John Minor Wisdom
US-amerikanischer Anwalt und Richter
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John Minor Wisdom (* 17. Mai 1905 in New Orleans; † 15. Mai 1999 ebenda) war ein US-amerikanischer Anwalt und Richter. Seine Urteile waren maßgeblich für die Entwicklung der Bürgerrechtsbewegung.
Leben
John Minor Wisdom war der Sohn des Versicherungsmaklers Mortimer N. Wisdom und dessen Frau Adelaide Labatt Wisdom. Er ging, wie schon sein früh verstorbener Vater, an die Washington and Lee University, wo er 1925 seinen Abschluss machte. Seine Pläne, daraufhin Anglistik an der Harvard University zu studieren, wurden von fehlenden Kenntnissen in den Alten Sprachen durchkreuzt. Dennoch blieb er an der Harvard, um sich literarisch weiterzubilden. Ein Jahr später setzte er sein Studium an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Tulane University fort. Er gehörte zu den Kritikern Huey Longs, des damaligen Gouverneurs von Louisiana. Aus Protest gegen dessen Führungsstil, den er als diktatorisch empfand, trat er der Republikanischen Partei bei. 1931 heiratete er Charles Stewart „Bonnie“ Mathews, mit der er drei Kinder hatte.[1]
Nach seinem Abschluss 1929 gründete er mit seinem Kommilitonen Saul Stone eine eigene Anwaltskanzlei. 1952 trat Wisdom im Fall Schwegmann v. Calvert Distillers vor dem Obersten Gerichtshof auf. Nebenher dozierte er von 1938 bis 1957 als adjunct professor an der Tulane University. Während des Zweiten Weltkriegs war er lieutenant colonel in der United States Army, wo er sich im Office of Legal Procurement vor allem mit rechtlichen Fragestellungen auseinandersetzte. Gesellschaftlich setzte Wisdom sich als Mitglied der National Urban League gegen die Diskriminierung von Afroamerikanern ein. Er gehörte zu den Anführern der Republikanischen Partei in Louisiana.[2]
Während des Nominierungsparteitags der Republikaner 1952 sicherte Wisdom dem Kandidaten Dwight D. Eisenhower die Stimmen der Delegierten aus Louisiana. Nach dessen Wahlsieg in der darauffolgenden Präsidentschaftswahl berief ihn Eisenhower 1953 zum neugegründeten Committee on Government Contracts, die gegen rassistische Diskriminierung bei der Einstellung von Regierungsangestellten vorgehen sollte. 1957 ernannte ihn Eisenhower als Nachfolger von Wayne G. Borah zum Richter am fünften Bezirk des Court of Appeals, der damals die sechs Bundesstaaten Texas, Louisiana, Mississippi, Alabama, Georgia und Florida umfasste.[1]
In diesem Amt setzte Wisdom sich vor allem mit den rassistischen Jim-Crow-Gesetzen auseinander, die in dieser Zeit zunehmend von der Bürgerrechtsbewegung angefochten wurden. Wisdom stand der Rassentrennung kritisch gegenüber und setzte sich vom Richterstuhl aus für die Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen ein. Zusammen mit seinen Kollegen Richard T. Rives, Elbert P. Tuttle und John R. Brown erklärte er in den nächsten Jahren mehrere Jim-Crow-Gesetze für verfassungswidrig. Damit folgten sie dem Beispiel des Obersten Gerichtshofs, das 1954 im Fall Brown v. Board of Education die Rassentrennung an Schulen für verfassungswidrig erklärt hatte. Beispielhaft für Wisdoms Vorgehen ist der Fall United States v. Jefferson (1966), in dem er erklärte, dass die lokalen Schulverwaltungen aktiv gegen die Diskriminierung von Afroamerikanern vorgehen müssen. Der Staat müsse durch Affirmative Action nach der Diskriminierung vergangener Tage eine Gleichberechtigung herstellen. Im Fall United States v. Louisiana (1965) erklärte Wisdom die literacy tests von Louisiana für verfassungswidrig, da sie dazu dienten, Afroamerikaner von Wahlen auszuschließen. Darüber hinaus ging Wisdom auch gegen den Ku Klux Klan vor. Durch ihre fortschrittlichen Entscheide zogen die Richter des fünften Bezirks oftmals Anfeindungen ihrer Mitmenschen auf sich, die vor allem in den Südstaaten noch über einen längeren Zeitraum an rassistische Denkstrukturen festhielten. Für ihre Karrierechancen wurde das oft zum Verhängnis: So berichtete die Baltimore Sun, dass der republikanische Justizminister John N. Mitchell Wisdom für zu links hielt, um ihn für einen Posten am Obersten Gerichtshof vorzuschlagen. Des Weiteren wurden zwei von Wisdoms Hunden vergiftet.[3]
Oft wurde Wisdom für die literarische Qualität und klare Ausdrucksweise seiner Entscheidungen gelobt. Er versuchte meist, möglichst kurze Sätze mit wenigen clauses zu verfassen. Fremdwörter, Fachsprache und Wieselwörter vermied er. Er sammelte verschiedene Schreibtipps unter dem Titel Wisdom’s Idiosyncrasies.[4]
Wisdom wurde 1993 von Präsident Bill Clinton mit der Presidential Medal of Freedom verliehen, die höchste zivile Auszeichnung in den Vereinigten Staaten. Später benannte der Kongress das John Minor Wisdom Fifth Circuit Court of Appeals Building nach ihm, ein 2015 als National Historic Landmark designiertes Gerichtsgebäude in New Orleans.[5] 1965 wurde er zu einem Mitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt.[6] Seit 1990 verleiht die American Bar Association den John Minor Wisdom Award.[7]
Wisdom verstarb am 15. Mai 1999.[1]
Schriften
- Wisdom’s Idiosyncrasies In: The Yale Law Journal, Band 109 (2000), S. 1273–1278
Literatur
- Biografien
- Jack Bass: Unlikely Heroes. University of Alabama Press, Tuscaloosa, Ala. 1981.
- Jack Bass: Wisdom, John Minor. In: American National Biography. Oxford University Press, abgerufen am 9. Februar 2026 (englisch, Zugriff beschränkt).
- Nachrufe
- Burke Marshall: In Remembrance of Judges Frank M. Johnson, Jr. and John Minor Wisdom In: The Yale Law Journal, Band 109 (2000), S. 1207–1218
- David J. Garrow: Visionaries of the Law: John Minor Wisdom and Frank M. Johnson, Jr. In: The Yale Law Journal, Band 109 (2000), S. 1219–1236
- Robert B. Barnett: John Minor Wisdom: „O Rare“ In: The Yale Law Journal, Band 109 (2000), S. 1261–1265
- Allen D. Black: Judge Wisdom, the Great Teacher and Careful Writer In: The Yale Law Journal, Band 109 (2000), S. 1267–1272
Weblinks
- John Minor Wisdom auf der Website des Federal Judicial Center