Roman von Antropoff
russisch-deutscher Jurist, Oberlandgerichtsadvokat und Geschäftsführer der Gouvernementsregierung in Reval
From Wikipedia, the free encyclopedia
Roman von Antropoff (* 6. Junijul. / 18. Juni 1836greg. in Reval, Gouvernement Estland, Russisches Kaiserreich; † 19. Dezember 1926 in Uxnorm, Estland) war ein russisch-deutscher Jurist, Oberlandgerichtsadvokat und Geschäftsführer der Gouvernementsregierung in Reval.
Leben und Wirken
Roman von Antropoffs stammte aus adligen russischen und deutschbaltischen Familien in Estland. Sein Vater Alexander von Antropoff (1801–1863) war Jurist und Oberlandgerichtssekretär in Reval, seine Mutter Emilie (1805–1849) war eine Tochter von Heinrich Friedrich Berens von Rautenfeld. Roman von Antropoff besuchte die Domschule und studierte seit 1856 Jura in Dorpat.[1] Ab 1863 war er Beisitzer (Auscultant) am Manngericht in Reval und ab 1864 Sekretär des Kreisgerichts Jerwen. Ab 1865 war er als Oberlandgerichtsadvokat und Ratsadvokat in Reval tätig, von 1865 bis 1869 außerdem als Geschäftsführer der estländischen Gouvernementsregierung, ab 1869 auch wieder als Sekretär am Kreisgericht Jerwen.[2] 1883 wurde er zusätzlich zum Dom-Schlossvogt ernannt. 1889 endeten diese juristischen Tätigkeiten.
Roman von Antropoff war Stadtverordneter von 1878 bis 1889 und von 1893 bis 1896, Ökonomiesekretär der Estländischen Ritterschaft von 1893 bis 1896, Mitbegründer und Vorsitzender des Kammermusikvereins und der Gesellschaft Estonia und Kirchenvorsteher der estnischen evangelisch-lutherischen Dom-Karlsgemeinde. Er war Mitorganisator von estnischen Sängerfesten und unterstützte die Bemühungen um eine Stärkung der estnischen Kultur.

Roman von Antropoff war Besitzer von Gut Karlsbrunn (Jerwen) von 1879 bis 1900 und von Gut Uxnorm (Üksnurme) von 1900 bis zu dessen Enteignung 1923. Er veröffentlichte seine Erinnerungen und einige weitere Texte und übersetzte literarische Schriften aus dem Deutschen und Altgriechischen (Odyssee) ins Estnische.
Ehe und Nachkommen
Roman von Antropoff war mit Sophie (1847–1922), einer Tochter des Revaler Unternehmers Andreas Koch seit 1865 verheiratet. Sie hatten sechs Kinder.[3][4]
- Elisabeth Molly (Elsa) Schottländer (1866–1945), heiratete Julius Schottländer, Gynäkologe in Wien und Heidelberg
- Roman (Andreas) von Antropoff (1867–1953), Chemiker und Brauereidirektor in St. Petersburg
- Nikolai von Antropoff (1861–1915), Chemie-Ingenieur
- (Karl Walter) Alexander von Antropoff (1874–1960), Diplom-Landwirt
- Sergei von Antropoff (1876–1959), Diplom-Ingenieur
- Andreas von Antropoff (1878–1956), Professor für Chemie in Bonn
Literatur
- Carola L. Gottzmann, Petra Hörner (Hrsg.): Lexikon der deutschsprachigen Literatur des Baltikums und St. Petersburgs. De Gruyter, Berlin 2007. S. 146, mit detaillierten biographischen Informationen
- Wilhelm Held: Deutschbaltisches biographisches Lexikon 1710–1960. 1970. S. 16
- Revaler Bote, Nr. 2, 1927, Nachruf
- Jahrbuch des baltischen Deutschtums. 1928. S. 160, Nachruf
Weblinks
- Roman von Antropoff BBLD