John Lee (Astronom)
Englischer Astronom, geboren 1783
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John Lee (* 28. April 1783 in Totteridge, Hertfordshire; † 25. Februar 1866 in Buckinghamshire) war ein englischer Mathematiker, Amateurastronom, Anwalt und Antiquitätensammler.[1][2]

Leben
John Fiott, der erst später den Namen Lee annahm (s. u.), kam am 28. April 1783 als Sohn des Londoner Kaufmanns John Fiott und dessen Frau Harriet, Tochter von William Lee aus Totteridge (Hertfordshire), zur Welt. Er verwaiste früh, die Mutter starb 1795, der Vater 1797,[3] und wuchs bei seinem Onkel mütterlicherseits William Lee Antonie (1764–1815) auf. Er studierte ab 1802 am St John’s College (Cambridge) und machte 1806 seinen Bachelor-Abschluss, wobei er im Fach Mathematik fünfter Wrangler war.[1] Der Master-Abschluss erfolgte 1809. Im Jahre 1816 erhielt er von der Universität Cambridge den Doktor beider Rechte und am 3. November 1816 trat er der damaligen Juristenvereinigung Doctors’ Commons bei.[1]

1815 nahm er auf Wunsch seines Onkels den Familiennamen Lee an, der Name John Lee wurde am 4. Oktober 1816 per königlichem Erlass bestätigt.[1] Das Erbe seines Onkels umfasste das Colworth-Haus in Bedfordshire und weitere Ländereien.[3] 1827 erbte er von Rev. Sir George Lee, dem sechsten Baron von Hartwell, das Hartwell-Anwesen in Buckinghamshire, westlich von Aylesbury.[3]
John Lee spielte eine wichtige Rolle in der Royal Numismatic Society. Auch wenn er nicht als treibende Kraft in der Gesellschaft galt, so stellte er Räumlichkeiten des Hartwell-Anwesens zur Verfügung, war Gründungsmitglied der Gesellschaft und von 1836 bis 1839 ihr erster Präsident.[4] Auch die British Meteorological Society wurde 1850 auf dem Hartwell-Anwesen gegründet (Royal Meteorological Society erst ab 1866). Lee zählte zu den Gründungsmitgliedern der Gesellschaft und wurde von 1855 bis 1857 zu ihrem Präsidenten gewählt.[5][6]
Lee war zweimal verheiratet, zunächst mit Cecilia Rutter, die 1854 verstarb, und anschließend mit Louisa Catherine, zu deren Herkunft es widersprüchliche Quellenangaben gibt. Demnach könnte es sich um eine Tochter von Richard Ford Heath aus Uxbridge handeln[3] oder um eine Tochter von Robert Wilkinson aus Totteridge.[1] Lee galt als strikter Abstinenzler und verachtete den Tabakgenuss. Ferner befürwortete er das Frauenwahlrecht bei Parlamentswahlen (worauf England allerdings noch bis 1918 warten musste).[1] Er hatte keine Nachkommen und starb am 25. Februar 1866 im Alter von 82 Jahren, das Erbe fiel an seinen Bruder Nicholas Fiott, der später auch den Namen Lee annahm.[3]
Antiquitäten
Ab 1807 bereiste Lee (damals noch Fiott) als Student mittels eines Reisestipendiums der Universität Cambridge mehrere europäische Staaten.[3] Er verbrachte zunächst zwei Jahre in Skandinavien. Ab 1810 begab er sich auf größere Reisen und besuchte zunächst Gibraltar, Malta, Smyrna, Konstantinopel und Griechenland.[7] 1811 verbrachte er drei Monate in Athen in Gesellschaft von George Gordon Byron. Im Mai dieses Jahres brach er nach Ägypten auf, wo er die Gräber in der Umgebung der Pyramiden von Gizeh untersuchte. Nach einer Fiebererkrankung ging es weiter nach Syrien und ins Heilige Land. 1812 kam er nach Aleppo, wo er unter anderem den Orientalisten Johann Ludwig Burckhardt traf. 1812 erreichte die Ionischen Inseln, wo seine Ausgrabungsmethoden auf Ablehnung stießen. 1814 besuchte er Elba und war Zeuge der Ankunft von Napoleon I., der dort sein erstes Exil antrat. Auf dem Weg zurück über Italien und Deutschland ereilte ihn die Nachricht über den schlechten Gesundheitszustand seines Onkels William Lee Antonie und er kehrte sofort nach England zurück.[7]
Auf diesen Reisen hatte er eine beachtliche Sammlung von Antiquitäten zusammengetragen, die er in seinem weiteren Leben ständig ausbaute. Er übergab viele Objekte der Society of Antiquaries of London, deren Fellow er 1828 wurde.[3] Viele dieser Stücke befinden sich heute im Britischen Museum in London. Die im Hartwell-Haus aufbewahrte ägyptische Sammlung wurde 1858 in einem Katalog zusammengestellt[8] und komplett vom Sammler William Tyssen-Amherst aufgekauft.[9] Lee war auch in der British Archaeological Association engagiert und war 1862 dort Präsident.[10]
Astronomie


Lee war naturwissenschaftlich, insbesondere astronomisch interessiert. Zusammen mit dem Admiral William Henry Smyth errichtete er 1830 auf seinem Anwesen direkt am Hartwell-Haus ein Observatorium, das sogenannte Hartwell Observatory mit dem Sternwarten-Code 997, das heute nicht mehr existiert.[3] Smyth hat das Observatorium in seinen „Ædes Hartwellianæ“ eingehend beschrieben.[11] Aus der Bibliothek betrat man einen Vorraum des Observatoriums. Daran schloss sich der sogenannte Transitraum an, in dem ein Passageninstrument (engl. transit instrument) montiert war, und zu guter Letzt folgte ein Kuppelbau mit einem äquatorial montierten Teleskop.[12] Hier entstanden viele Arbeiten von Smyth, aber auch von Norman Robert Pogson bis zu dessen Weggang nach Madras, der in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society über Beobachtungen von Asteroiden wie (12) Victoria[13] und Veränderlichen Sternen am Hartwell-Observatorium berichtete.[14]
Lee selbst hat nur wenig publiziert, sondern trat eher als Förderer in Erscheinung. Er war Mitglied der Royal Astronomical Society, dort von 1831 bis 1840 Schatzmeister und 1861 bis 1863 Präsident. Ferner stiftete er einen Fonds für Witwen und Kinder verstorbener Gesellschaftsmitglieder.[15][16]
Ehrungen
- Am 14. Mai 1824 wurde John Lee zum Fellow der Royal Astronomical Society gewählt.[17]
- Von 1836 bis 1839 war Lee Präsident der Royal Numismatic Society.[4]
- 1838 prägte Alfred Joseph Stothard im Auftrag der Royal Numismatic Society eine Medaille zur Erinnerung an den Gründungspräsidenten John Lee.[18][4]
- Von 1855 bis 1857 war er Präsident der British Meteorological Society.[6]
- In den Jahren von 1861 bis 1863 war er Präsident der Royal Astronomical Society.[16]
- 1862 fungierte er als Präsident der British Archaeological Association.[10]
- Im Jahre 1935 benannte die Internationale Astronomische Union den Mondkrater Lee offiziell nach John Lee.[19]