Joseph Glasco
US-amerikanischer Maler, Zeichner und Bildhauer des Abstrakten Expressionismus (1925–1996)
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Joseph Glasco (* 19. Januar 1925 in Pauls Valley, Oklahoma; † 31. Mai 1996 in Galveston, Texas) war ein amerikanischer Maler und Bildhauer, der der Bewegung des Abstrakten Expressionismus zugerechnet wird. Im Jahr 1950 erwarb das Museum of Modern Art (MoMA) in New York eines seiner Werke für die Ständige Sammlung und machte ihn damit zum jüngsten Künstler, dem diese Auszeichnung zuteilwurde.[1] 1952 nahm er an der historischen Ausstellung Fifteen Americans des MoMA teil, die von der Kuratorin Dorothy Canning Miller organisiert wurde und neben Glasco Jackson Pollock, Mark Rothko, Franz Kline und Clyfford Still vereinte.[2]

Leben und Werk
Frühe Jahre
Glasco wurde am 19. Januar 1925 in Pauls Valley, Oklahoma, geboren und wuchs in Tyler, Texas, auf.[1] Er studierte an der Art Students League of New York, wo auch Jackson Pollock und Lee Krasner ausgebildet wurden, sowie an der University of Houston.[1]
Zweiter Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs diente Glasco in der amerikanischen Armee an der Westfront und nahm an der Ardennenoffensive (1944–1945) teil – einer der verlustreichsten Schlachten des Krieges für die amerikanischen Streitkräfte.[1] Für seine Tapferkeit wurde er mit dem Bronze Star ausgezeichnet.
New York und die New York School
1949 ließ sich Glasco in New York nieder. Nach seiner ersten Einzelausstellung in der Perls Gallery im Jahr 1950 erwarb das MoMA das Werk Big Sitting Cat für seine Ständige Sammlung.[1] Durch den filipinisch-amerikanischen Maler und Mäzen Alfonso Ossorio wurde Glasco mit Jackson Pollock bekannt. Ossorio beschrieb Glasco gegenüber Pollock als einen der interessantesten Künstler seiner Zeit.[3]
Paris und Un Art Autre (1952)
1952 besuchte Glasco Paris und zeigte Arbeiten im Studio Paul Facchetti – dem Zentrum der europäischen lyrischen Abstraktion unter dem Kritiker Michel Tapié. Im gleichen Jahr wurde Glasco in Tapités einflussreiches Buch Un Art Autre (Paris, 1952) aufgenommen, gemeinsam mit Pollock, Jean Dubuffet, Willem de Kooning, Mark Rothko, Georges Mathieu und Karel Appel.[4] Im März 1952 fand im Studio Paul Facchetti auch die erste europäische Einzelausstellung von Jackson Pollock statt.[5]
Dorothy Miller und Fifteen Americans
Die Kuratorin Dorothy Canning Miller wählte Glasco für die Ausstellung Fifteen Americans (MoMA, 1952) aus[6] – eine der folgenreichsten Gruppenausstellungen der amerikanischen Kunstgeschichte, die dem Abstrakten Expressionismus internationale Anerkennung verschaffte.[7] Glasco formulierte seine künstlerische Haltung im Ausstellungskatalog wie folgt: „Malerei ist für mich nicht etwas, das ich sehe, sondern etwas, das ich bin. Es gibt kein ‚Sujet'. Ich beginne, und vielleicht ist es eine Landschaft, und meine Landschaften sind Köpfe. Das sind innere Gedanken, die nicht in meinen Augen existieren, sondern in meinem Herzen und meinem Verstand.“[8]
Julian Schnabel und der Film Basquiat (1996)
Glasco verband eine enge Freundschaft mit dem Maler Julian Schnabel, die ihn mit der nächsten Generation des amerikanischen Expressionismus verknüpfte. Schnabel widmete seinen Film Basquiat (1996) Joseph Glasco.[1] Der Film porträtiert das Leben von Jean-Michel Basquiat und wurde mit David Bowie als Andy Warhol verfilmt. Die Widmung an Glasco unterstreicht dessen Bedeutung innerhalb der Kontinuität des amerikanischen Expressionismus: von der New York School der 1950er Jahre bis zur Neo-Expressionismus-Bewegung der 1980er Jahre.
1991 nahm Glasco an der Whitney Biennial teil (2. April – 30. Juni 1991), der bedeutendsten wiederkehrenden Ausstellung amerikanischer Gegenwartskunst. Zu den Mitkünstlern zählten u. a. Julian Schnabel, Jasper Johns, Roy Lichtenstein, Frank Stella, Cy Twombly, Robert Rauschenberg, Cindy Sherman, Bruce Nauman, Joan Mitchell, Chuck Close, Keith Haring und Felix Gonzalez-Torres.[9]
Griechenland und Mittelmeer
Ab etwa 1962 hielt sich Glasco regelmäßig auf Mykonos auf, wo er durch den italienischen Maler Afro Basaldella den Künstler Cy Twombly kennenlernte.[10] Im September 1965 wohnte Glasco gemeinsam mit dem Sammler Stanley Seeger und den Komponisten Samuel Barber und Gian Carlo Menotti einer Aufführung von Verdis Requiem im antiken Theater von Epidauros bei, dirigiert von Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmonikern.[11]
Stil
Das Werk Glascos entzieht sich einfachen Klassifizierungen. Frühe Arbeiten zeigen eine figurative Tendenz, die der surrealistisch-biomorphen Abstraktion von Arshile Gorky und dem frühen Willem de Kooning ähnelt. In seiner mittleren Schaffensphase wandte er sich der gestischen Abstraktion zu. Späte Werke zeichnen sich durch intensive Farbigkeit und emotionale Dichte aus.[1]
Museen (Auswahl)
Werke von Joseph Glasco befinden sich in mehr als 30 internationalen Sammlungen, darunter:[1]
- Museum of Modern Art (MoMA), New York
- Metropolitan Museum of Art, New York
- Whitney Museum of American Art, New York
- Museum of Fine Arts, Houston
- Menil Collection, Houston
- Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D.C.
- Smithsonian American Art Museum, Washington, D.C.
- Art Institute of Chicago
- Los Angeles County Museum of Art (LACMA)
- San Francisco Museum of Modern Art (SFMOMA)
- Yale University Art Gallery
Literatur
- Raeburn, Michael: Joseph Glasco: The Fifteenth American. London: Cacklegoose Press, 2017. ISBN 978-1-61168-854-2.
- Tapié, Michel: Un Art Autre. Paris: Gabriel-Giraud et fils, 1952.