John Stanley Blenkinsop
englischer Eisenbahnpionier
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John Stanley Blenkinsop, zumeist John genannt, (geboren am 26. Mai 1813 in Felling, bei Newcastle upon Tyne; gestorben am 19. Mai 1884 in Braunschweig) war ein englischer Eisenbahnpionier, der nach Deutschland emigrierte.
Leben
Blenkinsop war ein Sohn des Bergingenieurs John Blenkinsop (1783 – 22. Januar 1831),[1] der als Geschäftsführer für die Middleton-Kohlengruben bei Leeds für die Familie Brandling tätig war.[2] Sein Vater ließ durch den Ingenieur Matthew Murray für diese Gruben Lokomotiven bauen, die mit Hilfe von Zahnrädern in der Lage waren, schwere Lasten über glatte Schienen zu transportieren.[3]
Er besuchte in Newcastle upon Tyne eine Schule, die auch der etwas ältere Robert Stephenson absolviert hatte. Als er volljährig war, stellte er einen Aufnahmeantrag bei der Vereinigung “The Friendly United Mechanics” oder “Friendly Union of Mechanics”, die ihn als Mitglied annahm. In England wurden im Jahr 1837 zwei Lokomotiven der Achsfolge 1A1 für die Herzoglich Braunschweigische Staatseisenbahn hergestellt, die in zerlegtem Zustand verschifft, dann auf Fuhrwerke verladen und vor Ort zusammengebaut werden sollten. Diese Aufgabe wurde Blenkinsop übertragen und er trat mit einem in Deutsch und Englisch ausgeführten Vertrag die Reise von Liverpool aus an, um sich in braunschweigische Dienste zu begeben. Die Teile für die Lokomotiven stammten aus der Lokomotivfabrik Forester in Liverpool und kosteten je 15.000 Taler.
Herzog Wilhelm übertrug Blenkinsop die technische Leitung. Die beiden Dampflokomotiven erhielten die Namen Advance (Fortschritt) und Swift (Schwalbe). 1838 ließ Blenkinsop eine erste Betriebswerkstätte errichten, in der später auch neue Lokomotiven gebaut werden sollten. Am 30. November 1838 eröffnete der Herzog mit der Bahnstrecke zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel die erste Staatsbahn Deutschlands. Anschließend wurde Blenkinsop durch den Herzog eine Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt, die dieser annahm. Er war zunächst staatlicher Eisenbahningenieur und wurde später als Vorstand und Direktor der Braunschweiger Bahnhofswerkstätten angestellt.[4]
Nun begann Blenkinsop mit einer Neukonstruktion einer Maschine mit der Achsfolge 2’A (Dampflokomotive Braunschweig; Dienstgewicht: 12,6 t, gebaut 1843 in der Bahnhofswerkstätte in Braunschweig unter Blenkinsops Leitung). Weitere Lokomotiven ließ er von ortsnahen Firmen wie der Eisengießerei und Maschinenfabrik von Georg Egestorff in Hannover herstellen.[5] Er entwickelte zudem Pläne für Frist- und Reparaturarbeiten, um so in regelmäßigen Zeitabständen Wartungsarbeiten in der Bahnwerkstatt durchzuführen und nicht erst beim Eintritt eines Schadfalls kostspielige Reparaturarbeiten ausführen zu müssen. Blenkinsop arbeitete zudem selbst als Lokführer und initiierte auch den Signalbau in Braunschweig.
Als 1845 ein Neubau der Hauptwerkstätte anstand, wurde ihm von Philipp August von Amsberg freie Hand für die Gestaltung gelassen. Er plante zahlreiche Schiebebühnen ein und es wurde gerügt, dass der Bau zu viel Geld kostete. Doch steht sein Name auch in Verbindung mit dem sogenannten „Braunschweiger Renner“, einer Reihe von sehr zuverlässigen Lokomotiven. Blenkinsop blieb auch nach dem Verkauf der Staatsbahn im Jahr 1870 an eine private Braunschweigische Eisenbahngesellschaft und nach der Übernahme 1882 durch die Preußische Staatsbahn im Eisenbahndienst, während seine Direktoriumskollegen von Amsberg und Albert Steigerthal (1804–1883) den Dienst quittierten.[6]
Die von Blenkinsop entwickelte Lokomotive „Braunschweig“ ist auf einem Silberpokal zu sehen ist, der im Jahr 2014 im Braunschweigischen Landesmuseum ausgestellt wurde. Bereits im Jahr 2008 hatte die Braunschweiger Zeitung in einem Beitrag über den Eisenbahnpionier und den Pokal berichtet.[7]
Familie
Blenkinsop war seit 1844 mit Elisabeth (geborene Richter, † um 1892) verheiratet, einer Tochter eines Meisters aus der Lackwarenfabrik Stobwasser. Das Paar hatte Kinder.
Er wohnte unter anderem von 1839 bis 1844 in der Güldenstraße 545 und von 1845 bis 1855 oder 1856 mit seiner Familie am alten Michaelistor 563. Anschließend wohnte er bis zu seinem Tod am Bahnhof. Seine Witwe war von 1885 bis 1892 am Steintore 3 gemeldet, danach gab es in den Braunschweiger Adressbüchern keine weiteren Einträge zu diesem Familiennamen.
Er genoss hohes Ansehen und sein Grab wurde als Ehrenbürger bis ins Jahr 1956 von der Stadt Braunschweig gepflegt. Am 1. Dezember 1988 wurde im Beisein von drei seiner Nachkommen von der Deutschen Bundesbahn mit dem Museumstriebwagen VT 08 eine Sonderfahrt von Braunschweig nach Vienenburg durchgeführt, um an das 150-jährige Jubiläum der ersten deutschen Staatseisenbahn Braunschweig-Wolfenbüttel zu erinnern.[8]
Schriften (Auswahl)
- Über das Lokomotivsystem Behne & Kool, zur Erzielung einer rationellen Steinkohlenheizung, und über eine für die Herzogl. Braunschweigische Eisenbahn nach diesem Systeme erbaute Lastzuglokomotive „Bruno“. In: Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens. 17. Jahrgang, Heft 1, Kreidel’s Verlag, Wiesbaden 1862, S. 9–23 (babel.hathitrust.org).
- Über Einrichtungen zur Verhütung von Betriebsstörungen beim Bruche von Schiebestangen und zur Beseitigung des Speiens der Lokomotiven. In: Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens. 18. Jahrgang, Heft 1, Kreidel’s Verlag, Wiesbaden 1863, S. 222–224 (babel.hathitrust.org).
Literatur
- Wilhelm Clauss: Die erste Dampfwagenfahrt auf der Braunschweigischen Eisenbahn. Zur Erinnerung an Mr. John Blenkinsop †. In: Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen. 24. Jahrgang, Nr. 42. Berlin 28. Mai 1884, S. 541–542 (Textarchiv – Internet Archive).
- Wilhelm M. Wunderlich: Blenkinsop, John Stanley. In: Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. hrsg. im Auftrag der Braunschweigischen Landschaft e. V. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8, S. 67–68.