Joseph Anton Carl
deutscher Naturwissenschaftler und Mediziner
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Leben
Zunächst ging er zum Seminar im Kloster Benediktbeuern.[1] Nach einer Art Grundstudium in Philosophie, Naturwissenschaft und Theologie im Kloster Weihenstephan (Freising) wechselte Carl an die Universität Ingolstadt, wo er Medizin studierte. 1749 schloss er dieses Studium erfolgreich mit einer Dissertation ab, unter der Anleitung von Johann Jakob Treyling.[1]
Im Anschluss daran unternahm Carl seine Kavalierstour nach Frankreich; mit längeren Aufenthalten in Straßburg und Paris. In Straßburg konnte er sein Wissen in Chemie, Arzneimittellehre und Geburtshilfe erweitern und in Paris besuchte er Vorlesungen.[1] Im Sommer 1753 kehrte er nach Bayern zurück und nahm im darauffolgenden Jahr einen Ruf von Anton von Wolter an die Universität Ingolstadt an. Im Zuge der Reform der medizinischen Fakultät wurde damals erstmals ein Lehrstuhl für Chemie eingerichtet.
In Ingolstadt lehrte er Chemie und Pharmakologie, später auch Physik. Aus seiner Beschäftigung mit dem Medizinalgarten der Universität, den er mit Hingabe betreute, resultierten später seine Vorlesungen in Botanik. Gemeinsam mit dem Gärtner Vitus Bertele unternahm er Exkursionen.[1] Als 1776 Claudius Rousseau die Fächer Chemie und Arzneimittellehre übernahm, lehrte er stattdessen Geburtshilfe.[1] 1784 bemühte er sich vergeblich, um die Einrichtung einer Geburtshilfestation durch die Stadt, die als Unterrichtsstätte hätte dienen sollen.[1]
Er untersuchte die Heilwirkung des Wassers von Bad Sulz im heutigen Peißenberg und dokumentierte dies.[1]
Carl wurde 1759 eines der ersten Mitglieder der von Kurfürst Maximilian III. Joseph 1759 gegründeten Kurbayerischen Akademie.[2] 1763 wurde er in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen.[3]
Schriften (Auswahl)
- Botanisch-medicinischer Garten, worinnen die Kräuter in nahrhafte, in heilsame und in giftige eingetheilet sind. Attenkhover, Ingolstadt 1770 Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Literatur
- Reinhard Heydenreuter: Stiftungen machen Genies. Joseph Anton Carl (1725–1799), der erste Chemiker Bayerns, und die Carl’sche Stipendienstiftung von 1668. In: Konrad Ackermann, Hermann Rumschöttel (Hrsg.): Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Band 68, Heft 2. C.H. Beck, 2005, ISSN 0044-2364, S. 679–690 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).
- Klemens Alois Baader: Das gelehrte Baiern : oder Lexikon aller Schriftsteller, welche Baiern im achtzehnten Iahrhunderte erzeugte oder ernährte. Band 1: A-K. Seidel, Nürnberg 1804 (online).
- Hans-Michael Körner (Hrsg.): Große Bayerische Biographische Enzyklopädie. De Gruyter Saur, Berlin/New York 2005, Reprint 2010, S. 280
- Winfried Müller: Carl, Joseph Anton. In: Karl Bosl (Hrsg.): Bosls bayerische Biographie. Pustet, Regensburg 1983, ISBN 3-7917-0792-2, S. 109 (Digitalisat).
- Crista Habrich: Carl, Joseph Anton. In: Laetitia Boehm et al. (Hrsg.): Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München, Teil 1: Ingolstadt-Landshut 1472–1826; Duncker & Humblot, Berlin 1998, ISBN 3-428-09267-8, S. 62–64