John Smith (Politiker, 1938)
britischer Politiker, der Vorsitzender der Labour Party war
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John Smith (* 13. September 1938 in Ardrishaig, Argyll and Bute; † 12. Mai 1994 in London) war ein britischer Politiker. Von Juli 1992 bis zu seinem unerwarteten Tod im Mai 1994 war er Parteichef (Leader) der Labour Party.

Leben
Smith wurde in Schottland geboren und besuchte in Dunoon die Schule, bevor er an der Universität Glasgow Rechtswissenschaften studierte. Während seiner Zeit an der Universität wurde er Sieger des vom Observer veranstalteten Debattierwettbewerbs. Bis zu seiner Wahl in das Parlament 1970 als Abgeordneter für North Lanarkshire arbeitete er als Anwalt.
Während der Labour-Regierung in den 1970er Jahren setzte er sich im Unterhaus sehr dafür ein, die Regierungen für Schottland und Wales von Großbritannien abzukoppeln. Zwischen 1978 und dem Sturz der Labour-Regierung 1979 war er Handelsminister.
Trotz seines ruhigen, bescheidenen Auftretens und seiner gemäßigten politischen Standpunkte galt er als witziger und oft bissiger Redner. Im Jahr 1988 erlitt er – er war damals der führende finanzpolitische Experte der Opposition – einen Herzinfarkt und nahm in der Folge stark ab, um gesünder zu leben.
Smith war ein Vertreter des traditionellen Flügels von Labour. Im Wahlkampf 1992 stand er für den Slogan one more heave („nur noch eine Anstrengung“), die Kritiker polemisch als „abwarten und nichts tun“ (sondern sich auf die Schwäche der Konservativen verlassen) deuteten. Ursprünglich stammt der Begriff des one more heave von Jeremy Thorpe (1974); eben dieser Slogan wurde 2017 in abwertender Absicht auf die Politik Jeremy Corbyns übertragen. Die „Modernisierer“ der Labour-Partei um die beiden späteren Premierminister Gordon Brown und Tony Blair wollten diese Ausrichtung verhindern.
Die überraschende Niederlage Labours bei den Wahlen am 8. April 1992 wurde vor allem Smith in die Schuhe geschoben, dennoch wurde er anschließend als Nachfolger Neil Kinnocks zum Vorsitzenden von Labour gewählt. Smiths Misserfolg bei den Wahlen wurde von vielen Beobachtern mit der Forderung in Verbindung gebracht, den Spitzensteuersatz von 40 auf 50 % zu erhöhen (sog. Labour’s tax bombshell), während gleichzeitig die Konservativen die Einkommensteuer während der damaligen starken Rezession um 20 % senken wollten.[1] Blair und Brown hatten hingegen diese Forderung ihrer Partei kritisiert, und beide vermieden später derartige Diskussionen.
Während seiner kurzen Zeit als Vorsitzender der Labour Party schaffte Smith das Recht der Gewerkschaften ab, auf Parteitagen der Labour Party als „Block“ abzustimmen (voting bloc), und setzte den Grundsatz durch „one member, one vote“ (ein Mitglied, eine Stimme). Während seiner Amtszeit lag Labour in Meinungsumfragen bemerkenswert weit vor den Konservativen. Er regelte, dass eine zukünftige Labour-Regierung, ein Schottisches Parlament einrichten würde, was Tony Blair als sein Nachfolger auch umsetzte.
Smiths plötzlicher, früher Tod bahnte Blair (damals Schatteninnenminister) den Weg zur Macht; mit Gordon Brown vereinbarte er im Granita Deal ein gemeinsames Vorgehen und wurde im Juli 1994 zu Smiths Nachfolger als Parteivorsitzender gewählt.

Smith wurde auf der heiligen Insel Iona mit einer Sondererlaubnis beigesetzt. In ehrendem Andenken benannte Labour seine Parteizentrale in der Walworth Road in John Smith House um.
Nachwirkung
Auch wenn Smith bereits 1988 einen schweren Herzinfarkt erlitten hatte, gab es nach seinem Tod in Teilen der britischen Bevölkerung eine große emotionale Erschütterung, die in geringerem Umfang der öffentlichen Anteilnahme entsprach, die drei Jahre später Prinzessin Dianas überraschendem Tod folgte. Teilweise weinten die Abgeordneten im Unterhaus. Infolge dieser Emotionalität war eine Diskussion über Smiths Politik und Vermächtnis in den folgenden Jahren schwierig. Deutsche Medien nahmen nur in geringem Maße von Smith Kenntnis.
Seit Blair Smiths Nachfolger als Parteichef wurde, wurde Smith wegen des Kontrasts zwischen seinem traditionellen Ansatz und Blairs Führungsanspruch zu New Labour zu einer Ikone der Parteilinken. Die Frage, ob Smith Labour zu einem solchen fulminanten Wahlsieg wie Blair hätte führen können, bleibt weiter strittig.
Nach Smiths Tod wurde der John Smith Memorial Trust gegründet, der zusammen mit dem British Council und dem Ministerium für Verfassungsangelegenheiten das John Smith Fellowship Programme verwaltet.[2] Das Stipendium ermöglicht jungen Führungskräften aus dem Ausland ein Praktikum in der britischen Politik.