Joseph Oberbauer

From Wikipedia, the free encyclopedia

Joseph Sebastian Oberbauer (bulgarisch Йосеф Себастиан Обербауер oder Йосиф Себастиан Обербауер; * 3. Oktober 1853 in St. Leonhard in Passeier, Tirol, Österreich-Ungarn; † 14. Juni 1926 in Sofia, Zarentum Bulgarien) war ein österreichisch-bulgarischer Ingenieur und Maler. Er wurde durch seine Aquarelle und Zeichnungen bekannt, in denen die Atmosphäre von Sofia sowie vieler weiterer Orte Bulgariens in der Zeit kurz nach Ende der osmanischen Fremdherrschaft festgehalten ist.

Biographie

Eltern und Jugend

Josepf Oberbauer wurde am 3. Oktober 1853 in St. Leonhard in Passeier[1] als einer der beiden Söhne des Beamten Joseph Oberbauer und seiner Frau Anna geboren.[2] Die Gemeinde gehört heute zur italienischen Provinz Bozen-Südtirol. Seine Eltern selbst stammten aus Innsbruck. In seinem Heimatort besuchte er die Grundschule. Um ihren Kindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen, zog die Familie später nach Graz. Dort absolvierte er das Gymnasium mit Auszeichnung. Seine Lehrer erkannten sein künstlerisches Talent und empfahlen ihm, ein Kunststudium aufzunehmen. Sein Vater war jedoch dagegen, so dass Joseph in Graz ein Studium der Ingenieurwissenschaften begann. Seine Freizeit nutzte er weiterhin zum Zeichnen sowie zum Besuch von Ausstellungen. Als er im dritten Studienjahr war, verstarb sein Vater. Joseph musste sein Studium unterbrechen und seinen Lebensunterhalt mehrere Jahre über Privatstunden in Mathematik bestreiten.[2]

Auf Anraten seiner Freunde stellte er seine Aquarelle der Stadt Graz vor. Wenig später informierte ihn der Bürgermeister, dass die zuständige Kommission des Stadtrats den Ankauf seiner Bilder befürwortet hatte.[2] Dieser Erfolg gab ihm den Mut, sich an der Akademie der bildenden Künste in Wien zu inskribieren. Zwei Jahre konnte er dort bei prominenten Lehrern Malerei studieren. Wirtschaftliche Schwierigkeiten zwangen ihn, sein Kunststudium zu unterbrechen. Anschließend arbeitete er einige Zeit als Lehrer. Trotzdem hatte er keine Gelegenheit gefunden, sein Studium abzuschließen.[3]

Aktivitäten als Ingenieur

Das seit 1878 bestehende Fürstentum Bulgarien hatte einen großen Bedarf an Ingenieuren und Technikern. Joseph Oberbauer wandte sein Interesse daher dem jungen Staat zu und zog 1889 nach Sofia.[4] In dieser Zeit arbeitete der aus Graz stammende Kartograph Johann Bartel in der Katasterabteilung der Stadt Sofia. Mit dessen Unterstützung erhielt Joseph Oberbauer dort die Stelle des „Oberzeichners“.[1] Sein Jahresgehalt belief sich auf 480 Lewa. In seiner Position war er mit der Erstellung des Katasterplans der Sofioter Altstadt im Maßstab 1:250 betraut. Er hatte diese Stelle bis zum Abschluss der Arbeiten am 10. Januar 1898 inne.[3] Danach wechselte er in das Technische Büro der Direktion der Eisenbahnen und Häfen über.[3][5] In dieser Zeit erhielt er die bulgarische Staatsangehörigkeit zugesprochen.[5] Bedingt durch einen Personalabbau im Jahre 1921 nahm er wieder eine Stelle bei der Gemeinde Sofia an. Auf dieser blieb er bis zu seien Tode 1926.[3]

Aktivitäten als Künstler

Während seiner Arbeit entdeckte er viele Sujets für seine Bilder: Straßenzüge, Bazare, Wohn- und Geschäftshäuser, Gasthöfe, Kirchen, Klöster, Moscheen und archäologische Stätten. Daneben portraitierte er auch die dort lebenden Menschen, den er eine große Sympathie entgegenbrachte. Er bereiste seine neue Heimat, um ihre Naturschönheiten und Kulturgüter kennenzulernen und zu malen.[5]

Er war auch ein aktiver Teilnehmer am kulturellen Leben Sofias. Im Jahr 1894 illustrierte er zusammen mit Jan Václav Mrkvička und Anton Mitow den Roman „Unter dem Joch“ seines Freundes Iwan Wasow. 1907 beteiligte er sich mit dem Aquarell „Archäologischer Plan der antiken Befestigungsanlagen der Stadt Sofia“ an der Balkan States Exhibition in London.[6]

In höherem Alter unternahm er, von einer seiner Töchter begleitet, eine Reise zur Schwarzmeerküste, um die Städte Warna, Burgas, Sosopol und Nessebăr, das antike Messembria, zu besuchen. In Nessebăr fertigte er zwei Alben mit Aquarellen an. Laut seiner Tochter war er oft betrübt, dass die portraitierten Objekte bald dem Fortschritt zu weichen haben.[5] Ein Teil dieser Bilder wurde veröffentlicht.[7]

Er hatte folgende Arbeitsmethode: Tagsüber war er mit seinem Skizzenblock unterwegs und machte Zeichnungen. Nach dem Abendessen arbeitete er an einem großen Tisch bis ein oder zwei Uhr an den Aquarellen. Er ließ sich gern von seinen Kindern mit einer Tasse Tee oder Kaffee unterbrechen und sprach mit ihnen über die dargestellten Objekte und Personen oder die Erlebnisse des Tages.[5]

Ehe und Familie

Joseph Oberbauer war zweimal verheiratet. Seine zweite Ehe ging er mit der aus Bulgarien stammenden Sabina ein. Sie hatten vier Kinder: den Sohn Joseph (Йозеф) und die Töchter Ekaterina (Екатерина), Frieda (Фрида) und Anna (Анна).[2] Er starb am 14. Juni 1926 in Sofia und wurde auf Kosten der Gemeinde auf dem Sofioter Zentralfriedhof beigesetzt.[3]

Ehrungen

  • Goldmedaille für seinen Beitrag zur Balkan States Exhibition in London (1907)[3]
  • Zivilverdienstorden IV. Stufe (Народен Орден за Гражданска заслуга, IV. степен) (29. September 1921)[1]
  • In der Nähe der Geistlichen Akademie im Sofioter Stadtbezirk Losenez erhielt eine Straße den Namen „Uliza Joseph Oberbauer“ (ул. „Йосеф Обербауер“).[8][9]
  • Ausstellung „Josef Oberbauer - der Oberzeichner von Sofia“ im Stadthistorischen Museum Sofia (1992)[1]
  • Ausstellung „Josef Oberbauer (1854-1926). Veduten von Graz und Sofia“ im Bulgarischen Kulturinstitut in Wien (1992)[1]
  • Stiftung des Oberbauer-Stipendiums am American College of Sofia durch die Familie Gipson aus New York (2008)[10]
  • Ausstellung „Joseph Oberbauer 1854-1926. Die Spuren der Stadt“ („Йозеф Обербауер 1854-1926. Следите на града“) in der Städtischen Kunstgalerie in Sofia (14. September – 17. Oktober 2010)[11][12]

Nachwirkungen

Der hohe künstlerische als auch dokumentarische Wert der Bilder Oberbauers wurde bereits früh erkannt. Das 1928 gegründete Stadtmuseum Sofia öffnete seinen ersten Fond speziell für diese Werke. Zusätzlich wird eine Reihe seiner Bilder in der Städtischen Kunstgalerie bewahrt. 70 seiner Werke werden in einem Saal des neuen Regionalhistorischen Museums im vormaligen Zentralen Mineralbad der Öffentlichkeit präsentiert.[9]

Literatur

  • Friedbert Ficker: Josef Oberbauer (1854-1926). Veduten von Graz und Sofia. Wien. Bulgarisches Kulturinstitut in Wien 1992. 34 S., 14 Schwarzweiß-Abb., Südost-Forschungen, 53, S. 524–525, München 1994.
  • Христо Марков (Christo Markow): София на акварелите на Обербауер, (bulgarisch, Übersetzung: Sofiaa in den Aquarellen von Oberbauer). 25 S., Държавно Издателство „Септември“, Sofia, 1983.
  • Марияна Маринова (Mariana Marinowa): Спомени на дъщерята на Йосеф Обербауер за нейния баща (bulgarisch, Übersetzung: Erinnerungen der Tochter von Joseph Oberbauer an ihren Vater). Електронен бюлетин Регионален исторически музей – София, 2020, 3, S. 21–32, Sofia 2020.
  • Красимира Милчева & Сашка Жечева (Krassimira Miltschewa & Saschka Scheltschewa): Строителите на съвременна България в имената на софийските улици, (bulgarisch, Übersetzung: Die Erbauer des zeitgenössischen Bulgariens in den Namen der Sofioter Straßen). Европа 2001, X, 6, S. 7, Sofia, 2003.
  • Йосеф Обербауер (Joseph Oberbauer): Месемврия/Méssembrie, Оригинални Картини от И. Обербауер. 40 S., Издателство „Ново Училище“ Ив. Площаковъ & Cie, Sofia 1924.
  • The American College of Sofia (Hrsg.): Annual Giving Report 2024–2025. 24 S., American College of Sofia, Sofia 2025.

Galerie

Commons: Joseph Oberbauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI