Josef Burg (Politiker)

israelischer Politiker der Nationalreligiösen Partei (1909–1999) From Wikipedia, the free encyclopedia

Josef Burg (hebräisch יוסף שלמה בורג Josef Schlomo Burg; geboren am 31. Januar 1909 in Dresden; gestorben am 15. Oktober 1999 in Jerusalem) war ein israelischer Politiker und orthodoxer Rabbiner deutscher Herkunft.

Josef Burg (1951)

Leben

Josef Burg war ein Sohn des Weinhändlers Abraham Burg und der Ziwia Stockhammer, er hatte eine Schwester. Er besuchte von 1928 bis 1931 das Rabbiner-Seminar der Israelitischen Synagogen-Gemeinde Adass Jisroel in Berlin und die Universität Berlin. Mit einer Arbeit über Konstitution und Gegenstand im logistischen Neupositivismus Rudolf Carnaps wurde er 1933 an der Universität Leipzig zum Doktor der Philosophie promoviert.

Während seines Studiums in Leipzig engagierte sich Burg in der Misrachi-Bewegung[1] und setzte sich aktiv für die Einwanderung nach Palästina ein.[2] Parallel dazu setzte er sein Studium am Rabbiner-Seminar in Berlin fort und wurde 1938 Rabbiner. Nach den Novemberpogromen 1938 organisierte er nach den Verwüstungen der Synagogen Gottesdienste in Privathäusern und half im Untergrund deutschen Juden bei der Flucht nach England und in die Niederlande.[1] Nach Moses Marx, dem Sohn von Isidor Marx, der von 1918 bis 1939 die Israelitische Waisenanstalt Frankfurt leitete, waren Burg und Marx an der Gründung der Kinder- und Jugend-Alija beteiligt und seien schon lange vor der Pogromnacht mit Duldung der nationalsozialistischen Behörden damit befasst gewesen, außerhalb Deutschlands sichere Orte als Ziele für Kindertransporte zu finden. Das sei im Interesse der Nationalsozialisten gewesen, die daran interessiert waren, Juden auf dem einfachsten Weg aus Deutschland herauszubringen.[3.1]

Im April 1939 begleiteten Burg und Marx einen Kindertransport nach Palästina. Nach der Ankunft am 25. April 1939 Haifa blieb Marx noch für etwa vier Wochen in Palästina und trat dann die Rückreise nach Europa an. Burg dagegen blieb in Palästina.[3.2] Er erhielt ein Forschungsstipendium der Hebräischen Universität Jerusalem.[4] Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging er nach Frankreich und wurde Leiter der in Paris ansässigen mitteleuropäischen Sektion von Misrachi und HaPo’el haMisrachi, die Holocaust-Überlebenden half, Einrichtungen für obdachlose jüdische Kinder gründete und jüdische Kinder aufspürte, die während des Krieges entweder adoptiert oder versteckt worden waren.[2]

Josef Burg heiratete im Jahr 1949 Riva Slonim. Gemeinsam bekamen sie drei Kinder: zwei Töchter sowie den Sohn Avraham Burg. Bei seinem letzten Besuch in der Knesset war er zur Vereidigung seines Sohnes als Sprecher der 15. Knesset anwesend.[5]

Politischer Werdegang

In Israel trat Burg der HaPo’el haMisrachi bei, einer gemäßigt-links religiös-zionistischen Partei. Neben drei anderen religiösen Parteien konnte die Hapoel HaMisrachi auf einer gemeinsamen Liste (Vereinigte Religiöse Front) bei den ersten Knesset-Wahlen 1949 gewählt werden. Die Liste gewann 16 Sitze, und Burg bekam einen Sitz in der Knesset und wurde deren Vizesprecher. In dem von David Ben-Gurion gebildeten Kabinett wurde Burg Landwirtschaftsminister und Minister für Rationierung und Versorgung.[6] Nach dem Bruch der Regierungskoalition wurde Burg bei der neuen Koalitionsregierung nicht berücksichtigt.

Bei den Wahlen 1951 trat die Partei HaPo’el haMisrachi alleine an und gewann acht Sitze. Burg blieb in der Knesset und wurde Gesundheitsminister der dritten Regierung.[7] Während der weiteren Legislaturperiode der zweiten Knesset war Burg als Postminister in der vierten,[8] fünften[9] und sechsten Regierung.[10]

Nach den dritten Parlamentswahlen am 26. Juli 1955 wurde Burg wieder in die Knesset gewählt und bei den Koalitionsverhandlungen wieder Postminister im siebten[11] und achten[12] Kabinett. Das Amt des Postministers behielt er bis zum 1. Juli 1958.

Im Juni 1956 fusionierte die Hapoel HaMisrachi mit ihrem ideologischen Zwilling, der Partei HaMisrachi, zur Nationalreligiösen Partei (NRP, Mafdal). Deren Vorsitzender wurde er im Jahr 1970, als Nachfolger von Chaim-Mosche Schapira, und behielt dieses Amt bis 1986.[13] In jenem Jahr trat er von all seinen Ämtern zurück.[5]

Josef Burg wurde bis zu den Wahlen 1984 (11. Knesset) wieder gewählt. Er übernahm das Amt des Wohlfahrtsminister in der 9.,[14] 10.,[15] 11.,[16] 12.,[17] 13.,[18] 14.[19] und 15. Regierung.[20] In der 15. Regierung übernahm er am 1. September 1970 das Innenministerium vom kurz zuvor verstorbenen Chaim-Mosche Schapira und gab dafür das Wohlfahrtsministerium an Ja’akov-Micha’el Chasani ab.[20] Das Innenministerium leitete er während der 16.,[21] 17.,[22] 18.,[23] 19.[24] und 20. Regierung.[25] Während der 17. Regierung übernahm er am 29. Juli 1975 bis zum 4. November 1975 zusätzlich das Wohlfahrtsministerium. In der 19.,[24] 20.[25] und 21. Regierung[26] war er zudem Religionsminister.

1977 wurde er der Präsident der World Misrachi Bewegung.

Literatur

  • Esriel Hildesheimer, Mordechai Eliav: Das Berliner Rabbinerseminar 1873–1938. Seine Gründungsgeschichte – seine Studenten. Hentrich & Hentrich, Berlin 2008, ISBN 978-3-938485-46-0, S. 83–84.
  • Anne Betten; Miryam Du-nour (Hrsg.): Wir sind die Letzten. Fragt uns aus : Gespräche mit den Emigranten der dreissiger Jahre in Israel. Mitarbeit Kristine Hecker, Esriel Hildesheimer. Gerlingen : Bleicher, 1996, S. 439
  • Burg, Joseph, in: Yaacov Shimoni: Biographical dictionary of the Middle East. New York: Facts on File, 1991, S. 65
  • Burg, Yosef. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. Saur, München 1980, S. 104.

Einzelnachweise

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