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John Francis Bentley

britischer Architekt und Designer (1839–1902) From Wikipedia, the free encyclopedia

John Francis Bentley (* 30. Januar 1839 in Doncaster; † 2. März 1902 in Clapham)[1] war ein britischer Architekt und Designer.

John Francis Bentley. Porträt von William Christian Symons

Leben

John Francis Bentley wurde als Sohn eines Weinhändlers in Yorkshire geboren. Als Kind zeichnete er mit Begeisterung, insbesondere Architekturmotive. Doch seinem Wunsch, Künstler zu werden, stellte sich sein Vater entgegen. Kurze Zeit arbeitete John Francis Bentley in Manchester in einer Firma, die Dampflokomotiven herstellte. 1855 wechselte er zu der Londoner Baufirma Winsland and Holland. Nachdem zwei Jahre später sein Vater gestorben war, begann er mit dem Architekten Henry Clutton zusammenzuarbeiten, der von Kardinal Manning protegiert wurde und 1858 zum Katholizismus konvertierte. Bentley hatte zu dieser Zeit unter anderem mit dem Bau der Sacred Heart Chapel in der Farm Street und mit einer neuen katholischen Kirche in der Pottery Lane in Notting Hill zu tun. Während er an dieser Franziskus-Kirche arbeitete, soll Bentley mit einem irischen Arbeiter in eine Debatte über Religion geraten sein. Das soll dazu geführt haben, dass er ebenfalls konvertierte. Kardinal Nicholas Wiseman taufte ihn 1862 in besagter Kirche.[2] 1874 heiratete Bentley Margaret Fleuss. Aus der Ehe gingen sieben Töchter und vier Söhne hervor, eine Tochter und ein Sohn starben schon in ihrer Kindheit.[3]

Bentley, der in seiner Jugend an einem Architekturwettbewerb teilgenommen, diesen aber nicht gewonnen hatte, mied seitdem Wettbewerbe systematisch. Dadurch entgingen ihm Chancen auf manche Aufträge. Dennoch erregte er Aufmerksamkeit, beispielsweise durch seine Teilnahme an der International Exhibition in London 1862 und durch seine Rolle als einer der Gründer der Guild of St Gregory and St Luke, und wurde schließlich zum bevorzugten Architekten des Kardinals Herbert Vaughan. Dieser beauftragte ihn 1894 als den „besten“ katholischen Architekten Englands mit dem Entwurf für eine neue Kathedrale, die Westminster Cathedral.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Bentley nach zeitgenössischem viktorianischem Geschmack vor allem neogotische Gebäude geschaffen. Eine Ausnahme hatte nur eine byzantinische Monstranz für St Francis in Notting Hill gebildet. Ehe er aber die Westminster Cathedral plante, begab er sich im November 1894 auf eine Studienreise nach Italien. Er besuchte zunächst unter anderem Mailand, Pavia, Pisa, Neapel und Rom. Die Heilige Stadt sagte ihm wenig zu. Er machte sich dann nach Ravenna und Venedig auf und studierte die Kirchen San Vitale und San Marco. Sein nächstes Ziel wäre die Hagia Sophia in Konstantinopel gewesen, doch der Ausbruch einer Cholera-Epidemie verhinderte diesen Teil seiner Reise. Er ersetzte ihn durch intensive Lektüre des Buches The Church of Sancta Sophia, Constantinople von W. R. Lethaby und Harold Swainson, das 1894 erschienen war, und kehrte über Paris nach London zurück. Dort traf er im März 1895 ein.

Westminster Cathedral

Vaughan bevorzugte eigentlich den Stil der frühchristlichen Kirchen, stand jedoch Bentleys Vorliebe für byzantinische Kirchenbauten aufgeschlossen gegenüber. Einen Entwurf mit zwei Türmen lehnte er allerdings mit der Begründung ab, ein Campanile sei genug für ihn. Einer der Vorzüge der Baupläne Bentleys war, dass sie rasch umgesetzt werden konnten, weil man die Kirche aus Backsteinen und Zement errichten konnte. Das Streifendesign aus roten Ziegelsteinen und Portland-Steinen war am Standort der neuen Kathedrale, der Ambrosden Avenue, schon für Wohnhäuser verwendet worden. Einen soliden Unterbau boten überdies die Überreste des alten Gefängnisses an dieser Stelle, wenngleich dadurch die Krypta etwas klein ausfiel. Weder Bentley noch Vaughan erlebten die Fertigstellung der Kathedrale mit: Bentley starb 1902 eines plötzlichen Todes und wurde in Mortlake begraben, nachdem der Trauergottesdienst in Clapham abgehalten worden war. Vaughan, der ein Jahr später starb, wurde zunächst in Mill Hill bestattet. Im Jahr 2005 wurden seine sterblichen Überreste aber in die Westminster Cathedral überführt.[2] Die Innenausstattung der Kathedrale, die Bentley vorgeschwebt hatte, wurde nicht nach seinen Plänen verwirklicht.[4]

Den Bau der Westminster Cathedral führte die Firma Shllitoe and Sons aus Bury St Edmunds aus. Mehr als 12 Millionen Backsteine wurden in den Jahren 1895 bis 1903 für den Bau der 360 Fuß langen und 156 Fuß breiten Kathedrale benötigt. Das Kirchenschiff hat eine Höhe von 109 Fuß und ist damit vier Fuß höher als das der Westminster Abbey und der Campanile ist 284 Fuß hoch. Die Arbeiter, die dieses Werk vollbrachten, wurden auf einer Fotografie festgehalten: Die Schwestern L. N. Knott und M. E. Stephens luden die Männer mindestens einmal zum Nachmittagstee in ihr Heim in Beckenham ein. Diese beiden – protestantischen – Schwestern ließen sich auch, während die Kathedrale gebaut wurde, in Körben zur Turmspitze hinaufziehen, um einen kurzen Gottesdienst mit Predigt, Bibellesung und Gesang zu vollziehen.[2]

Ein Porträt Bentleys, das William Christian Symons geschaffen hat, befindet sich in der National Portrait Gallery. Symons hatte mit Bentley am Design der Mosaiken für die Kathedrale gearbeitet.[3]

Commons: John Francis Bentley – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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