Johnny Kitagawa
japanischer Unternehmer und Geschäftsmann
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John Hiromu Kitagawa, japanischer Name: Hiromu Kitagawa (japanisch 喜多川 擴 Kitagawa Hiromu; * 23. Oktober 1931 in Los Angeles, Kalifornien; † 9. Juli 2019 in Shibuya, Tokio), auch bekannt als Johnny Kitagawa (ジャニー喜多川 Janī Kitagawa), war ein japanischer Geschäftsmagnat, Talentsucher, Promoter und Musikproduzent.
Er war Gründer der Talentagentur Johnny & Associates, die zahlreiche Boygroups hervorbrachte, welche zu den kommerziell erfolgreichsten Künstlern des Landes avancierten. Zu den von Kitagawa gegründeten und produzierten Boybands zählen unter anderem Arashi, Hey! Say! JUMP, Kanjani8, KAT-TUN, NEWS, SMAP, Tanokin Trio und V6. Zu Lebenszeiten wurde er als eine der mächtigsten Persönlichkeiten der japanischen Unterhaltungsbranche beschrieben, die über 40 Jahres lang ein virtuelles Monopol zur Gründung von Boygroups in Japan führte.[1] Kitagawa ist Erfinder des Idol-Trainingssystems, in der junge Menschen von seiner Talentagentur unter Vertrag genommen und so lange ausgebildet werden bis diese für ein professionelles Debüt infrage kommen. Dieses System wurde von anderen Idol-Kulturen übernommen. Johnny Kitagawa hält die Weltrekorde für die meisten Nummer-eins-Künstler, die meisten Nummer-eins-Singles und die meisten Konzerte, die von einer Einzelperson organisiert wurden.[2]
Zwischen 1988 und 2000 war Kitagawa im Mittelpunkt zahlreicher Anschuldigungen, dass er seine Machtposition gegenüber seinen vertraglich gebundenen Talenten ausgenutzt habe, um diese sexuell zu missbrauchen. Obwohl bezüglich dieser Anschuldigungen nie offiziell angezeigt wurde, erhielten diese im Jahr 2023 – vier Jahre nach Kitagawas Tod – eine breitere und internationale Aufmerksamkeit nachdem eine Dokumentation des britischen BBC im Fernsehen gezeigt wurde.[3][4]
Leben
John Hiromu Kitagawa wurde am 23. Oktober 1931 als drittes von vier Kindern in Los Angeles, Kalifornien geboren und besitzt aufgrund dessen die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.[5][6] Sein Vater, Taido Kitagawa, war zwischen 1924 und 1933 ein buddhistischer Priester im Koyasan Buddhist Temple in Little Tokyo, Los Angeles.[7] Er hatte eine ältere Schwester namens Mary Yasuko Fujishima.[8]
Im Jahr 1933 wurde er mit seiner Familie nach Japan deportiert.[9] 1947 kehrte er nach Los Angeles zurück und besuchte das Collage. Nebenbei arbeitete er am Theater und weckt so ein erstes Interesse am Showgeschäft. 1952 ging er zurück nach Japan, wo er als US-amerikanischer Staatsbürger in die US Army eingezogen wurde.[6] Für das Militär unterrichtete Englisch für Waisenkinder aus dem Korea-Krieg.[8] Danach arbeitete Kitagawa einige Zeit lang für die US-amerikanische Botschaft in Japan. Als er eines Tages im Jahr 1962 durch den Yoyogi Park in Tokio spazieren ging, traf er auf eine Gruppe Jugendlicher die Baseball spielten. Er formierte diese Jugendlichen zu einer Boygroup und agierte als deren Manager. Die Gruppe erhielt den Namen Johnnys (ジャニーズ Janīzu).[1][10]
Mit der damals neuartigen Formel junge, attraktive Künstler pouläre japanische Lieder singen zu lassen und dazu koordiniert zu tanzen, erreichten die Johnnys einen messbaren Erfolg in Japan. Die Gruppe war die erste Boygroup Japans und setzten den Maßstab für spätere Gruppen, die Kitagawa gründen und produzieren sollte.[1] Der Begriff „Johnnys“ wurde zu einem Synonym für alle Gruppen, die bei Kitagawas Unternehmen Johnny & Associates unter Vertrag standen.[1] Kitagawa machte einen Bachelor-Abschluss in International Studies an der Sophia-Universität in Tokio.
Kitagawa, der sich stets der Öffentlichkeit fern hielt, starb am 9. Juli 2019 im Alter von 87 Jahren an den Folgen einer Subarachnoidalblutung, die er am 18. Juni 2019 erlitt, in einem Krankenhaus in Tokio.[11][12] Zu seinen Ehren wurde am 4. September gleichen Jahres ein Abschiedskonzert im Tokyo Dome ausgetragen, bei dem mehr als 150 Künstler, die bei Johnny & Associates unter Vertrag standen, auftraten.[3] Nach seinem Tod begann seine gegründete Talentagentur die unter Vertrag stehenden Künstler der Öffentlichkeit zugänglicher zu machen, zum Beispiel durch die Erstellung von offiziellen Social-Media-Profilen.
Karriere
Gründung von Johnny & Associaties
Im Sommer des Jahres 1962 gründete Kitagawa seine Talentagentur Johnny & Associates. Zu Beginn mietete er ein Büro bei Watanabe Productions an, unter dessen Management seine Agentur arbeitete. Seine erste erfolgreiche Gruppe war die 1968 gegründete Boygroup Four Leaves, die in den 1970er-Jahren sieben Jahre hintereinander zum Gesangswettbewerb Kōhaku Uta Gassen des Fernsehsenders NHK eingeladen wurde.[13] Die Gruppe trennte sich 1978 und formierte sich unter Kitagawas Aufsicht im Jahr 2002 neu.[13] Kitagawa rekrutierte, produzierte und managte viele der kommerziell erfolgreichsten Boygroups Japans unter anderem Arashi, Hey! Say! JUMP, Kanjani8, KAT-TUN, KinKi Kids, NEWS, SMAP, Tackey & Tsubasa, Tokio und V6.[1]
Kitagawa konnte seinen Einflussbereich auch auf die Medien wie etwa dem Fernsehen ausbauen, nicht zuletzt weil viele seiner Künstler regelmäßig in unterschiedlichen Fernsehprogrammen zu sehen waren oder eigene Varietyshows moderierten. Darüber hinaus traten Kitagawas Künstler als Werbefiguren auf und waren als Schauspieler in verschiedenen Filmproduktionen im Einsatz.[14][15] Der Erfolg seiner Künnstler führten zu einem Anstieg der Rentabilität und seine Agentur erwirtschaftete mehr als 2,9 Milliarden Yen an Gewinn zum Höhepunkt des „Boyband Booms“.[14] Im Jahr 1997 waren Künstler der Agentur in mehr als 40 Fernsehsendungen und in mindestens 40 Werbespots zu sehen.[14][16] Der Erfolg seiner Talentagentur machte aus Kitagawa einen der reichsten Menschen Japans.[17] Er hält die Weltrekorde für die meisten Nummer-eins-Künstler, die meisten Nummer-eins-Singles und die meisten Konzerte, die von einer einzelnen Person produziert wurden.[2]
Die „Erfolgsformel“
Kitagawa nutzte wiederholt dieselbe Formel in der Entwicklung und Vermarktung seiner Künstler.[18] Die Agentur hielt offene Castingverfahren ab, um potentielle Kandidaten ausfindig zu machen. Das Produktionsunternehmen rekrutierte Jungen ab zehn Jahren in ein Talentpool, welches als Johnny’s Juniors bekannt war. Bewerber, die erfolgreich am Auswahlverfahren teilgenommen haben, wohnten in einem Internat des Unternehmens und besuchten eine vom Johnny & Associates betriebene Schule. Sie wurden nebenbei trainiert um ihr Talent im Showgeschäft in Form von Singen, Tanzen und Schauspielerei zu perfektionieren.[15]
Vielversprechende Talente der Johnny’s Juniors traten mit etablierten Künstlern der Talentagentur auf, wie etwa als Hintergrundtänzer um diese bereits einem Publikum vorzustellen bevor diese in einer möglichen Boygroup debütieren.[1] Auch traten Mitglieder des Talentpools in japanischen Varietysendungen auf, wo sie sangen, tanzten und Comedysketche aufführten, während ihr künstlerisches Training fortgesetzt wurde.[19]
Kitagawa legte den Fokus bei der Ausbildung seiner Talente darauf, dass die späteren Künstler als „vollständige Entertainer“ agieren. Shonentai zum Beispiel veröffentlichte ihre erste Single erst sieben Jahre nach Gründung der Boygroup.[20] In einem 1996 geführten Interview sagte Kitagawa: „Ich mag keine CDs. Sobald eine CD veröffentlicht wurde, musst du diese verkaufen. Du musst nur ein Lied pushen. Du kannst an nichts anderes denken. Das ist für den Künstler schlecht.“[20]
Kitagawas Formel findet in der internationalen Idol-Industrie Anwendung, etwa zur Ausbildung südkoreanischer Idols, wobei die Ausbildung deutlich strenger ist als in Japan.[21][22]
Kontroversen
Zugänglichkeit von Künstlern
Kitagawa hatte eine starke Kontrolle über seine Künstler[1][23], bis zu dem Ausmaß, dass nicht einmal Profilbilder auf der Internetpräsenz seiner Agentur veröffentlicht wurden.[1] Die Künstler waren aufgefordert ein Bild zu repräsentieren, dass gezielt Frauen als Marketingziel ansprechen sollte.[23] Daraus resultierend vermieden die Künstler unter Kitagawas Fittiche, dass Informationen aus dem Privatleben an die Öffentlichkeit gelangen.[23] Kitagawa selbst vermied Auftritte in der Öffentlichkeit und erlaubte kaum fotografiert zu werden und vermied öffentliche Auftritte mit seinen Künstlern.[1][23]
Erst nach Kitagawas Tod änderte Johnny & Associates seine strikte Haltung gegenüber der Öffentlichkeit und machte seine Künstler dem Fans nahbarare, etwa durch die Erstellung von Social-Media-Profilen.[24]
Verhältnis zu den Medien
Kitagawa und seine Talentagentur pflegten vermeintlich Kontakte zu den Massenmedien um möglichst positive Berichterstattung zu generieren, die speziell der Agentur, dessen Künstlern oder Kitagawa selbst dienen während gleichzeitig negative Presse, die dem Unternehmensbild und damit dessen Gewinne schaden könnten, nicht zugelassen wurden.[5][22] So berichteten einige Journalisten, dass Kitagawa verschiedenen Medienformaten damit drohte, seine Künstler aus dem Programm zu nehmen, sollten diese negative Presse verbreiten oder Boygroups konkurrierender Agenturen in ihre Formate einladen.[16][22]
Nachdem die japanische Zeitung Shūkan Bunshun im Jahr 2001 eine zehnteilige Serie von Berichten veröffentlichte, die Kitagawa beschuldigten seine Künstler zu unangemessenem Verhalten zu drängen verklagte seine Agentur Shūkan Bunshun auf Verleumdung.[1][14][16][25] Nachdem das Bezirksgericht Tokio (東京地方裁判所 Tōkyō Chihō Saibansho) im Jahr 2002 zugunsten Kitagawas urteilte und die Zeitung auf eine Zahlung von 8,8 Millionen Yen Schmerzensgeld aufforderte[1][25], wurde diese Strafe im Jahr darauf auf 1,2 Millionen Yen reduziert, mit der Begründung, dass manche Anschuldigungen den Tatbestand der Verleumdung erfüllen, andere aber der Wahrheit entsprechen.[25] Kitagawa fochte die Reduzierung des Schmerzengeldes vor dem Obersten Gerichtshof Japans an. Die Anfechtung wurde jedoch 2004 abgewiesen.[26]
Anschuldigungen
Zu Lebzeiten
Erste Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs kamen Anfang der 1960er-Jahre auf. So soll er Schüler der Shin Geino Gakuin, einer Talentschule in Tokio, sexuell belästigt haben. Im Jahr 1988 beschuldigte das ehemalige Four-Leaves-Mitglied Koji Kita in seinem Buch Hikaru Genji e (光Genjiへ) Kitagawa, eine „Casting Couch“ betrieben zu haben.[1] Im Jahr darauf erhob Ryo Nakatani, ein ehemaliges Mitglied der Johnnys in seinem Werk Johnny’s Revenge (ジャニーズの逆襲 Janīzu no Gyakushū) ähnlich lautende Vorwürfe.[27] Im Jahr 1996 machte Junya Hiramoto öffentlich, dass Kitagawa mit den Jugendlichen Zeit im Internat verbrachte und darauf bestand diesen während der Badezeit den Rücken zu waschen.[1]
Die Anschuldigungen gegen Kitagawa wurde von den japanischen Medien überwiegend verschwiegen. Bekanntheit erreichte eine im Jahr 2001 veröffentlichte Artikelreihe der Zeitung Shūkan Bunshun in der diese aufgegriffen und weitere Beschuldigungen gegenüber Kitagawa öffentlich gemacht wurden, wie etwa die Anstiftung zu unangemessenem Verhalten. So soll Kitagawa seine Schützlinge dazu aufgefordert haben zu rauchen oder Alkohol zu trinken.[1][14][16][25] Weshalb die japanische Medienlandschaft größtenteils über die Vorwürfe schwieg, lag laut einem 2023 veröffentlichten Artikel des Asahi Shimbuns unter anderem daran, dass die Anschuldigungen nicht ernst genommen wurden, da Männer zu dem damaligen Zeitpunkt nicht als Opfer sexuellen Missbrauchs und diese Meldungen schlichtweg als Klatsch betrachtet wurden sowie in der juristischen Niederlage des Shūkan Bunshun vor Gericht.[27] Bis zu der Fernsehpremiere der Dokumentation Predator: The Secret Scandal of J-Pop im Jahr 2023 gab es acht Bücher- und Zeitungsartikel, die sich mit den Vorwürfen befassten.[28]
Nach seinem Tod
Im März 2023 zeigte der britische Sender BBC 2 den Dokumentationsfilm Predator: The Secret Scandal of J-Pop, produziert von Mobeen Azhar. Azhar erforschte unter anderem die öffentliche Wahrnehmung Kitagawas, die zu diesem Zeitpunkt noch sehr positiv ausfiel.[3][29][30] Azhar gab an, den Fall seit Kitagawas Tod im Jahr 2019 zu untersuchen.[3] Während der Produktion der Dokumentation gaben Azhar und Megumi Inman an, dass mit Ausnahme des Shūkan Bunshun kein weiteres Medienunternehmen oder Branchenkenner mit den beiden sprechen wollte. Stattdessen wurde Azhar und Inman mehrfach geraten, keine Dokumentation zu dem Fall zu produzieren.[3][31][32]
Kurz nach Sendung des Dokumentarfilms hielt das ehemalige Johnny-Talent Kauan Okamoto beim Foreign Correspondents’ Club of Japan eine Pressekonferenz ab, in der er angab zwischen 2012 und 2016 selbst mehrfach von Kitagawa sexuell missbraucht worden zu sein und warf dem Management der Talentagentur vor, davon gewusst zu haben.[33] Weiterhin gab Okamoto an, dass während seiner Zeit bei Johnny & Associates zwischen 100 und 200 Teenager zu Kitagawa nach Hause eingeladen wurden und diejenigen zu denen Kitagawa sagte, dass sie „früh ins Bett gehen sollten“ die nächsten seien, mit denen er sexuell verkehrte.[5][34] Am 16. Mai 2023 nahmen Okamoto und Yasushi Hashida, ebenfalls ein ehemaliges Johnny-Talent, an einer Sitzung des Kokkai teil, organisiert von der Konstitutionell-Demokratischen Partei Japans. Auf dieser Sitzung sagte Hashida aus, erstmals von Kitagawa sexuell belästigt worden zu sein als er dreizehn Jahre alt war.[35]
Ab Juli 2023 ermittelte der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen im Missbrauchsfall Kitagawas in dessen Agentur. Sie kamen zum Schluss, dass Kitagawa hunderte Teenager sexuell missbraucht habe, seine Agentur die Fälle nach wie vor nicht anerkenne und kritisierte die Regierung Japans aufgrund ihrer Inaktivität in diesem Fall.[36] Laut dem UN-Bericht liegen die Fälle bis in die 1960er-Jahre zurück mit dem ersten dokumentierten Fall datiert auf den März des Jahres 1965 als Kitagawa noch bei der US-amerikanischen Botschaft in Tokio beschäftigt war.[36] Nachdem eine von Johnny & Associates in Auftrag gegebene Untersuchung zu dem Ergebnis kam, dass Kitagawa zwischen den frühen 1970er-Jahren bis Mitte der 2010er-Jahre regelmäßig und in einem großen Umfang minderjährige Jungen sexuell missbraucht hatte, kündigte die Talentagentur im September 2023 an, die Missbrauchsfälle und dessen Opfer offiziell anzuerkennen.[37][38]
Im Jahr 2024 zeigte der BBC eine Nachfolge-Dokumentation mit dem Titel Our World: The Shadow of a Predator, der den Missbrauchsfall weiterhin beleuchtete.[39] In dieser Dokumentation kamen unter anderem die Witwe eines Opfers, der zwischenzeitlich Suizid begangen hatte, und Noriyuki Higashiyama zu Wort, welcher seit September 2023 Geschäftsführer der Talentagentur ist, die sich in Smile-Up umbenannte.[39] Nach Ausstrahlung der Dokumentation reichte das Unternehmen Beschwerde bei der BBC ein, da sie eine Abänderung von Higashiyamas Aussagen entdeckt habe, die die eigentliche Bedeutung dessen was er sagte verändere. In seinem Brief an die BBC forderte Smile-Up eine Korrektur des betroffenen Interviews sowie eine Entschuldigung des Senders.[40] Die BBC wies die Vorwürfe zurück und schrieb auf ihren Social-Media-Profilen, dass die Dokumentation rigoros vorbereitet und im Einklang mit den Richtlinien des Senders produziert wurde. Herr Higashiyama sei in einem genügenden und akkuraten Maße repräsentiert worden, so der Sender weiter.[41]
Folgen
Umbenennungen und Unternehmenszukunft
Anfang Oktober 2023 wurde angekündigt, dass Johnny & Associates in zwei eigenständige Entitäten geteilt werde: Die existierende Agentur werde in Smile-Up unbenannt und verantwortlich für die Schmerzengeldforderungen der Opfer.[42] Zudem wurde mit Starto Entertainment eine neue Künstleragentur aus der Taufe gehoben.[43][44]
Kitagawas Talentagentur änderte seinen Namen noch im selben Monat.[42] Auch mehrere Boygroups, die bei seiner Agentur unter Vertrag standen vollzogen Namensänderungen, darunter Kanjani8[45], Sexy Zone und Johnny’s West.[46]
Medien und Politik
Anfang September 2023 entfernte Guinness World Records alle von Kitagawa aufgestellten Weltrekorde von seiner Webseite annullierte diese aber nicht, da Kitagawa nie rechtskräftig verurteilt wurde.[47][48]
Mehrere japanische Medienunternehmen veröffentlichten Statements, in denen sie ihre Zurückhaltung über den Skandal zu berichten begründeten und sich entschuldigten.[49][50] Künstler der Agentur Kitagawas wurden von der Teilnahme am 74. Kōhaku Uta Gassen ausgeschlossen.[51] Dennoch kündigten die großen japanischen Medienhäuser an, auch zukünftig Künstler die der neu geschaffenen Agentur Starto Entertainment angehören zu buchen, sofern gewisse Bedingungen erfüllt seien.[52][53][54][55]
Die ehemaligen Johnny-&-Associates-Talente Kauan Okamoto, Yasushi Hashida und Akimasa Nihongi überreichten dem Kokkai am 5. Juni 2023 eine Petition mit knapp 34.000 Unterzeichnern und forderten die Regierung auf, bei der nächsten Sitzung das Gesetz zur Verhinderung von Kindesmissbrauch zu überarbeiten und zu verschärfen.[56] Unter den damaligen gesetzlichen Regelungen konnten lediglich Erziehungsberechtigte wegen möglichem Kindesmissbrauchs verklagt und verurteilt werden[57], Kitagawa trat aber in diesem Falle als Arbeitgeber auf. Der zu diesem Zeitpunkt amtierende Premierminister Fumio Kishida geriet unter anderem aufgrund des Skandals zunehmend unter Druck, sodass das Schutzalter von 13 auf 16 Jahre angehoben wurde.[58]
Klagen
Im Dezember 2024 klagten zwei inzwischen in den Vereinigten Staaten lebende ehemalige Talente vor Bezirksgericht in Clark County, Nevada gegen Smile-Up und Starto Entertainment auf 300 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld. Sie warfen dem damaligen Präsidenten Kitagawa vor, die beiden in den Jahren 1997 und 2002 in einem Hotel in Las Vegas sexuell missbraucht zu haben.[59] Während Smile-Up argumentierte, dass ein US-amerikanisches Gericht in diesem Fall kein rechtskräftiges Urteil sprechen könne, da die Kläger zu dem Zeitpunkt der Taten in Japan lebten, wies die neu geschaffene Agentur Starto Entertainment jegliche Schuld von sich, da diese nicht in den Fällen des sexuellen Missbrauchs durch Kitagawa involviert war.[60][61] Im Februar 2025 klagte Smile-Up gegen die beiden, da diese sich weigerten den Rahmenplan des Unternehmens zur Schmerzengeldzahlung an Opfer der sexuellen Missbräuche zu akzeptieren, wodurch ihre Ansprüche auf Schadenersatz entfalle.[62]
Im Oktober 2024 berichtete die Zeitung Bunshun von einem Fall eines Mannes, der angab von Kitagawa in einem Privatraum des Senders NHK missbraucht worden zu sein als dieser an einem Casting für das Format Shonen Club des Senders teilnahm. Der Mann habe sich zwei mal mit Vertretern von Smile-Up und dessen Anwälten getroffen, konnte aber weder den Tathergang noch den genauen Ort des Geschehens rekonstruieren. Das Unternehmen verweigerte die Zahlung von Schmerzensgeld, da sich Kitagawa zur vermeintlichen Tatzeit nicht in Japan aufgehalten habe und klagte den Mann an.[63] In einer ersten Anhörung vor dem Bezirksgericht Chiba am 10. Februar 2025 erklärten die Anwälte des Beschuldigten, dass dieser bei seiner Aussage bleibe von Kitagawa missbraucht worden zu sein. Da die Taten allerdings zum Zeitpunkt der Anhörung bereits verjährt sind, sei das Unternehmen nicht mehr zu einer Schmerzensgeldzahlung verpflichtet.[64][65]
Insgesamt gingen bis Mitte März 2025 557 Klagen ein, wovon 545 außergerichtlich durch die Zahlung eines Schmerzengeldes beigelegt wurden. Neun Klagen wurden vor einem Zivilgericht verhandelt.[66]