Juliette Dodu
französische Heldin und Schriftstellerin | geboren: 15. Juni 1848 | Geburtsort: Saint-Denis | gestorben: 28. Oktober 1909 | Sterbeort: Clarens
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Lucie Juliette Dodu (* 15. Juni 1848 auf Réunion; † 28. Oktober 1909 in Clarens VD) war eine französische Spionin und Telegrafistin. Sie gilt als eine Heldin (französisch héroïne) des Deutsch-Französischen Krieges (1870–1871) und war die erste Frau, die in die Ehrenlegion (französisch Légion d’Honneur) aufgenommen wurde.[1]



Leben
Geboren im Hauptort Saint-Denis der Insel Réunion als Tochter von Alphonse Dodu, einem aus dem Département Indre stammenden Marinechirurgen, und dessen Ehefrau, Desaïffre de Pellegrin, einer Kreolin, starb ihr Vater an Gelbfieber, als sie zwei Jahre alt war. 1864, sie war inzwischen 16 Jahre alt, verließen ihre Mutter und sie die Insel und zogen nach Frankreich. Ihrer Mutter fand eine Anstellung als Direktorin des Telegrafenamtes von Pithiviers, knapp 80 km südlich von Paris.[2]

Im Deutsch-Französischen Krieg (9. Juli 1870 bis 10. Mai 1871) erreichten die Preußen am 20. September 1870 das Tal der Loire und Pithiviers. Das Telegrafenamt wurde umgehend besetzt und die Leitungen gekappt. Familie Dodu musste im ersten Stock des Hauses Zuflucht suchen. Die Telegrafenleitungen verliefen durch eines der Schlafzimmer. Der 22‑jährigen Juliette Dodu gelang es, diese unbemerkt „anzuzapfen“. Auf diese Weise konnte sie die deutschen Telegramme abhören. Sie leitete diese vollständig an die französischen Streitkräfte weiter. Ferner informierte sie über die Bewegungen der deutschen Streitkräfte nahe Pithiviers, die sie beobachten konnte. Als direkte Folge ihrer Informationen konnte die Einkesselung von etwa 40.000 Soldaten unter General d’Aurelle de Paladines verhindert werden, die etwa 40 km südwestlich, nahe Orléans, stationiert waren.
Die junge Frau nutzte ihre Intelligenz und ihren Charme auch, um mehrere Wochen lang in direktem Kontakt mit deutschen Soldaten weitere Informationen zu gewinnen. Dies endete abrupt, nachdem ein Deutscher eines ihrer Gespräche mit ihrer Haushälterin belauschte. Umgehend wurde sie verhaftet, ihre technische Ausrüstung beschlagnahmt und sie wegen Spionage angeklagt. Vor dem deutschen Kriegsgericht erklärte sie mutig: „Ich bin Französin, und meine Mutter war es auch. Ich handelte für mein Land. Meine Herren, tun Sie mit mir, was Sie wollen.“ Sie wurde zum Tode verurteilt.
Nur wenige Tage später, am 10. Mai 1871, wurde der Friede von Frankfurt geschlossen. Kurz darauf empfing sie der deutsche Generalfeldmarschall Prinz Friedrich Karl persönlich, reichte ihr die Hand (Bild) und sagte zu ihr: „Eine Ehre, eine so tapfere Frau kennenzulernen“.[3] Obwohl sie den deutschen Vormarsch behindert hatte, wurde sie begnadigt und freigelassen.
Als erste Frau überhaupt, wurde sie in die Ehrenlegion aufgenommen und erhielt damit die ranghöchste Auszeichnung Frankreichs. Staatspräsident Patrice de Mac-Mahon unterzeichnete am 30. Juli 1878 das Dekret, in dem es hieß: „Sie fing 1870 unter Lebensgefahr Depeschen ab, wurde vom Feind zum Tode verurteilt und durch die Einstellung der Kampfhandlungen gerettet.“
Sie verbrachte ihren Lebensabend in der Romandie auf einem kleinen Bauernhof nahe Montreux. Dort starb la demoiselle Juliette Dodu de Pithiviers (deutsch „die junge Dame von Pithiviers“), wie man sie respektvoll nannte, mit 61 Jahren. Ihr Grab (Bild) ist erhalten und befindet sich auf dem Parkfriedhof Cimetière du Père-Lachaise in Paris.
Weblinks
- Family tree of Juliette Dodu. geneastar (englisch).