John Cheke
britischer Gelehrter und Staatsmann
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Sir John Cheke (* 16. Juni 1514 in Cambridge; † 13. September 1557 in London) war ein englischer Gelehrter (Altphilologe) und Staatsmann.

Sein Vater, Peter Cheke, war Gastwirt in Pirgo in Essex[1] sowie Pedell (Bedel) der University of Cambridge. Cheke studierte am St John’s College in Cambridge, dessen Fellow er 1529 wurde. Noch während des Studiums trat er zum Protestantismus über, was ihm die Protektion des Königs Heinrich VIII. brachte. 1540 wurde er der erste Regius Professor für Griechisch. Zu seinen Schülern in Cambridge zählten William Cecil, 1. Baron Burghley, der 1541 Chekes Schwester Mary heiratete,[1] und Roger Ascham. Mit seinem Freund Thomas Smith galt er als einer der führenden Altphilologen Englands, auch wenn ihr Versuch der Reformation der Aussprache des Altgriechischen damals noch auf heftigen Widerstand stieß. Wie auch Smith befasste er sich auch mit der Aussprache des Englischen, wo er sich gegen fremdsprachige Einflüsse wandte.
1544 wurde er Tutor des späteren Königs Eduard VI. Auch nach dessen Thronbesteigung war er dessen Lehrer.
1548 wurde er Provost des King’s College in Cambridge. 1551 wurde er als Knight Bachelor geadelt. Er war von 1547 bis Oktober 1553 als Abgeordneter für das Borough Bletchingley in Surrey Mitglied des House of Commons des englischen Parlaments und wurde 1553 Staatssekretär und Mitglied des königlichen Privy Council. Als Gefolgsmann von John Dudley, 1. Duke of Northumberland, der England während der Herrschaft von Eduard VI. praktisch regierte, aber nach dessen Tod 1553 hingerichtet wurde, da er Lady Jane Grey auf dem Thron etablieren wollte, geriet auch Cheke nach Königin Marias Thronbesteigung 1553 in Ungnade, wurde im Juli 1553 in den Tower geworfen und sein Vermögen wurde eingezogen. Während der neuntägigen Regierung von Jane Grey war er ihr Staatssekretär gewesen. Im September 1554 wurde er entlassen und durfte ins Ausland reisen. Er ging nach Basel, Padua (wo er Griechisch-Vorlesungen hielt) und Straßburg, wo er als Griechischlehrer arbeitete. Als er 1556 seine Frau in Brüssel traf, wurde er auf dem Weg zurück nach Antwerpen auf Befehl des spanischen Königs verhaftet und nach England ausgeliefert, wo er wieder im Tower landete. Unter der Androhung, lebendig verbrannt zu werden, kehrte er wieder zum katholischen Glauben zurück und wurde entlassen. Danach war er ein gebrochener Mann und starb bald darauf in London.
1547 heiratete er Mary Hill, die Tochter von Richard Hill, Kellermeister bei Heinrich VIII. Mit ihr hatte er drei Söhne.
1543 gab er das erste vollständig in Altgriechisch gedruckte Buch in England heraus (die Homilien von Johannes Chrysostomos). Seine Übersetzung des Matthäusevangeliums von 1550 erschien 1843. Ein Buch über Kriegsmaschinen (De Apparatu Bellico) erschien in Basel 1554 (mit einer Widmung an Heinrich VIII. von 1544) und ein Buch über die Aussprache des Griechischen in Basel 1555.
Literatur
- John Strype: The life of the learned Sir John Cheke. Clarendon Press, Oxford 1821, (Digitalisat).
- Ronny Baier: Sir John Cheke. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 21, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3, Sp. 273–276.
- S. R. Johnson: Cheke, John (1514-57), of Cambridge and London. In: Stanley Thomas Bindoff (Hrsg.): The History of Parliament. The House of Commons 1509–1558. Secker & Warburg, London 1982 (historyofparliamentonline.org).