Julius Gustav Adam Schottländer
Arzt, Gynäkologe
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Julius Gustav Adam Schottländer (* 31. Märzjul. / 12. April 1860greg. in St. Petersburg, Russisches Kaiserreich; † 29. Mai 1917 in Kiel, Provinz Schleswig-Holstein, Deutsches Reich) war ein deutscher Gynäkologe und Hochschullehrer in Heidelberg und Wien.

Leben und Wirken
Julius Gustav Adam Schottlaender stammte aus der bekannten jüdischen Familie Schottländer. Sie war weit verzweigt, zu seiner entfernten Verwandtschaft (Cousins zweiten Grades) zählten Salo Schottländer, Julius Schottländer und Arnold Schottländer. Seine älteren Brüder waren Paul Albert Theodor Schottländer und Felix Emil Schottländer, die Augenärztin Wanda von Gazen war seine Nichte.
Sein Vater Julius Adolph August Schottländer (1815–1874) war aus Berlin nach Estland und später nach St. Petersburg gezogen, wo er als Apotheker tätig war.[1] Er heiratete seine Cousine Sophie Therese Schott (1815–1887). Julius Schottländer erhielt zunächst privaten Unterricht in St. Petersburg und wurde 1869 auf eine Schule nach Zürich in die Schweiz geschickt.[2] Ab 1872 besuchte er das kantonale Gymnasium und ab 1877 das bekannte Ernestinum in Gotha. Ab 1880 studierte er Medizin in Heidelberg. 1882 absolvierte Julius Schottländer seinen Dienst als Einjährig-Freiwilliger bei der Kaiserlichen Deutschen Marine. Anschließend setzte er sein Studium in Heidelberg fort, 1884/1885 ein Semester in München, danach wieder in Heidelberg, wo er 1886 das Staatsexamen ablegte. Danach war er als Assistent bei Ferdinand Adolph Kehrer tätig und wurde 1888 zum Dr. med. promoviert.
1888 ging Julius Schottländer an das Anatomische Institut nach Kiel und 1889 an die Privatanstalt für Frauenkrankheiten nach Berlin. Ab 1890 widmete er sich privaten wissenschaftlichen Studien und eigenen Veröffentlichungen sowie Reisen. 1893 wurde er in Heidelberg in Gynäkologie habilitiert. Danach lehrte er an der Universität und war Mitglied der Prüfungskommission für medizinische Staatsexamen. 1897 wurde Julius Schottländer zum außerordentlichen großherzoglich-badischen Professor berufen. 1901 wurde er bei der Seewehr zum Stabsarzt der Reserve ernannt.
1903 wurde Julius Schottländer Leiter des Laboratoriums der Frauenklinik der Universität, die von Prof. Alfons Rosthorn geleitet wurde. 1908 folgte er diesem an die Universität Wien und wurde Leiter des neu einzurichtenden Laboratoriums der II. Frauenklinik. Er lehrte auch als Dozent an der Universität, seit 1911 als außerordentlicher Professor.[3]
Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges trat Julius Schottländer wieder in die Kaiserliche Deutsche Marine ein und leitete das Statistische Rapportsbüro des Sanitätsamtes der Ostseestation Kiel. 1915 wurde er zum Oberstabsarzt ernannt. 1917 starb er im Dienst. Er wurde auf dem Bergfriedhof Heidelberg bestattet.[4]
Bedeutung und Familie
Julius Schottländer galt als eine Autorität auf dem Gebiet der pathologisch-gynäkologischen Forschung und wies als einer der ersten auf die drüsigen Elemente der Myome hin.[5] Er veröffentlichte etwa dreißig Aufsätze und Schriften. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, wie das Eiserne Kreuz II. Klasse.
Julius Schottländer war mit Elisabeth (Else) Molly Antropoff (1866–1945), einer Tochter von Roman von Antropoff und Sophie, geborene Koch, verheiratet. Sie hatten mindestens zwei Kinder
- Felix Schottländer (1892–1958), Psychotherapeut
- Richard Schottländer (* 1895)
Literatur
- F. Hillbrand-Grill: Julius (Gustav Adam) Schottlaender (Schottländer). In: Oesterreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 11. 1987. S. 154f. (Text)
- Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1803–1932. Springer, Berlin/Heidelberg 1986. S. 244
- Julius Schottländer. In: Der Gynäkologe. 2011, 4. S. 323–325
Weblinks
- Julius Gustav Adam Schottländer. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).