Johnny Weissmuller

US-amerikanischer Schwimmer, Wasserballspieler und Filmschauspieler From Wikipedia, the free encyclopedia

Johann Peter „Johnny“ Weissmuller (getauft auf den Namen János Weißmüller, * 2. Juni 1904 in Freidorf (heute ein Stadtteil von Timișoara), Österreich-Ungarn; † 20. Januar 1984 in Acapulco, Mexiko) war ein US-amerikanischer Schwimmer und Filmschauspieler. Er wurde 1924 und 1928 fünfmaliger Olympiasieger im Freistilschwimmen und war der erste Mensch, der die 100-Meter-Strecke in unter einer Minute schwamm. Nach dem Ende seiner Schwimmlaufbahn wurde er in zwölf Kinofilmen als Tarzan-Darsteller weltweit bekannt.

Schnelle Fakten Persönliche Informationen, Medaillenspiegel ...
Johnny Weissmuller
Persönliche Informationen
Name: Johann Peter Weissmuller
Nation: Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Schwimmstil(e): Freistil
Verein: Illinois Athletic Club
Geburtstag: 2. Juni 1904
Geburtsort: Freidorf, Temeswar
Sterbedatum: 20. Januar 1984
Sterbeort: Acapulco
Größe: 1,91 m
Medaillenspiegel
Olympische Spiele 5 × Goldmedaille 0 × Silbermedaille 1 × Bronzemedaille
Medaillen
Olympische Ringe
 Olympische Spiele
Gold Paris 1924 100 m Freistil
Gold Paris 1924 400 m Freistil
Gold Paris 1924 4 × 200 m Freistil
Bronze Paris 1924 Wasserball
Gold Amsterdam 1928 100 m Freistil
Gold Amsterdam 1928 4 × 200 m Freistil
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Johnny Weissmuller (1970)
Johnny Weissmuller (1924)

Biografie

Kindheit und Jugend

Als Weißmüller sieben Monate alt war, wanderten seine Eltern, die Donauschwaben Petrus Weißmüller (1876–1938) und Elisabeth Kersch (1885–1964),[1] aus dem weitgehend deutschgeprägten Banat im damaligen Österreich-Ungarn in die USA aus, wo sie am 26. Januar 1905 in Ellis Island, New York, ankamen. Die in der Passagierliste als Deutsche mit ungarischer Staatsbürgerschaft geführten Familienangehörigen änderten ihre Namen mit der Einreise, so dass János Weißmüller[2] zu Peter John Weissmuller wurde; der Vater nannte sich Peter Weissmuller.

In der neuen Heimat ging die Familie nach Windber, einer Ortschaft im Somerset County in Pennsylvania, wo der Vater Arbeit im Steinkohlenbergbau fand. Der Schwager der Eheleute, Johann Ott, war bereits 1902 nach Windber ausgewandert und hatte die Atlantiküberfahrt der Familie bezahlt. Am 3. September 1905 wurde hier Johnnys jüngerer Bruder Peter Weissmuller Jr. geboren.

In Windber lebte die Familie einige Jahre, bis sie nach Chicago zog, wo Johnny gemeinsam mit seinem Bruder in einem Viertel der Banater Schwaben aufwuchs. Johnny Weissmuller nahm hier an einigen Jodelwettbewerben teil. Das Jodeln wurde schließlich zur Grundlage des von ihm kreierten Tarzanschreis.

Weissmullers Vater betrieb mit mäßigem Erfolg eine Bar und arbeitete in einer Brauerei, misshandelte des Öfteren die Familie und trennte sich schließlich von ihr. Im Alter von zwölf Jahren verließ Weissmuller die Schule, lebte zeitweise auf der Straße und schlug sich als Liftboy und Page durch. Während seiner Kindheit litt er an verschiedenen Krankheiten; sein Vater äußerte später in einem Radiointerview, dass die Ärzte seinem Sohn keine 30 Lebensjahre gaben. Auf Anraten seines damaligen Arztes begann er mit dem Schwimmen und entdeckte darin seinen sportlichen Ehrgeiz und seine Berufung.

Sportliche Erfolge

Im Alter von 17 Jahren wurde er zum ersten Mal US-Meister über 50 Yards Freistil, noch im selben Jahr schwamm er seinen ersten Weltrekord in 1:27,4 Minuten über 150 Yards Freistil. Als bester Schwimmer seiner Zeit war er auch der erste Mensch, der die 100-Meter-Strecke in unter einer Minute bewältigte: Am 9. Juli 1922 stellte Weissmuller in Alameda (Kalifornien) mit 58,6 Sekunden einen neuen Weltrekord über 100 Meter auf.[3] Zu Beginn der 1920er Jahre bildete er seinen eigenen Schwimmstil heraus und übernahm den zuvor von Charles Daniels entwickelten sogenannten „American Crawl“.

In den 1920er Jahren wurde er der ungeschlagene fünffache Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1924 (100 und 400 m Freistil, 4 × 200-m-Freistilstaffel) und 1928 (100 m Freistil und 4 × 200-m-Freistilstaffel). Hinzu kam 1924 außerdem die Bronzemedaille im Wasserball. Da Weissmuller nicht in den Vereinigten Staaten geboren wurde und seinerzeit staatenlos war, durfte er nicht für die USA an den Olympischen Spielen 1924 teilnehmen. Er reiste jedoch mit dem Ausweis seines jüngeren, in den USA geborenen Bruders an und erhielt auf diese Weise die Teilnahmeberechtigung.[4]

Offiziell stellte Weissmuller 51 Weltrekorde auf. Wie viele er tatsächlich schwamm, ist unbekannt, weil er es mitunter versäumte, die Rekordprotokolle einzureichen. Überliefert werden Zahlen wie 67 Weltrekorde. 1965 wurde er für seine herausragenden sportlichen Leistungen in die Ruhmeshalle des internationalen Schwimmsports aufgenommen.

Werbung für Hefte mit Johnny Weissmuller und Eleanor Holm

Filmkarriere

Die Tarzan-Filme

Johnny Weissmuller als Tarzan

Weissmuller war der erste Sportler, der aufgrund seines Erfolgs in den Filmstudios von Hollywood Karriere machen konnte. Zwischen 1932 und 1948 spielte er in zwölf Tarzan-Filmen die Rolle des Urwaldmenschen, die ihn weltbekannt machte. Ihm reichte dafür ein einziger Satz auf der Leinwand:

Tarzan: „Jane. Tarzan. Jane. Tarzan.“

Seine eher mäßige schauspielerische Begabung rechtfertigte Weissmuller mit den Worten: „Das Publikum verzeiht meine Schauspielerei, weil es weiß, dass ich ein Athlet bin.“ Er gilt bis heute als der bekannteste Tarzandarsteller.

Weitere Informationen Jahr, Filmtitel ...
JahrFilmtitelOriginaltitelCo-Darsteller
1932Tarzan, der AffenmenschTarzan the Ape ManMaureen O’Sullivan, Neil Hamilton, C. Aubrey Smith
1934Tarzans VergeltungTarzan and his MateMaureen O’Sullivan, Neil Hamilton, Paul Cavanagh
1936Tarzans RacheTarzan EscapesMaureen O’Sullivan, John Buckler, Herbert Mundin
1939Tarzan und sein SohnTarzan Finds a Son!Maureen O’Sullivan, Johnny Sheffield, Ian Hunter
1941Tarzans geheimer SchatzTarzans Secret TreasureMaureen O’Sullivan, Johnny Sheffield, Reginald Owen
1942Tarzans Abenteuer in New YorkTarzan’s New York AdventureMaureen O’Sullivan, Johnny Sheffield, Charles Bickford
1942Tarzan und die NazisTarzan TriumphsFrances Gifford, Johnny Sheffield, Stanley Ridges
1943Tarzan, Bezwinger der WüsteTarzan’s Desert MysteryNancy Kelly, Johnny Sheffield, Otto Kruger
1945Tarzan und die AmazonenTarzan and the AmazonsBrenda Joyce, Johnny Sheffield, Henry Stephenson
1946Tarzan und das LeopardenweibTarzan and the Leopard WomanBrenda Joyce, Johnny Sheffield, Acquanetta
1947Tarzan wird gejagtTarzan and the HuntressBrenda Joyce, Johnny Sheffield, Patricia Morison
1948Tarzan in GefahrTarzan and the MermaidsBrenda Joyce, George Zucco, Linda Christian
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Jungle Jim

Von 1948 bis 1956 drehte er in der Hauptrolle des Jungle Jim eine weitere sechzehnteilige Filmserie, die ihn als Urwaldherrscher zeigt, und eine gleichnamige Fernsehserie in 26 Episoden.

Weitere Informationen Deutscher Titel, Originaltitel ...
Deutscher Titel Originaltitel Premiere weltweit Premiere Deutschland
Das Geheimnis von Zimbalu Jungle Jim 15. Dezember 1948 16. Oktober 1951
König des Dschungels The Lost Tribe 1. Mai 1949 Januar 1950
Diamantenjagd im Urwald Mark of the Gorilla 12. Januar 1950 9. Februar 1951
Die Dschungelgöttin Captive Girl 27. April 1950 12. September 1952
Buschteufel im Dschungel Pygmy Island 22. November 1950 1951
Hölle am Kongo Fury of the Congo 26. Februar 1951 24. Oktober 1952
Jungle Manhunt 4. Oktober 1951
Schrei aus dem Dschungel Jungle Jim and the Forbidden Land 29. Februar 1952 28. August 1953
Voodoo Tiger 15. November 1952
Retter von Tulonga Savage Mutiny 3. Februar 1953 5. März 1954
Gefangene der Kopfjäger Valley of Head Hunters 29. Juli 1953 16. Juli 1954
Killer Ape 4. Dezember 1953
Urwald in Aufruhr Jungle Man-Eaters 1. Juni 1954 9. April 1955
Cannibal Attack 1. November 1954
Herrscher des Dschungels Jungle Moon Men 1. April 1955 16. August 1955
Devil Goddess 1. Oktober 1955
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Andere Filme und Serien

Vor seiner Karriere als Tarzan war Weissmuller 1925 in dem deutschen Film Wege zu Kraft und Schönheit auf der Leinwand zu sehen.

Der Weltruhm als Tarzan gilt neben fehlenden Schauspielqualitäten allgemein als Grund für das Ausbleiben späterer Rollenangebote. Nach 1956 trat er lediglich in drei weiteren Filmen auf.[5]

Auftritte im Fernsehen

1954, 1956 und 1967 trat er in der The Ed Sullivan Show auf. 1971 hatte man ihm im Aktuellen Sportstudio (ZDF) als Gag einen Schimpansen in die Arme gedrückt, ohne zu wissen, dass Weissmuller Affen hasste. Als er ihn auf dem Arm hatte, biss der Affe zu und pinkelte ihn voll,[6] wobei Weissmuller sich nichts anmerken ließ. Anschließend riss der Affe Weissmullers Frau Maria Baumann die Perücke vom Kopf und warf sie auf den Boden. In der Sendung spricht Weissmüller Deutsch und zeigte damit, dass er seine Deutschkenntnisse bis ins hohe Alter bewahrt hatte.[7]

Privatleben

Weissmuller war fünfmal verheiratet: mit Bobbe Arnst (1931–1933), Lupe Vélez (1933–1939), Beryl Scott (1939–1948), Allene Gates, spätere McClelland (1948–1962) und der gebürtigen Berlinerin Maria Baumann (1963 bis zu seinem Tod 1984). Mit seiner dritten Ehefrau Beryl Scott bekam er drei Kinder: Johnny Weissmuller Jr. (23. September 1940 – 27. Juli 2006), Heidi Elizabeth Weissmuller (31. Juli 1944 – 19. November 1962) und Wendy Anne Weissmuller (* 1. Juni 1942).

Letzte Jahre nach der Filmkarriere und Tod

In den 1970er Jahren musste er erkennen, dass sein Herz den hohen Anforderungen eines ehemaligen Leistungssportlers nicht mehr gewachsen war. In dieser Zeit war er mehrfach stationär in Behandlung, unter anderem wegen eines Bein- und Hüftbruchs. Hinzu kam ein Schlaganfall. Danach war er kurze Zeit in einem amerikanischen Altersheim in Kalifornien (dem Motion Picture & Television Country House and Hospital), verließ es jedoch, weil er sich dort nicht wohlfühlte.

Johnny Weissmuller starb 1984 verarmt in Acapulco nach mehreren Schlaganfällen. Beim Absenken seines Sarges in die Erde ertönte auf Wunsch seiner Frau Maria Baumann der weltberühmte Dschungelschrei. Auf seinem Grabstein in Acapulco steht schlicht: „Johnny Weissmuller 1904–1984“. Inzwischen steht dort auch eine Stele mit einer Gedenktafel. An seinem ehemaligen Haus ist ebenfalls eine Gedenktafel. Baumann starb 2004 im Alter von 83 Jahren ebenfalls in Acapulco und wurde an der Seite ihres Mannes beigesetzt.

Ehrungen

Galerie

Literatur

  • Johnny Weismuller Jr.: Tarzan My Father. ECW Press, Toronto 2002.

Dokumentation

  • Der einzig wahre Tarzan. Regie: Florian Iepan, ARTE, Deutschland, 52 Minuten, 2004.
Commons: Johnny Weissmuller – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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