John Newson
britischer Entwicklungspsychologe
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John Newson (* 10. Dezember 1925 in London; † 15. Mai 2010) war ein britischer Entwicklungspsychologe und emeritierter Professor der University of Nottingham.[1]
Leben
Er wurde in Süd-London geboren. Seine Eltern zogen nach Chingford in Essex, um näher bei der Familie seiner Mutter und deren Möbelgeschäften zu sein. Seine Onkel, allesamt Handwerksmeister, förderten Johns handwerkliches Können, das ihn neben seinem Studium beschäftigen sollte. Nach dem Besuch der Bancroft's School erwarb er 1948 einen Master-Abschluss in Mathematik und Physik an der Universität London. Sein Studium war durch seinen zweijährigen Dienst als Fernmelder im Royal Corps of Signals im Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Nach einer kurzen Zeit als Statistiklehrer wechselte er zum Psychologiestudium und schloss es 1951 am University College London ab. Als Student im fortgeschrittenen Alter vertiefte er sich in sein Hauptfach sowie in fortgeschrittene Statistik, Philosophie und Anthropologie. Bereits vor seinem Abschluss hatte John eine Assistenzdozentur für Psychologie an der Universität Nottingham erhalten, unter anderem aufgrund seiner statistischen Expertise. Seit 1967 leitete er mit seiner Frau Elizabeth Newson an der Universität Nottingham die Child Development Research Unit. Ab den frühen 1970er Jahren beschäftigte er sich intensiv mit den Ursprüngen des sozialen Verständnisses bei Säuglingen. Er reflektierte über die Rolle der Eltern in der sogenannten Mutter-Kind-Interaktion und verfasste eine Reihe von Aufsätzen darüber, wie die elterliche Behandlung des Säuglings es diesem ermöglichte, sich allmählich an Gesprächen zu beteiligen, was „Intersubjektivität“ beinhaltete. 1975 wurde er zum Lehrstuhlinhaber an der Universität Nottingham ernannt.
Die Newsons leiteten an der Universität Nottingham ein integriertes Ausbildungsprogramm für klinische und pädagogische Psychologen und ihre Forschungseinheit für kindliche Entwicklung zog Besucher aus aller Welt an.
Werk
In Zusammenarbeit mit seiner Frau führte er ein 20-jähriges Forschungsprojekt an ihrer Forschungsstelle für kindliche Entwicklung durch. Diese ethnografische Studie über die Kindheit aus der Perspektive der Eltern basierte auf Interviews mit über 700 Familien, als die Kinder vier, sieben, elf, sechzehn und 22 Jahre alt waren und wurde 1958 anfangs ohne finanzielle Unterstützung initiiert. Sie untersuchten dabei den Einfluss von Faktoren wie sozialer Schicht, Geschlecht und Geburtsort. Elizabeth führte 200 Interviews selbst, die übrigen wurden von Gesundheitsberaterinnen durchgeführt. Seine besondere Aufgabe war die statistische Auswertung der Daten. Obwohl ein Großteil seiner Arbeit aus Videoaufnahmen und statistischen Analysen bestand, war er auch ein begeisterter Schreiner, dessen Liebe zum Entwerfen und Konstruieren von Spielzeug sich in seinem Buch „Toys and Playthings: In Development and Remediation“ widerspiegelt. Er entwarf Spielzeug für Bildungszwecke, wurde Designberater eines Spielzeugherstellers und gründete zusammen mit Elizabeth eine der ersten Spielzeugbibliotheken zur Förderung der Entwicklung von Kindern mit Behinderungen.
Ehrungen/Positionen
- 1974: erster Vorsitzender der Sektion Entwicklungspsychologie der British Psychological Society
Privates
Seine spätere Ehefrau Elizabeth († 2014) lernte er am University College London kennen. Sie heirateten im Sommer 1951 und sie bekamen 1955 ihr erstes Kind, Roger, der an einem Subtyp des Autismus litt und der ihr Interesse an dieser Erkrankung wesentlich beeinflusst hat. Später kamen noch die Tochter Carey and Jo hinzu; alle drei überlebten ihre Eltern. Im Ruhestand widmete sich John verstärkt seinen Leidenschaften, der Tischlerei und dem Segeln, bis ihm die Parkinson-Krankheit diese Hobbys erschwerte.
Publikationen (Auswahl)
- Monografien
- Mit Elizabeth Newson: Toys and Playthings- in Development and Remediation (Psychology Library Editions: Child Development). Routledge, Milton Park 2019, ISBN 978-1-138-50623-7.
- Mit Elizabeth Newson; Peter Barnes; Susan Gregory: Childhood into Adolescence Growing up in the 1970s. Routledge, Milton Park 2018, ISBN 978-1-138-56596-8.
- Mit Elizabeth Newson: Infant Care and Motherhood in an Urban Community. Routledge, Milton Park 2017, ISBN 978-1-351-51264-0.
- Mit Elizabeth Newson: Seven Years Old in the Home Environment (Psychology Library Editions: Child Development). Routledge, Milton Park 2017, ISBN 978-1-351-39146-7.
- Mit Elizabeth Newson: Toys and Playthings: In Development and Remediation (Psychology Library Editions: Child Development). Routledge, Milton Park 2017, ISBN 978-1-138-50623-7
- Mit Elizabeth Newson: Four years Old in an Urban Community. Routledge, Milton Park 2013, ISBN 978-0-415-86470-1.
- Mit Elizabeth Newson; Wendy Prevezer; Phil Christie; Susie Chandler; Pamela Venus: First Steps in Intervention with Your Child with Autism: Frameworks for Communication. Jessica Kingsley Publishers, London 2009, ISBN 978-1-84642-943-9.
- Dänische Ausgabe; Mit Elizabeth: Legetøj og legeting. Nyt Nordisk Forlag Arnold Busck, 1980, ISBN 87-17-02812-4
- Mit Tony Hipgrave: Getting through to your Handicapped Child: A Handbook for Parents, Foster-Parents, Teachers and Anyone Caring for Handicapped Children. Cambridge University Press, Cambridge 1983, ISBN 978-0-521-27056-4.
- Mit Elizabeth Newsom: Perspectives on School at Seven Years Old. Allen and Unwin, London, 1977, ISBN 978-0-04-136017-2.
- Mit M. L. Mathews: Language of Basic Statistics. Prentice Hall Press, Hoboken 1971, ISBN 978-0-582-41035-0.
- Mit Elizabeth Newson: Infant Care in an Urban Community. Routledge, Milton Park 1969.
- Mit Elizabeth Newson: Four Years Old in an Urban Community. Allen and Unwin Ltd, London, 1968, ISBN 978-0-14-021206-8.
- Mit ElizabethNewson: Patterns of infant care in an urban community. Penguin, Harmondsworth 1965.
- Herausgeberschaften
- Mit Elizabeth Newson: Perspectives on School at Seven Years Old (Routledge Library Editions: Education). Routledge, Milton Park 2012, ISBN 978-1-136-66940-8.
- Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
Weblinks
- Matthew Reisz: John Newson, 1925–2010 auf Times Higher Education vom 22. Mai 2015, abgerufen am 29. November 2025.