Julie Dohmke

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Julie Dohmke, geb. Vogel (* 24. November 1827 in Krefeld; † 30. August 1913 in Leipzig) war eine deutsche Schriftstellerin, Herausgeberin und Übersetzerin. Sie hat als erste Frau Werke von Clemens Brentano, Novalis und anderen Romantikern wissenschaftlich-kritisch ediert.[1]

Leben

Julie Vogel wurde in Krefeld geboren als Tochter von Amalie, geb. Lang (1802–1862) und des bekannten Pädagogen Johann Carl Christoph Vogel (1795–1862), der ab 1832 das Leipziger Schulwesen reformierte und 1857 zum Ehrenbürger der Stadt Leipzig ernannt wurde. Ihre Schwester war die Sängerin und Schriftstellerin Elise Polko. Sie hatte außerdem vier Brüder (u. a. der Afrikaforscher Eduard Vogel und Astrophysiker Hermann Carl Vogel).[2]

Julie Vogel wuchs ab 1832 in Leipzig auf, da ihr Vater dem Ruf der Stadt Leipzig gefolgt war, die Direktion der Leipziger Bürgerschule zu übernehmen. Ihre Mutter war künstlerisch tätig, sie schuf Radierungen, spielte Klavier und sang im privaten Kreis und regte gemeinsames Musizieren mit ihren Kindern an. Auch gab sie ihren Töchtern Elise und Julie ersten Gesangsunterricht.[3] Die Großeltern Julie Vogels väterlicherseits sollen ebenfalls musikalisch gebildet gewesen sein, so spielte ihre Großmutter Christiane Vogel Klavier und Harfe und sang zusammen mit ihrem Mann Ludwig Vogel Duette.[4]

Wie ihre Schwester Elise Vogel wollte sich auch Julie zur professionellen Sängerin ausbilden lassen und hierfür 1849/50 nach Hamburg gehen, um Unterricht bei der Sängerin Johanna Wagner zu nehmen, was ihre Mutter aber ablehnte. Julie blieb im Elternhaus und pflegte ihre Mutter und ihren Vater bis zu deren Tod im Jahr 1862. Der Tod bedeutete einen Einschnitt, da sie nun, unverheiratet, alleinstehend war und für ihren eigenen Unterhalt sorgen musste. Sie verließ Leipzig und ging für vier Jahre nach England, um als Gouvernante in wohlhabenden Familien zu arbeiten, außerdem erwarb sie hier Sprachkenntnisse, die ihr später bei ihren Übersetzungen zugutekamen. Nach Leipzig zurückgekehrt, zog sie als Privatlehrerin in das Haus einer Freundin und gab dort Englisch- und Gesangunterricht. In dem Haus lebte auch der Lehrer Emil Dohmke (1835–1888), den sie 40-jährig 1868 heiratete, die Ehe blieb kinderlos.[5]

Ab Ende der 1850er und auch während ihrer Ehe war Julie Dohmke als Autorin tätig, sie veröffentlichte mehrere Novellen und Erzählungen u. a. für die Allgemeine Moden-Zeitung und Die Gartenlaube. Außerdem arbeitete sie, durch ihre Kontakte zu englischen Autorinnen, erfolgreich als Übersetzerin, u. a. für den Leipziger Verleger Ludwig Wiedemann. Etwa ab den 1870ern war sie auch als Herausgeberin tätig und legte einen Fokus auf Werke der deutschen Romantik. Sie gilt als erste Frau, die eine wissenschaftlich-kritische Edition der Schriften von Clemens von Brentano, Achim von Arnim, Novalis und Friedrich de la Motte Fouqué (im Auftrag des Bibliographischen Institutes Leipzig) herausgab. Sie verwendete kein Pseudonym, veröffentliche aber die Romantiker-Ausgaben der Meyerschen Klassiker-Reihe mit abgekürzten Vornamen „J. Dohmke“. Auch diese Ausgaben waren nach wissenschaftlich-kritischen Kriterien von ihr herausgegeben, so begründete sie z. B. im Vorwort die Textauswahl, verfasste Anmerkungen und gab einleitende Informationen zur Biografie des Autors, zum Werkinhalt und ästhetischen Wert.[6]

Nach dem Tod ihres Mannes im Mai 1888 übereignete sie zusammen mit ihrer Schwägerin Alma Dohmke seine wissenschaftliche Privatbibliothek der Nikolaischule als "Dohmke-Stiftung". Im selben Jahr war sie außerdem Ansprechpartnerin der neu geschaffenen "Stellenvermittlung für geprüfte Lehrerinnen und Erzieherinnen", das in Form von Agenturen tätig war und vom Leipziger Lehrerinnen-Verein ins Leben gerufen worden war, um die Erwerbstätigkeit von Frauen zu unterstützen. Durch ihre private Lehrtätigkeit und soziale Stellung als Tochter eines bekannten Leipziger Pädagogen sowie verwitwete Professorengattin war sie hierfür prädestiniert. Neben ihr arbeitete z. B. auch Auguste Schmidt für die Agenturen des Vereins.[7]

1910 gab Julie Dohmke außerdem mit englischer Übersetzung Arien und Lieder für eine Singstimme mit Violoncell- und Pianofortebegleitung im Leipziger Verlag Peters heraus.[8]

Werke (Auswahl)

Folgende Auflistung orientiert sich an den Angaben bei Manfred Leyh:

Als Autorin

In Allgemeine Moden-Zeitung:

  • 1857 "Eine Erinnerung" (in 3 Fortsetzungen).
  • 1859 "Eine Silvester-Nacht"; "Eine Herzensgeschichte"; "Edith".
  • 1873 "Prinzeßchen Laune".
  • 1875 "Die Ball-Mama"; "Cousine Flora"; "Das Herz vergessen"; "Im ersten Semester".

In Die Gartenlaube:

  • 1862 "Clematis vitalba"; "Eine Reiseerinnerung".

Als Herausgeberin

  • Frauenliebe und Dichterleben. Ein literarisches Album für die deutsche Frauenwelt. Herausgegeben von Dr. Carl Vogel, 2. Auflage, neu bearbeitet von Julie Dohmke, geborene Vogel, Verlag Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1873.
  • Liebesgrüße. Blumen aus dem Garten der Poesie gesammelt von Julie Dohmke, Verlag Friedrich Brandstetter, Leipzig 1882.
  • Arnims Werke. Herausgegeben von J. Dohmke. Kritisch durchgesehene und erläuterte Ausgabe, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, ohne Jahr [1892].
  • Brentanos Werke. Herausgegeben von J. Dohmke. Kritisch durchgesehene und erläuterte Ausgabe, Bibliographische Institut Leipzig und Wien, ohne Jahr [1892].
  • Novalis' Werke/ Friedrich de La Motte Fouqué: "Undine". Herausgegeben von J. Dohmke. Kritisch durchgesehene und erläuterte Ausgabe, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, ohne Jahr [1892].
  • Tobias Gottfried Schröer: Ch.[ristian] Oesers Briefe an eine Jungfrau über die Hauptgegenstände der Ästhetik. Ein Weihegeschenk für Frauen und Jungfrauen, 25. Auflage herausgegeben und neu bearbeitet von Julie Dohmke, Verlag Friedrich Brandstetter, Leipzig 1892.

Als Übersetzerin

  • Margaret Oliphant: Agnes. Roman. Aus dem Englischen von Julie Vogel, Verlag Otto Janke, Berlin 1867 (3 Bände).
  • Rhoda Broughton: Miß Esther (Red as a rose is she). Roman. Aus dem Englischen von Julie Dohmke, 3 Bände., Verlag E. J. Günther, Leipzig 1875.
  • Ouida: Ein paar Holzpantöffelchen. Eine Erzählung. Aus dem Englischen von Julie Vogel. Verlag E. J. Günther, Leipzig 1876.[9]

Literatur

  • Viola Herbst: „Mit losgebundenen Flügeln“. Zur Mobilität im Leben der Sängerin und Musikschriftstellerin Elise Polko (= Studien zu Musik und Gender), Berlin/Heidelberg 2022, bes. S. 56f., 81–83.
  • Sigrid Oehler: Julie Dohmke, geb. Vogel. Eine Meisterin der Lebensfreude. Eine biographische Skizze für ihre Freunde, Leipzig: Druckerei C.G. Röder 1914.

Dokumente:

  • Nachruf auf Julie Dohmke in Dresdner Journal vom 2. September 1913, 2. Beilage (online).
  • Traueranzeigen für Julie Dohmke in Leipziger Tageblatt und Handelszeitung vom 31. August 1913 (online) und vom 5. September 1913 (online).
  • Manfred Leyh: Dohmke, Julie (geborene Vogel). In: Leipziger Frauenporträts, Webseite der Stadt Leipzig, 2020; abgerufen am 8. März 2026.
  • Vogel, Julie, Indexeintrag. In: Deutsche Biographie; abgerufen am 8. März 2026.

Einzelnachweise

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