Julius von Reichert
deutscher Offizier
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Julius Heinrich Ritter von Reichert (* 14. Juli 1873 in Regensburg; † 26. Juli 1958 in München) war ein bayerischer Oberstleutnant.
Leben
Herkunft
Julius entstammte der 1790 in den rittermäßigen Reichsvikariatsadelsstand erhobenen Beamtenfamilie von Reichert. Er war der Sohn des bayerischen Ministerialrates im Ministerium für Verkehrsangelegenheiten August von Reichert (1846–1920) und dessen Ehefrau Henrika, geborene Badhauser (1850–1923).[1]
Militärkarriere
Julius von Reichert besuchte ein Humanistisches Gymnasium und trat am 15. Juli 1892 als Freiwillig-Gemeiner und Offiziersaspirant in das 1. Feldartillerie-Regiment „Prinzregent Luitpold“ der Bayerischen Armee ein. Er avancierte bis 5. März 1894 zum Sekondeleutnant und besuchte die Artillerie- und Ingenieur-Schule. Vom 1. Oktober 1897 bis 1. Oktober 1899 diente Reichert als Adjutant der III. Abteilung und anschließend als Regimentsadjutant.[2] Zum 1. Oktober 1901 wurde er von seiner Dienststellung als Regimentsadjutant enthoben und unter Stellung à la suite seines Regiments zum Adjutanten der 3. Feldartillerie-Brigade ernannt. In dieser Stellung avancierte Reichert am 9. März 1902 zum Oberleutnant und absolvierte ab Oktober 1904 für drei Jahre die Kriegsakademie in München, die ihm die Qualifikation für die Höhere Adjutantur, den Referatsdienst und das Lehrfach (Waffenlehre, Kriegsgeschichte) sowie in zweiter Linie für den Generalstab aussprach. Anschließend wurde er Adjutant der 4. Feldartillerie-Brigade und rückte am 16. Oktober 1908 zum Hauptmann auf. Am 1. Oktober 1909 erfolgte seine Versetzung zur Zentralstelle des Generalstabes.[3] Mit der Ernennung zum Batteriechef im 10. Feldartillerie-Regiment trat Reichert am 1. Oktober 1911 in den Truppendienst zurück. Daran schloss sich zwei Jahre später unter Beförderung zum Major eine Verwendung im Generalstab der 5. Division an, die seit 1912 von Generalleutnant Gustav von Schoch kommandiert wurde.
Während des Ersten Weltkriegs verbrachte Schoch 1914, von Depressionen geplagt und in der Sorge, altersbedingt zu erblinden, mit einem Ordonnanzoffizier und einem Assistenzarzt im rückwärtigen Gebiet und nicht an der Front. Er überließ seinem Ersten Generalstabsoffizier Reichert die operative Führung der Division, die in Lothringen und Frankreich kämpfte, und unterrichtete sich nur pro forma über die Lage. Im April 1915 musste Schoch das Kommando vollständig abgeben. Am 9. Februar 1916 kam Reichert zum Generalstab des übergeordneten III. Armee-Korps.
Vom 23. September 1916 bis 7. November 1918 war Reichert Chef des Generalstabes der XV. Reserve-Korps an der Westfront.[4] In dieser Stellung verlieh ihm König Ludwig III. am 5. Februar 1917 seinen Militärverdienstorden 3. Klasse mit Schwertern und Mitte Juni 1917 erhielt er die Erlaubnis zur Annahme des Ritterkreuzes des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern.[5][6]
Nach Kriegsende wurde er am 3. Dezember 1918 in das ehemalige Kriegsministerium kommandiert, das jetzt die Bezeichnung Staatsministerium für militärische Angelegenheiten führte. 1919 war er Chef des Generalstabes des I. Armee-Korps. Als Beamter auf Kündigung wurde er weiterbeschäftigt und war vom 1. Oktober 1919 bis zur Auflösung am 31. Dezember 1920 Vorstand des Abwicklungsamtes des ehemaligen Generalkommandos des I. Armee-Korps.
Mit einem Dienstalter vom 28. September 1919 erhielt Reichert durch Entschließung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert am 17. Mai 1920 den Charakter als Oberstleutnant und die Erlaubnis zum Tragen seiner Uniform.[7] Ferner wurde ihm am 3. August 1920 die Aussicht auf Anstellung im Zivildienst bewilligt.[8]
1919 lernte er Georg Escherich, welcher auch später den Bayerischen Heimatschutz (BHS) gründete, kennen und unterstütze ihn später bei den Einwohnerwehren in Bayern. Ab der Gründung 1928 der überparteilichen Volksbewegung BHS, welche in Konkurrenz zum Stahlhelm stand, war er bis zu deren Auflösung 1933 Stabsleiter. Reichert war Schwager des Stahlhelmführers Hermann Ritter von Lenz.[9]
Familie
Am 2. Oktober 1902 heiratete er in Speyer Helene Ney (1880–1931).[1] Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, darunter der spätere deutsche Diplomat Hans-Joachim von Reichert und der Generalleutnant der Bundeswehr Rüdiger von Reichert.[1][10]
Literatur
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1909. Dritter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1908, S. 623–624. (Digitalisat)
- Othmar Hackl: Die Bayerische Kriegsakademie (1867–1914). C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1989, ISBN 3-406-10490-8, S. 548.
Weblinks
- Joachim Lilla: Reichert, Julius Ritter v. In: ders.: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945. (23. Februar 2026)