John Akomfrah
britischer Künstler, Autor, Filmregisseur, Drehbuchautor, Theoretiker und Kurator
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John Akomfrah (* 1957 in Accra) ist ein ghanaisch-britischer Künstler, Theoretiker und Filmemacher, dessen Filme und mehrkanalige Videoinstallationen sich mit Erinnerung, rassistischer Gewalt, diasporischer Migration, kolonialen Nachwirkungen und der Klimakrise befassen.[1][2]

Seit den 1980er-Jahren nutzt er Archivmaterial, Nachrichtenbilder, literarische und musikalische Bezüge sowie inszenierte Tableaus für die Erstellung essayistischer Arbeiten, die offizielle Erzählungen über schwarze britische Identität, Imperialismus und Moderne aufbrechen.[3] Zu seinen bekannten Arbeiten zählen Handsworth Songs, Vertigo Sea, Purple, Four Nocturnes und Listening All Night To The Rain.[4][2]
Leben und Wirken
Akomfrah wurde 1957 in Ghana geboren und verließ das Land als Kind nach den politischen Umwälzungen des Jahres 1966 zunächst in Richtung USA und später nach London.[5]
Während seiner Studienzeit in Portsmouth gründete er Anfang der 1980er-Jahre mit sechs weiteren Künstlerinnen und Künstlern das Black Audio Film Collective, das neben eigenen Filmen auch Vorführungen, Distribution und Symposien organisierte.[3] Mit dem Kollektiv wurde er durch Handsworth Songs bekannt, einen 1986 entstandenen Filmessay über die Folgen der Unruhen von 1985 in Birmingham und London.[4][6] Nach der Auflösung des Black Audio Film Collective 1998 arbeitete er mit Lina Gopaul, David Lawson Jr. und Ashitey Akomfrah unter dem Namen Smoking Dogs Films weiter.[3] Akomfrah erhielt 2008 die Auszeichnung als OBE und wurde in der britischen New Year Honours List 2023 für Verdienste um die Künste zum Knight Bachelor erhoben.[4][7]
Akomfrahs Montageverfahren stellt kontrastierende Perspektiven nebeneinander und macht Fragmentierung zu einem ästhetischen Prinzip, das die zersplitterte Natur des modernen Lebens widerspiegele.[3] Einen Wendepunkt seiner Rezeption im Kunstbetrieb bildete Vertigo Sea, das Okwui Enwezor für die Biennale von Venedig 2015 beauftragte und das Bilder von Meer, Walfang, Flucht und Sklaverei miteinander verschränkte. Sein langjähriges Reflektieren über Rasse habe ihn zum Infragestellen anderer künstlicher Trennungen geführt, wie z. B. der zwischen Menschen und Tier.[3] Mit Purple entwickelte Akomfrah 2017 eine in zehn Ländern gefilmte Arbeit über die Eingriffe des Menschen in den Planeten, während Four Nocturnes 2019 im ersten ghanaischen Pavillon der Biennale von Venedig gezeigt wurde.[3][2]
2017 gewann er in Cardiff den mit 40.000 Pfund dotierten Artes Mundi 7 Prize für Auto Da Fé und ein Werk, das Migration, Rassismus und religiöse Verfolgung über lange historische Zeiträume behandelt.[4] In seiner dreikanaligen Videoinstallation Five Murmurations reagierte Akomfrah 2021 auf die Covid-19-Pandemie und die Tötung von George Floyd sowie die darauf erneut erstarkten Black Live Matter-Proteste.[3]
Die Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main widmete ihm von November 2023 bis Januar 2024 mit John Akomfrah. A Space of Empathy eine umfassende Ausstellung mit The Unfinished Conversation, Vertigo Sea und Becoming Wind.[8] Hervorzuheben war besonders die Verbindung von Postkolonialismus, Anthropozän und komplexen Identitätsfragen.[9] Für die 60. Internationale Kunstausstellung der Biennale von Venedig beauftragte der British Council Akomfrah 2024 mit dem britischen Pavillon, in dem Listening All Night To The Rain vom 20. April bis 24. November 2024 gezeigt wurde.[2] Die Installation kehrte zu seinen langjährigen Themen Erinnerung, Migration, rassistische Ungerechtigkeit und Klimakrise zurück und setzte dabei einen besonderen Akzent auf Hören, Klang und die politische Bedeutung des Zuhörens.[2][6]