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Julius C. Turner

deutscher Graphiker und Radierer From Wikipedia, the free encyclopedia

Julius C. Turner, geboren als Julius Cohn, ab etwa 1925 offiziell: Julius Collen (* 19. August 1881 in Schivelbein; † 28. November 1948 in Ostende), war ein deutscher Graphiker und Radierer.[1]

Selbstporträt (1948)
Radierung des Straßenrollers von Johann Culemeyer

Leben

Turner war eines von 7 Kindern des Buchbindermeisters Abraham Cohn (* 1850/51 in Buchhorst; † 1907 in Berlin),[2] seine Mutter Minna Cohn, geb. Marcuse (* 1854 in Prenzlau) war Lehrerin und wurde 1942 im Ghetto Theresienstadt ermordet.[3] Er wuchs in Berlin auf und betätigte sich in als Lehrer im Fechten und Turnen an der Kadettenanstalt in Groß-Lichterfelde bei Berlin. Nach einer Verletzung studierte er an der Hochschule für die bildenden Künste in Charlottenburg bei Erich Hancke, Woldemar Friedrich und Hans Meyer. Im Ersten Weltkrieg war er Soldat und vermutlich auch Kriegszeichner. Seine bevorzugte Technik war die Radierung, aber auch Federzeichnungen lagen ihm. Die Sujets näherten sich technischen Themen. Neben Bildern von der AEG-Großmaschinenhalle entstanden viele Porträts von Künstlern und bekannten Persönlichkeiten. Typisch für ihn sind die mächtigen Maschinen und die – wenn überhaupt – nur klein dargestellten Menschen. Auftraggeber waren die Kupfer- und Drahtwerke Osnabrück sowie die Stahlbaufirma C.H. Jucho in Dortmund. Auch Hamburger Hafenszenen, Hochbahnen, Dieselmotoren zählten zu den bestellten Motiven. Weitere Motive waren das Großkraftwerk Rummelsburg, der Flughafen Tempelhof, Flugzeuge von Junkers und Dornier, die Schallplattenfabrik der Carl-Lindström-AG und ein Hüttenwerk. Zwischen 1933 und 1935 gab es eine intensive Zusammenarbeit zwischen Turner und dem Ingenieur Johann Culemeyer, der für die Reichsbahn den später nach ihm benannten Straßenroller für Eisenbahnzüge entwickelte.

Offensichtlich verließ Turner wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner sozialistischen Ansichten im Oktober 1936 Deutschland und zog nach Ostende. 1940 wurde aus dem von der deutschen Wehrmacht besetzten Belgien nach Südfrankreich in die Internierungslager St. Cyprien bei Perpignan und Gurs in den Pyrenäen abgeschoben. 1943 wurde er entlassen und kehrte 1946 nach Belgien zurück.

Turner war zweimal verheiratet. Von 1921 bis 1924 mit Berta Lewinsky (* 1897 in Berlin), mit der er den Sohn Peter (* 1922 in Berlin; † 2009 in Aberystwyth, Wales) hatte.[4][5] Berta wurde im Januar 1942 zusammen mit ihrem zweiten Ehemann von Berlin aus in das Rigaer Ghetto deportiert, wo beide ermordet wurden.[6][7] Peter floh 1939 über Italien nach Palästina und 1943 nach England, wo er als Peter Arnold ebenfalls als Maler, Zeichner und Druckgrafiker arbeitete.[8][9][10]

1927 heiratete Turner in zweiter Ehe Aline Höche (* 1899 in Ostende; † 1984).[11] Der gemeinsame Sohn Bernhard (Bernd) wurde 1929 in Berlin-Niederschönhausen geboren. Das Grab von Julius und Aline Turner befindet sich auf dem Begraafplaats Stuiverstraat in Ostende.[12]

Literatur

  • Peter Arnold: And tomorrow the whole world. Collen Books, Trefenter 2016, ISBN 978-0-99556503-6
  • Alfred Gottwaldt: Mächtig bewegte Arbeitsbilder: Werke von Julius C. Turner im Deutschen Technikmuseum. In: Deutsches Technikmuseum Berlin, Ausgabe 3/2011
  • Norbert Hostyn: Julius Collen Turner 1881–1948: Kunstschilder, Graficus, Portrettist ; Tentoonstelling van 4 juni tot en met 31 augustus 1994. Ausstellungskatalog, Museum voor Schone Kunsten, Oostende 1994
  • Conrad Matschoß: Männer der Technik: ein biographisches Handbuch. VDI-Verlag, Berlin 1925.
Commons: Julius C. Turner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Stolpersteine für die Familien Cohn/Collen in der Berliner Kuckhoffstraße 56
  • Stolpersteine für die Familien Meyer/Collen in der Berliner Elberfelder Straße 7

Einzelnachweise

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