Julia Hänni
Schweizer Richterin
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Julia Franziska Hänni (* 29. Mai 1977 in Zürich[1]; heimatberechtigt in Neuenegg) ist eine Schweizer Richterin. Seit 2019 ist sie Richterin am Bundesgericht.
Leben und Wirken
Hänni studierte ab 2000 Rechtswissenschaften an der Universität Zürich, wo sie 2005 das Lizenziat (lic. iur. bzw. MLaw) erwarb. Während ihres Doktoratsstudiums war sie von 2006 bis 2010 als wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Staats-, Verwaltungs- und Europarecht von Tobias Jaag an der Universität Zürich tätig. 2009 absolvierte sie einen Forschungsaufenthalt am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg und wirkte als Gastdozentin (Lecturer) am National Hindu Dharma Institute in Denpasar (Indonesien). 2010 war sie zudem Assistentin am Lehrstuhl für Rechtsgeschichte, Rechtssoziologie und Strafrecht von Lukas Gschwend an der Universität St. Gallen.
Im selben Jahr wurde sie in St. Gallen mit der rechtsphilosophischen Schrift Vom Gefühl am Grund der Rechtsfindung: Rechtsmethodik, Objektivität und Emotionalität in der Rechtsanwendung zur Dr. iur. promoviert. Für diese Arbeit wurde sie mit dem Walther Hug-Preis der Universität St. Gallen (2010) sowie dem nationalen Professor Walther Hug-Preis (2012) ausgezeichnet. Von 2010 bis 2012 wirkte sie als wissenschaftliche Oberassistentin am Institut für Europarecht und Lehrbeauftragte an der Universität Freiburg i. Üe.
2012 wechselte sie als Gerichtsschreiberin an das Schweizerische Bundesgericht nach Lausanne. Dort war sie als persönliche Mitarbeiterin von Andreas Zünd, Lorenz Kneubühler und Stephan Haag an der I. und II. öffentlich-rechtlichen Abteilung tätig. Zuständig war sie hier unter anderem für die Gebiete Glaubens- und Gewissensfreiheit, Rechtsgleichheit, öffentliches Wirtschaftsrecht, Ausländerrecht und das Verhältnis von Völkerrecht und Landesrecht. 2013 forschte sie als Global Justice Fellow an der Yale University (USA). Parallel zu ihrer Gerichtstätigkeit nahm sie ab 2013 Lehraufträge an den Universitäten Zürich, Luzern (bis 2016) und St. Gallen (seit 2014) wahr.
Am 1. Oktober 2016 wurde sie von der Universität Luzern zur Assistenzprofessorin ernannt und widmete sich in Forschung und Lehre den Bereichen Öffentliches Recht (mit Schwerpunkt Energierecht), Europarecht und Rechtsphilosophie.[2] Im Juni 2019 wurde Hänni auf Vorschlag der CVP (heute: Die Mitte) durch die Vereinigte Bundesversammlung zur ordentlichen Bundesrichterin an der Zweiten öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichts gewählt.[3] Am 1. Februar 2020 wurde sie von der Universität St. Gallen zur Honorarprofessorin für Rechtsphilosophie ernannt.[4] 2021 schloss sie ihre Habilitation in Luzern mit der Schrift Verfassungsstruktur des Judikativen Rechts ab und erhielt die Venia legendi für die Fächer Öffentliches Recht, Europarecht, Rechtstheorie und Rechtsphilosophie.
Am 1. April 2026 setzte der Bundesrat Hänni auf den Dreiervorschlag zuhanden der Parlamentarischen Versammlung des Europarats für die Nachfolge von Andreas Zünd als Schweizer Richterin beziehungsweise Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR).[5]
Mitgliedschaften
Hänni ist Mitglied der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer e. V. Seit Januar 2023 amtet sie als Präsidentin der Schweizerischen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie (SVRSP).
Publikationen (Auswahl)
- Vom Gefühl am Grund der Rechtsfindung. Rechtsmethodik, Objektivität und Emotionalität in der Rechtsanwendung. Duncker&Humblot, Berlin 2011, ISBN 978-3-428-13548-6 (zugleich Dissertationsschrift).
- mit Tobias Jaag: Europarecht. Die Europäischen Institutionen aus Schweizerischer Sicht. 5. Auflage. Schulthess, Zürich/Basel/Genf 2022, ISBN 978-3-7255-8167-2.
- Verfassungsstruktur des Judikativen Rechts. Zur Präjudizienrezeption als Methodik gerichtlicher Entscheidfindung. Unter besonderer Berücksichtigung der Grundrechte. Dike/Manz/Nomos, Zürich/St. Gallen, Wien, Baden-Baden 2022, ISBN 978-3-03891-431-0, doi:10.3256/978-3-03929-021-5 (zugleich Habilitationsschrift).
- Rechtsphilosophie – in a nutshell. 2. Auflage. Dike, Zürich/St. Gallen 2025, ISBN 978-3-03891-688-8.
Weblinks
- Julia Hänni beim Bundesgericht
- Julia Hänni bei der Universität St. Gallen
- Julia Hänni bei der Universität Luzern