Julius Philipp
deutscher Metallhändler
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Leben
Julius Philipp war ein Sohn des Kaufmanns Elias Philipp und der Mariane (Mary) Heine. Die Nichte seines Vaters Martha Bernays lebte eine Zeit in der Familie und heiratete 1886 in Wandsbek den Wiener Arzt Sigmund Freud. Philipp besuchte die Schule in Wandsbek und absolvierte nach dem Einjährigenexamen eine Lehre in der Metall- und Erzfirma Gustav Bau in Hamburg. Er gründete 1901 in Hamburg-St. Georg eine eigene Metallmaklerfirma, zunächst mit einer Schwester als einziger Angestellten. Er heiratete 1907 Helene Caroline Bass, sie hatten sechs Kinder.
Im Jahr 1909 gründete er mit seinem jüngeren Bruder Oscar Philipp (1887–1965) eine weitere Metallhandelsfirma unter dem Namen Philipp Brothers mit Sitz in London. Oscar Philipp erwarb die britische Staatsbürgerschaft und konnte so die Firma auch nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 weiterführen, sein deutscher Angestellter Siegfried Bendheim ging in die zunächst noch neutrale USA und gründete in New York City eine weitere Philipp Brothers-Gesellschaft, die dann nach dem Zweiten Weltkrieg zur weltweit führenden Metallhandelgesellschaft wuchs.
In den 1920er Jahren richtete Julius Philipp auch eine Filiale seiner Hamburger Firma in Berlin ein. Er war Mitglied im Vorstand sowohl des Hamburger Metallvereins als auch der Metallbörse.
Nach der Machtergreifung 1933 verkaufte Philipp 1934 seinen Anteil an der mit einem Geschäftspartner gehaltenen Philipp OHG und emigrierte zunächst allein nach Amsterdam, um dort die neue Metallhandelsfirma „Julius Philipp NV“ zu gründen, die dann allerdings nicht mehr das Geschäftsvolumen der deutschen Firma erreichte. 1936 holte er seine Frau und die zwei noch nicht erwachsenen Kinder nach, eine Tochter kam noch hinzu, während den drei älteren Kindern die Flucht vor den Nationalsozialisten glückte.
Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Frühjahr 1940 versuchte die Familie zu fliehen, sie kamen aber nicht mehr aus Amsterdam heraus. 1941 wurde seine niederländische Firma enteignet. Im März 1943 wurde die Familie Philipp im KZ Westerbork inhaftiert. Das Ehepaar Philipp und die Kinder Herbert und Mary wurden Anfang 1944 von dort in das KZ Bergen-Belsen deportiert, wo Philipp und seine Frau an den Haftbedingungen starben, die zwei Kinder wurden am 20. Januar 1945 als Austauschjuden mit honduranischem Pass in die Schweiz entlassen. Der Sohn Richard kam im KZ Mauthausen um.
Literatur
- Helmut Waszkis: Philipp Brothers. The History of a Trading Giant 1901–1985. Metal Bulletin Books, 1987
Weblinks
- Benedikt Behrens: Julius Philipp, bei Stolpersteine in Hamburg (Suchfunktion)
- Julius Philipp, bei oorlogsbronnen.nl
- in re Account of Julius Philipp, bei Claims Resolution Tribunal (CRT), 12. Mai 2006
- Philipp Brothers Collection, bei Center for Jewish History (CJH)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Philipp, Julius |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Metallhändler |
| GEBURTSDATUM | 1. März 1878 |
| GEBURTSORT | Hamburg-Wandsbek |
| STERBEDATUM | 15. März 1944 |
| STERBEORT | KZ Bergen-Belsen |