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Juliana de Rothschild

Mitglied der Familie Rothschild From Wikipedia, the free encyclopedia

Juliana, Baroness Mayer Amschel de Rothschild (geborene Cohen 1831 in London; gestorben am 9. März 1877 in Nizza) war ein Mitglied der Familie Rothschild und Philanthropin.

Juliana de Rothschild

Leben

Juliana Cohen wurde 1831 geboren. Sie war die Tochter von Isaac (1770–1844) und Sarah Samuel Cohen (1810–1879) und hatte zwei jüngere Schwestern. Ihre Ausbildung erhielt sie von Gouvernanten und Hauslehrern. Sie besaß ein großes Talent für Sprachen. Sie soll von ihrem Vater einen ausgeprägten gesunden Menschenverstand und eine große Wissbegierde geerbt haben. Ihre Tante war Hannah Barent Cohen (1783–1850), die 1806 den Bankier Nathan Mayer Rothschild (1777–1836) geheiratet hatte. Am 26. Juni 1850 heiratete Juliana Cohen ihren Cousin Mayer Amschel de Rothschild (1818–1874), genannt Muffy, den Sohn von Hannah und Nathan Mayer Rothschild.[1]

Die Große Halle des Herrenhauses; Hannah mit ihrer Mutter Juliana, Aquarell von H. Brewer, 1863

Mayer Amschel de Rothschild kaufte 1850 im Dorf Mentmore ein Anwesen für 12.400 Pfund und ließ darauf von Sir Joseph Paxton sowie dessen Schwiegersohn George Henry Stokes ein Anwesen im jakobethanischen Stil errichten. Das Ehepaar hatte nach der Eheschließung eine Reise durch Großbritannien unternommen und dabei auch zahlreiche Burgen, Schlösser und Anwesen besichtigt, von denen sie sich für ihr eigenes Anwesen inspirieren ließen. Mentmore Towers diente als Landhaus und Ausstellungsraum für die Kunstsammlung des Paares. Es gilt als eines der schönsten Häuser der viktorianischen Ära. Bei der Grundsteinlegung am 31. Dezember 1851 wirkte ihr einziges Kind, ihre Tochter Hannah, die zu dem Zeitpunkt gerade fünf Monate alt war, mit. Das Anwesen konnte 1855 bezogen werden. Wenn sie nicht auf Reisen war, lebte die Familie entweder im Stadthaus in Piccadilly Nr. 107 oder auf dem Landsitz in Mentmore. Auf dem Anwesen wurden große Gesellschaften gegenüber einem ausgewählten Kreis aus Künstlern, Nachbarn, Freunden und Familienangehörigen gegeben, auch der Prince of Wales wurde empfangen und Juliana de Rothschild führte einen gesellschaftlichen Salon.[1]

Philanthropie

Gemeinsam mit ihren Schwägerinnen Louise (1821–1910) und Charlotte (1825–1899) gehörte Juliana de Rothschild dem Damenkomitee an, das den Unterricht an der The Jews' Free School in London beaufsichtigte, einer Schule für die jüdische Gemeinde im Londoner East End, um den Kindern eine Grundbildung zu vermitteln. Die Schule war von Nathan Mayer Rothschild (1777–1836) gegründet worden.[2]

Juliana de Rothschild gründete 1865 in London eine Taubstummenanstalt[3], deren Leitung später ihre Tochter Hannah übernahm, und gehörte einer Bewegung für bessere Ernährung an, welche ihre Tochter später ebenfalls förderte.[4] So gründete Juliana de Rothschild 1864 das „Penny-Dinners“-Programm, um bedürftigen Schulkindern erschwingliche, warme Mittagessen anzubieten.[5]

Für die Bewohner von Mentmore und auch die Personen, die auf dem Anwesen lebten und arbeiteten, wurde Juliana de Rothschild zu einer Patronin, die sich um das Wohlergehen der Menschen kümmerte. Diese philanthropische Haltung gab sie an ihre Tochter Hannah weiter, die nach dem Tod ihrer Eltern das Dorf Mentmore weiter ausbaute und sich vielfältig um die Bedürfnisse der Bewohner kümmerte.[1]

Spätes Leben und Tod

Nach dem Tod von Mayer Amschel de Rothschild im Jahr 1874 erbte sie zusammen mit ihrer Tochter Hannah das Anwesen Mentmore Towers[6] und das Haus in Piccadilly Nr. 107. Ihre Tochter Hannah galt danach als reichste britische Erbin ihrer Zeit und heiratete 1878 den Aristokraten und liberalen Politiker Archibald Philip Primrose, den 5. Earl of Rosebery (1847–1929). Da zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit ihre Eltern bereits verstorben waren, wurde sie von einem Freund der Familie, dem Premierminister Benjamin Disraeli, in die Ehe gegeben. Sie starb 1890 im Alter von 39 Jahren an Typhus.[7] Sie hatten vier Kinder:

Juliana de Rothschild litt in ihren späten Jahren unter rheumatischem Fieber. Auf Anraten ihrer Ärzte unternahm sie, oft in Begleitung ihrer Tochter, Seereisen und starb am 9. März 1877 im Anschluss an eine Kreuzfahrt im Mittelmeer an Bord ihrer Yacht Czarina in Nizza.[8] Mit einem Sonderzug wurde sie über Calais und Dover nach London überführt. Sie wurde neben ihrem Mann auf dem jüdischen Friedhof Willesden in London beigesetzt.[9] In ihrem Nachruf wurde ihr philanthropisches Wirken gewürdigt.[1]

Die Grabstätte wurde im September 2017 in die National Heritage List for England aufgenommen.[10]

Stücke aus ihrer Sammlung, die sich auf Mentmore befunden hatten, befinden sich heute im Besitz der Sammlung des Getty Museums.[11]

Literatur

  • Natalie Livingstone: Die Frauen der Rothschilds: Das unterschätzte Geschlecht der mächtigsten Dynastie der Welt, Quadriga, 2022, ISBN 978-3869951188
Commons: Juliana de Rothschild – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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