinem Grundstück eine private Freischule für 60 mittellose Kinder errichtete. Vom Weinnäpfchen etwas abgesetzt stand mit der Nummer 1327 das Haus des Bürgermeisters Carl Wilhelm Müller.[2]
Ab etwa 1800 setzte sich der Name Johannisgasse für die Bettelgasse durch, der 1887 offiziell bestätigt wurde.[3] Ab 1858 entstand an der Nürnberger Straße (damals Bosenstraße) mit einem Flügel zur Johannisgasse der Druckereikomplex der Firma Giesecke & Devrient, der späteren Wertpapierdruckerei. Um die Wende zum 20. Jahrhundert entstanden am Augustusplatz neue Eckgebäude zur Johannisgasse, links von 1884 bis 1887 nach Plänen von Bruno Grimm das Verwaltungsgebäude für das Bankhaus Becker & Co. und rechts von 1901 bis 1903 das Niederländische Haus von Hendrik Petrus Berlage für eine niederländische Versicherung. Im Zweiten Weltkrieg wurden beide Gebäude zerstört und in den 1960er Jahren auf dem Gelände bis zum Grimmaischen Steinweg das Hotel Deutschland (heute Radisson Blu) erbaut, wodurch die Johannisgasse ihre Verbindung zum Augustusplatz verlor.
- Eingang zur Bettelgasse (um 1780), Weinnäpfchen (r.) und Wendlers Haus
- Giesecke & Devrient (um 1890), Johannisgasse nach rechts
- Bankhaus Becker, Johannisgasse und Niederländisches Haus (1908)
- Hotel Radisson Blu (2015),
erbaut als Hotel Deutschland
Bebauung

An der Nordseite beginnt die Bebauung der Johannisgasse hinter dem Hotel Radisson Blu mit der Nummer 7–9 für das in den 1920er Jahren errichtete etwa 100 Meter lange Verwaltungsgebäude der Kommunalen Wasserwerke Leipzig. Mit der Nummer 11 folgt bis zur Nürnberger Straße der sechsgeschossige Südflügel des Anfang der 2020er Jahre errichteten Bürokomplexes für Unite. Das nächste zur Johannisgasse zählende Gebäude ist ein Wohnhausneubau mit der Nummer 23. Die Nummern 25 und 27 sind zwei 1936 im traditionalistischen Stil im Zusammenhang mit der Bebauung des Südteils des Johannisplatzes entstandene Wohnhäuser. Sie stehen als einzige Objekte der Straße unter Denkmalschutz.[4]
Auf der Südseite der Gasse reichen mit der Hausnummer 16 Verwaltungs- und Produktionsneubauten der Firma Giesecke & Devrient von der Nürnberger Straße über das Verbindungsstück bis zur Goldschmidtstraße. Östlich der Nürnberger Straße gehört nur die Nummer 26 zur Johannisgasse. Das im Jahr 2000 errichtete Bürogebäude wurde ab 2020 als Wohnanlage mit 256 Studierenden- und Mikroapartments umgebaut.[5]
Literatur
- Gina Klank, Gernoth Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen. Hrsg.: Stadtarchiv Leipzig. 1. Auflage. Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, Leipzig 1995, ISBN 3-930433-09-5, S. 112.
- Horst Riedel, Thomas Nabert (Red.): Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. 1. Auflage. Pro Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8, S. 272.
- Die verschwundene Johannisgasse. In: Sebastian Ringel: Zeitreise Leipzig. Wandel einer Großstadt über Jahrhunderte. Passage-Verlag, Leipzig 2025, ISBN 978-3-95415-153-0. S. 74–75
Weblinks
- Johannisgasse. In: Website der Stadt Leipzig.
- Johannisgasse. In: Fotothek des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig.


