Josef Jakob (Betrüger)

Schweizer Hochstapler und Betrüger From Wikipedia, the free encyclopedia

Josef Jakob (* 1947; † 30. Juni 2019)[1] war ein Schweizer Hochstapler und Betrüger. Er erlangte nationale Bekanntheit durch eine Langzeitdokumentation des Schweizer Fernsehens (SRF), die seinen kriminellen Werdegang, seine Haftzeiten und sein Scheitern bei der Resozialisierung über mehr als ein Jahrzehnt begleitete.

Leben und kriminelle Laufbahn

Über die frühe Biographie von Josef Jakob ist wenig bekannt. Er ist in Kloten aufgewachsen, hat dort seine Jugend verbracht. Er wuchs praktisch ohne Vater auf; dieser sei jahrelang im Gefängnis gewesen. Laut seinen eigenen Aussagen war sein Vater selber kriminell; dieser sei ein verurteilter Kinderschänder gewesen. Der Vater hätte aus diesem Grund längere Zeit im Gefängnis verbracht. Josef Jakob hatte nach eigenen Aussagen nach der Schulzeit Wirtschaft studiert. Er war zweimal verheiratet. Beide Male 'lief es schief'. Er war mindestens einmal geschieden und war Vater von zwei Töchtern.[2] Nach seinen eigenen Aussagen sei er erst ab seinem 40. Lebensjahr 'auf die schiefe Bahn' gekommen.[3]

Sein Leben war massgeblich von wiederkehrenden Betrugsdelikten geprägt, für die er insgesamt rund 15 Jahre in verschiedenen Strafanstalten verbrachte, darunter in der Strafanstalt Saxerriet im Kanton St. Gallen.

Jakobs Modus Operandi bestand vorwiegend darin, als Finanzexperte aufzutreten. Er zielte primär auf Kleinanleger ab, denen er hohe Renditen versprach, um sie um ihre Ersparnisse zu bringen. Lange Zeit blieben seine krummen Machenschaften unentdeckt. Erst als er das Betrügen immer leichtsinniger betrieb, erwischte man ihn.[4] Einer seiner bekanntesten Betrugsfälle betraf seinen eigenen (älteren) Bruder, Anton Jakob, den er um dessen gesamtes Pensionskassenguthaben brachte.

Nach einer langjährigen Haftstrafe wurde Jakob im Jahr 2005 entlassen. Entgegen den Auflagen und Vorsätzen zur Resozialisierung wurde er kurz nach seiner Freilassung erneut straffällig. Er gründete eine Firma für Vermögensverwaltung und akquirierte erneut Gelder von Privatpersonen. Bereits im Dezember 2007 wurde er erneut verhaftet, nachdem Geschädigte Anzeige erstattet hatten. Zivilrechtlich wurde er unter anderem zur Rückzahlung von Darlehen verurteilt, die er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erhalten hatte.

Jakob war später, nach den Gefängnisaufenthalten, längere Zeit Sozialhilfebezüger, er musste auch ein Beschäftigungsprogramm machen und zudem ein soziales Programm in seiner damaligen Wohngemeinde Rickenbach im Kt. Thurgau (500 Stunden gemeinnützige Arbeit) absolvieren. Wahrscheinlich etwa ab dieser Zeit hatte er einen Vormund. Mit seinen zwei Töchtern, wie auch mit seinem Bruder, hatte er in späteren Jahren noch Kontakt (allerdings nur wenig); ansonsten wollten die meisten Verwandten nichts mehr mit ihm zu tun haben.[5]

Jakob war mit 63 Jahren Frührentner. Mit 64 erhielt er die Diagnosen Nieren- und Blasenkrebs. Er war bis zuletzt ein starker Zigarettenraucher. Dazu kam ein Herz- und Augenleiden.[6] Er lebte zuletzt in Sirnach, Kt. Thurgau.[7] Josef Jakob verstarb 2019 im Alter von 71 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankungen, in seiner Wohnung.[8] Er starb verarmt, allein und isoliert; an seiner Beisetzung in einem Gemeinschaftsgrab nahmen keine Familienmitglieder teil. Er ist anonym begraben.

Psychologisches Profil

Im Rahmen der medialen Aufarbeitung wurde Jakobs Persönlichkeit von Fachleuten wie dem forensischen Psychiater Thomas Knecht analysiert. Jakob wurde als manipulativ und extrem ich-bezogen beschrieben. Er zeigte kaum Reue für die Schäden, die er seinen Opfern zugefügt hatte, und rechtfertigte sein Handeln oft mit einer elitär geprägten Weltsicht, in der er sich als überlegen darstellte («Ich könnte tagtäglich Millionen verdienen» «Ich habe früher zu den oberen 20'000 gehört»).

Zudem hatte Josef Jakob, laut psychiatrischem Gutachten und Aussagen vom forensischen Psychiater Thomas Knecht, eine «kombinierte Persönlichkeitsstörung»: Erstens eine narzisstische Komponente, zweitens eine Hochgestimmtheit mit übertrieben grossem Optimismus und Siegessicherheit, und drittens eine Tendenz zu Grenzüberschreitung; eine dissoziale Komponente. Dazu käme, dass sein Unrechtsbewusstsein relativ klein gewesen sei und zudem ein «Gambler-Effekt» festzustellen gewesen sei.[9][10]

Jakob selbst nannte sich (vor allem rückschauend) keinen Hochstapler, sondern 'höchstens einen Betrüger' («maximum ein Betrüger»), auch 'Gross-Betrüger'. Er sei machtbesessen und geldgierig gewesen. Laut seinen eigenen Aussagen habe er die 'Brutalität' und Macht-Besessenheit von seinem Vater gehabt; sein Vater sei «von A - Z machtbesessen» gewesen.[11][12][13]

Mediale Rezeption

Josef Jakob wurde durch die Arbeit des Dokumentarfilmers Hanspeter Bäni einem breiten Schweizer Publikum bekannt. Bäni begleitete Jakob über einen Zeitraum von 14 Jahren (von 2005 bis zu seinem Tod 2019). 2008 erfolgte die erste Ausstrahlung im Rahmen der Sendung Reporter unter dem Titel «Der Betrüger – Die schiefe Laufbahn des Josef Jakob». Sie thematisierte seine Entlassung aus dem Gefängnis und den sofortigen Rückfall in alte Muster. 2021 veröffentlichte das SRF posthum den zweiteiligen Dokumentarfilm «Das Leben eines Betrügers». Dieser Film fasste das langjährige Videomaterial zusammen und zeigte Jakobs letzten Lebensabschnitt, seinen körperlichen Verfall und seine grösstenteils uneinsichtige Haltung bis zum Schluss.

Die Dokumentationen wurden von Kritikern positiv aufgenommen, da sie seltene Einblicke in die Denkweise eines Gewohnheitskriminellen und die Schwierigkeiten des Schweizer Justizsystems im Umgang mit nicht-resozialisierbaren Tätern boten.

Nach der Ausstrahlung der Langzeitdokumentation über ihn wurde Jakob unter anderem wegen seiner unkonventionellen Aussprache des Wortes «Business» («Büsney») zum Internet-Meme.[14]

Trivia

In der offenen Strafanstalt Saxerriet im Kanton St. Gallen sei Josef Jakob damals, gemäss Angaben des Dokumentarfilmers Hanspeter Bäni, nicht zu übersehen gewesen: Er hatte demnach einen weisshaarigen Pferdeschwanz, war klein, laut und charismatisch. Jakob war dort zudem Vertreter für die Anliegen der Inhaftierten; im Gefängnis sei er eine Persönlichkeit gewesen, draussen in der Welt aber «ein Gesichtsloser».[15]

Nach seinen eigenen Aussagen habe Josef Jakob früher «in den höchsten Kreisen» verkehrt; wie etwa mit dem ehemaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin, dem früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milošević oder den früheren Schweizer Bundesräten Rudolf Gnägi und Nello Celio. Überprüfen lässt sich dies nicht mehr, da alle genannten Personen gestorben sind.[16][17]

Seiner Eigenwahrnehmung nach gehörte er «zu den Spitzenleuten im Management und in Betriebswirtschaft».

In der letzten Zeit seines Lebens war der Dokumentarfilmer Hanspeter Bäni seine einzige Bezugsperson.[18]

Verschiedene Merchandising-Artikel mit dem Konterfei von Jakob sind bei einem grossen Online-Händler erhältlich. Es existiert zudem ein «Josef-Jakob-Fanclub».[19]

Zwei von Jakobs bekannteren Sprüchen/Zitaten (aus der Filmdokumentation über ihn) sind:

«Sie, ich ha i dem 'Büsney' – das isch min Bruef, das isch mis Chönne!» (Hochdeutsch: «Sie, ich habe in diesem Business – das ist mein Beruf, das ist mein Können!»)[20]

«Ich bi nid en Laie, ich bi nid en Trottel! Ich bi maximum en Betrüger. Aber sicher ken Trottel und Tubel!» («Ich bin kein Laie, ich bin kein Trottel! Ich bin maximum ein Betrüger. Aber sicher kein Trottel und 'Tubel'!»)[21]

Belege

Einzelnachweise

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