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John Gresham Machen

US-amerikanischer presbyterianischer Theologe From Wikipedia, the free encyclopedia

John Gresham Machen [ˈɡrɛsəm ˈmeɪtʃən][1] (* 28. Juli 1881 in Baltimore, Maryland, USA; † 1. Januar 1937 in Bismarck, North Dakota, USA) war ein US-amerikanischer presbyterianischer Theologe im frühen 20. Jahrhundert. Von 1915 bis 1929 Professor für Neues Testament am Princeton Theological Seminary, führte er einen konservativen Aufstand gegen die modernistische Theologie in Princeton an und gründete 1929 das Westminster Theological Seminary als theologisch konservativ ausgerichtete Hochschule.

John Gresham Machen

Leben

Kindheit und Jugend

Machen wurde in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland geboren. Sein Vater, Arthur Webster Machen (1827–1915), Anwalt in Baltimore, war bei der Heirat 45 Jahre alt, seine Mutter, Mary Jones Gresham (1849–1931), 24 Jahre. Als Brüder sind namentlich Arthur Webster Machen II (1877–1950) und Thomas Gresham Machen (1886–1975) bekannt.[2] Während der Vater zur Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika gehörte, war seine Mutter Presbyterianerin und lehrte ihren Sohn von klein auf den Kleinen Westminster-Katechismus (Westminster Shorter Catechism). Die Familie ging zur Presbyterianischen Kirche in der Franklin Street. Seine Schulbildung wird als privilegiert eingeschätzt, denn er konnte ein privates College besuchen und erhielt eine klassische Erziehung, einschließlich Latein und Griechisch. Obwohl es keine Aufzeichnungen darüber gibt, war es wahrscheinlich die Universitätsschule für Knaben. John lernte auch, Klavier zu spielen.

Frühes Erwachsenenalter

Studienzeit

1898 begann der 17-jährige Machen, an der Johns Hopkins University zu studieren, um seinen ersten Abschluss zu machen. Dies gelang ihm gut genug, um ein Stipendium zu erhalten. Er studierte Altphilologie und war Mitglied der Studentenverbindung Phi Kappa Psi. Machen war ein brillanter Student und wurde daher nach seiner Promotion 1901 in die Gesellschaft Phi Beta Kappa gewählt.

Trotz einer gewissen Unschlüssigkeit bezüglich seiner Zukunft entschied sich Machen 1902, Theologie am Princeton Theological Seminary zu studieren, während er gleichzeitig einen Master of Arts in Philosophie an der Princeton University machte.

Auseinandersetzung mit dem theologischen Liberalismus in Deutschland

1905 weilte er für ein Jahr zu theologischen Studien in Marburg und Göttingen. In einem Brief an seinen Vater gestand er, durch den von Professor Wilhelm Herrmann gelehrten Liberalismus in eine Glaubenskrise gestürzt worden zu sein. Obwohl er enormen Respekt vor Herrmann hatte, führte ihn seine Zeit in Deutschland und seine Beschäftigung mit modernistischen Theologen dazu, den Modernismus abzulehnen und sich die konservative reformierte Theologie noch stärker als bisher zu eigen zu machen. Während seines Studiums in Göttingen wurde er 1906 Mitglied der Schwarzburgbund-Verbindung Burschenschaft Germania.[3]

Vor und während des Ersten Weltkriegs

Princeton 1906–1916

1906 trat Machen als Lehrer für Neues Testament am Princeton Theological Seminary an, nachdem ihm zugesagt worden war, er würde kein Glaubensbekenntnis unterzeichnen müssen. In Princeton stand er unter dem Einfluss von Francis Landey Patton, der Ankläger in einem Gerichtsverfahren wegen Häresie gewesen war, und unter dem Einfluss von B. B. Warfield, den er als den großartigsten Mann beschrieb, den er je getroffen habe. Warfield bestand darauf, dass die richtige Lehre das vorrangige Mittel sei, durch das die Christen die sie umgebende Kultur prägten, und er legte Wert auf eine hohe Anschauung der Heiligen Schrift und die Verteidigung des Supranaturalismus. Es scheint, dass Machen unter ihrem Einfluss seine Glaubenskrise überwand. 1914 wurde er ordiniert und 1915 Assistenzprofessor für Neues Testament.

Zeit des Ersten Weltkriegs

Im Ersten Weltkrieg leistete Machen keinen „konventionellen“ Militärdienst, sondern ging stattdessen mit dem CVJM nach Frankreich, um freiwillige Arbeit in der Nähe und direkt an der Front zu leisten – eine Aufgabe, die er auch nach Kriegsende einige Zeit weiterführte. Obwohl selbst nicht an Kämpfen beteiligt, wurde er aus erster Hand Zeuge der Verwüstungen moderner Kriegführung. Argwöhnisch gegenüber dem Projekt Woodrow Wilsons, eines Freundes der Familie, die Demokratie zu verbreiten, und auch dem Imperialismus gegenüber, war er strikt gegen den Krieg, und als er in die USA zurückkehrte, sah er, dass viele Bestimmungen des Versailler Vertrages „einen Angriff auf den internationalen Frieden und den Frieden unter den Rassen“ bedeuteten: „Krieg wird auf Krieg folgen in einer ermüdenden Abfolge.“[4]

Lehrtätigkeit in Princeton 1918–1926

Nach seiner Rückkehr aus Europa setzte Machen in Princeton seine Tätigkeit als Lehrer für Neues Testament fort. In dieser Zeit erwarb er den Ruf, einer der wenigen wirklichen Gelehrten zu sein, die fähig waren, der wachsenden Vorherrschaft der modernistischen Theologie argumentativ zu begegnen und dabei einen evangelikalen Glaubensstandpunkt einzunehmen. Er gilt als der letzte der großen Theologen Princetons, die seit der Gründung der Akademie im frühen 19. Jahrhundert die sogenannte Princeton-Theologie entwickelt hatten, eine konservative und calvinistische Form evangelikalen Christentums. Im Gegensatz zu den Princeton-Theologen Archibald Alexander, Charles Hodge, A. A. Hodge und B. B. Warfield hatte er jedoch weder eine Dozentenstelle für Theologie noch wurde er je Rektor des Seminars, sondern hatte nur einen Lehrauftrag für Neues Testament.

The Origin of Paul’s Religion (Der Ursprung der Religion des Paulus, 1921) ist vielleicht Machens bekanntestes akademisches Werk. Es kritisiert den modernistischen Glauben, die Religion des Paulus habe hauptsächlich auf griechischer Philosophie beruht und sei von der von Jesus völlig verschieden. Das Buch wurde mehrfach wiederaufgelegt, zuletzt 2010.[5]

Auch in Christianity and Liberalism (Christentum und Liberalismus, 1923) unterzog Machen den theologischen Modernismus einer Kritik. Er verglich das konservative Christentum mit dem zeitgenössischen protestantischen Christentum, wo sich modernistische (oder „liberale“) Theologie größer werdender Beliebtheit erfreute, und schlussfolgerte, dass der „Liberalismus der moderne Hauptgegner des Christentums sei“.

In seinem Buch What is Faith? (Was ist Glaube?, 1925) nahm er sich die pastorale Aufgabe vor, den Glauben in der geschichtlichen Tatsache der Versöhnungstat Christi zu verankern. Die liberale Theologie befand er als anti-intellektuell, insofern sie das Christentum spiritualisiere und als bloßen Ausdruck individueller Erfahrung behandle, wodurch die Bibel und die Glaubensbekenntnisse aller klar umrissenen Bedeutung beraubt würden.

Diese und eine Anzahl anderer Bücher gaben Machen innerhalb der Presbyterianischen Kirche einen festen Platz im theologisch konservativen Lager. Seine Arbeit während der 1920er Jahre war aufgeteilt in seine Zeit in Princeton und sein politisches Wirken mit evangelikalen Presbyterianern.

Trotz seiner konservativen theologischen Überzeugungen konnte Machen sich den populistischen Fundamentalismus nie ganz zu eigen machen. Seine Weigerung, den Prämillenarismus und andere Seiten des fundamentalistischen Glaubens zu akzeptieren, beruhte auf seiner Überzeugung, dass die calvinistische Theologie die biblischste Form christlichen Glaubens sei – eine Theologie, die damals im Fundamentalismus allgemein nicht anzutreffen war. Überdies stand Machens akademische Arbeit und seine Fähigkeit, sich mit modernistischer Theologie auseinanderzusetzen, im Widerspruch zur anti-intellektuellen Haltung vieler Fundamentalisten.

Kontroversen

Zwischen 1924 und 1925 verschlechterte sich die Beziehung zur Fakultät in Princeton, als The Presbyterian die Frage aufwarf, ob es an der Fakultät zwei verschiedene Parteien gebe. Machen räumte ein, dass er mit Charles Erdman Differenzen über die Wichtigkeit der Glaubenslehre habe. Erdman übe Toleranz gegenüber denen, die lehrmäßig im Irrtum seien. Erdman antwortete ihm privat, Moody habe gewusst, „dass Polemiker üblicherweise keine Nachfolger für Christus gewinnen“.

Gründung des Westminster Theological Seminary

1929 beschloss die Generalversammlung, das Princeton Seminary zu reorganisieren, und berief zwei Leute zu Verwaltern, die die Erklärung von Auburn (Auburn Affirmation) unterzeichnet hatten. Diese Erklärung war eine Antwort von Liberalen innerhalb der Northern Presbyterian Church, die die Antwort der Generalversammlung auf die Kontroverse um Harry Emerson Fosdicks Predigt „Shall the Fundamentalists Win?“ („Sollen die Fundamentalisten gewinnen?“) verurteilte. Machen, Cornelius Van Til und einige Kollegen kündigten daraufhin ihre Stellen und gründeten in Glenside bei Philadelphia das Westminster Theological Seminary, um weiterhin „orthodoxe“ („rechtgläubige“) reformierte Theologie treiben und lehren zu können. Hier unterrichtete Machen bis zu seinem Tod 1937 Neues Testament.

Gründung der „Orthodoxen Presbyterianischen Kirche“ (OPC)

1933 war Machen über den Liberalismus beunruhigt, den Presbyterianer auf dem Missionsfeld duldeten. Er rief das Independent Board for Presbyterian Foreign Missions ins Leben. Die nächste presbyterianische Generalversammlung erklärte, dass das Independent Board verfassungswidrig sei, und setzte der beteiligten Pfarrerschaft ein Ultimatum, um ihre Verbindungen abzubrechen. Als Machen und sieben andere Geistliche sich weigerten, wurden sie vom presbyterianischen Pfarramt dispensiert. Die Auseinandersetzung schied Machen von vielen seiner fundamentalistischen Freunde, z. B. von Clarence MacCartney, der sich angesichts einer drohenden Spaltung zurückzog. Schließlich verließ Machen die Northern Presbyterian Church und gründete 1936 eine Kirche, die später als Orthodox Presbyterian Church bekannt wurde.

Francis Schaeffer geht in seinem Buch Die große Anpassung: Der Zeitgeist und die Evangelikalen (The Great Evangelical Disaster, 1984) detailliert auf den Wandel vom theologischen Konservativismus zum Liberalismus in Amerika ein. Er beschreibt, wie Machens „Amtsenthebung“ in den säkularen Medien des Landes Schlagzeilen machte. Schaeffer schlussfolgert: „Man könnte mit Fug und Recht behaupten, dass die Nachrichten über Machen die bedeutsamsten US-Nachrichten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren. Es war der Höhepunkt eines lange anhaltenden Trends zum Liberalismus in der Presbyterianischen Kirche und repräsentierte den gleichlaufenden Trend in den meisten anderen Denominationen“ (S. 35).[6]

Religion und Politik

Machen blickte argwöhnisch auf die Vermischung von Religion und Politik. Versuche, mit politischen Mitteln eine christliche Kultur aufzubauen, betrachtete er als unsensibel gegenüber Minderheiten.[7] Noch mehr war er über den korrumpierenden Einfluss der Politik auf die Christenheit besorgt, und das Social Gospel sah er als warnendes Beispiel. Er war gegen das Schulgebet und Bibellesungen in öffentlichen Schulen. Diese Position implizierte allerdings, dass Christen ihre eigenen Schulen führen sollten.[8]

Der Historiker George M. Marsden beschrieb Machen als „radikal libertär“. Er wehrte sich gegen beinahe jede Ausdehnung staatlicher Macht und nahm zu einer Vielzahl von Themen Stellung. Wie bei den meisten libertär Denkenden ließen sich seine Stellungnahmen nicht in die üblichen Schubladen von „liberal“ oder „konservativ“ einordnen.[9] Der Einrichtung eines nationalen Bildungsministeriums stellte er sich entgegen, indem er vor einem gemeinsamen Ausschuss des Kongresses darauf hinwies, dass die Kontrolle der Kinder durch den Staat die endgültige Opferung der Freiheit bedeute.[10] Er war nicht an sich gegen lokal betriebene öffentliche Schulen, sondern fürchtete den Einfluss materialistischer Ideologie und den Widerstand gegen höhere menschliche Bestrebungen.[11] Er war auch gegen die Prohibition – ein teurer Standpunkt in einer Zeit, als Abstinenz beinahe ein Glaubenssatz unter Protestanten war.[9]

Tod

J.G. Machens Grabstein mit der Aufschrift „Treu bis in den Tod“

Machen hatte beschlossen, im Dezember 1936 einige Vorträge in North Dakota zu halten, zog sich aber dort im außerordentlich kalten Wetter eine Brustfellentzündung zu. Nach Weihnachten wurde er wegen Lungenentzündung hospitalisiert und verstarb am 1. Januar 1937 im Alter von 55 Jahren. Einige Kommentatoren, insbesondere sein Freund Ned Stonehouse, wiesen darauf hin, dass Machens Konstitution nicht gerade stark war und dass er damals ständig mit Aufgaben überlastet war. Kurz vor seinem Tod hatte er noch ein Telegramm an seinen langjährigen Freund und Kollegen John Murray (1898–1975) diktiert, dessen Inhalt seinen lebenslangen Glauben widerspiegelt: „Ich bin so dankbar für den aktiven Gehorsam Christi (the active obedience of Christ). Keine Hoffnung ohne ihn.“[12]

Machen wurde auf dem Green Mount Cemetery in Baltimore begraben, Sektion Walnut 2, Grab 15–16.[13] Sein Grabstein trägt Namen, Titel, Lebensdaten und auf Griechisch den Spruch ΠΙΣΤΟΣ ΑΧΡΙ ΘΑΝΑΤΟΥ (Treu bis in den Tod, aus Offb 2,10, s. Bild rechts). Der Abdankungsgottesdienst fand am 5. Januar 1937 in der Spruce Street Baptist Church in Philadelphia statt; er wurde von Edwin H. Rian, dem Generalsekretär der Presbyterian Church of America, und R. B. Kuiper, dem Professor für Homiletik am Westminster Seminary, geleitet.[14]

Der kirchenkritische Journalist Henry L. Mencken aus Baltimore schrieb im Dezember 1931 einen Leitartikel über Machen[15] und später einen Nachruf mit dem Titel „Dr. Fundamentalis“ (Baltimore Evening Sun, 18. Januar 1937). Obwohl mit Machens Theologie nicht einverstanden, zollte ihm Mencken großen Respekt und brachte seine Bewunderung für dessen intellektuelle Begabung zum Ausdruck. Mencken verglich Machen mit William Jennings Bryan, einem anderen namhaften Presbyterianer, indem er schrieb: „Dr. Machen mit Bryan zu vergleichen ist wie das Matterhorn mit einer Warze zu vergleichen.“[16]

Machens Einfluss ist noch spürbar durch die Existenz der beiden von ihm gegründeten Institutionen: des Westminster Theological Seminary und der Orthodox Presbyterian Church. Außerdem wird sein Basislehrbuch zum neutestamentlichen Griechisch immer noch von vielen Hochschulen verwendet.

Schriften (Auswahl)

Zu den oben im Artikel erwähnten Arbeiten Machens kommen hinzu:

  • The Origin of Paul’s Religion, 1921 (online).
  • Christianity and Liberalism, 1923, ISBN 0-8028-1121-3.
    • Christentum und Liberalismus, 2013.
  • What is faith? 1925.
  • New Testament Greek for Beginners, 1925 (3. Auflage).
  • The virgin birth of Christ, 1930.
  • The Christian faith in the modern world, 1936.
  • The Christian view of man, 1937.
  • God transcendent, Ed. Ned B. Stonehouse, 1949, ISBN 0-85151-355-7 (Predigten).
  • What is Christianity? and other addresses, Ed. Ned B. Stonehouse, 1951.
  • The New Testament: an introduction to its literature and history, Ed. W. John Cook, 1976, ISBN 0-85151-240-2.

Bibliographie

  • Henry W. Coray: J. Gresham Machen: A Silhouette. Grand Rapids 1981, Kregel Publications 1981. ISBN 0-8254-2327-9.
  • L. Gatiss: Christianity and the Tolerance of Liberalism: J.Gresham Machen and the Presbyterian Controversy of 1922-1937. London 2008. ISBN 978-0-946307-63-0
  • D. G. Hart: Defending the Faith: J. Gresham Machen and the Crisis of Conservative Protestantism in Modern America. P & R Publishing, 2003. ISBN 0-87552-563-6
  • J. Gresham Machen: Christianity and Liberalism, Eerdmans, Grand Rapids 1923. ISBN 0-8028-1121-3
  • George M. Marsden: „Understanding J. Gresham Machen“, in: Understanding Fundamentalism and Evangelicalism S. 182–201. Eerdmans:Grand Rapids 1991, ISBN 0-8028-0539-6.
  • Mark Noll: „John Gresham Machen“, in: S. B. Ferguson, D. F. Wright, and J. I. Packer (Hg.), The New Dictionary of Theology. Inter-Varsity Press: Leicester 1988. ISBN 0-8308-1400-0
  • Ned B. Stonehouse: J. Gresham Machen – A Biographical Memoir (3. Aufl.). Banner of Truth Trust: Edinburgh 1987. ISBN 0-85151-501-0.

Einzelnachweise

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