Julo Ascanio

Oper von Johann Joseph Fux From Wikipedia, the free encyclopedia

Julo Ascanio, re d’Alba ist eine Serenata (Huldigungsoper, Originalbezeichnung: „Poemetto drammatico“, ‚kleines dramatisches Gedicht‘, FuxWV II.2.6 / K 204) in einem Akt von Johann Joseph Fux (Musik) mit einem Libretto von Pietro Antonio Bernardoni, die am 19. März 1708 zur Feier des Namenstags von Kaiser Joseph I. in der Wiener Hofburg uraufgeführt wurde.

Schnelle Fakten Operndaten, Personen ...
Operndaten
Titel: Julo Ascanio, re d’Alba
Form: Serenata
Originalsprache: Italienisch
Musik: Johann Joseph Fux
Libretto: Pietro Antonio Bernardoni
Uraufführung: 19. März 1708
Ort der Uraufführung: Wiener Hofburg
Spieldauer: ca. 1 ½ Stunden
Ort und Zeit der Handlung: griechische Mythologie
Personen
  • Ascanio (Ascanius), erster König von Alba (Alt, Kastrat)
  • Evandro/Euandro (Euandros), Fürst von Arkadien, auf den Berg Palatin in Italien geflüchtet (Bass)
  • Carmenta, Evandros Mutter (Sopran)
  • Emilia, Evandros Schwester, Verlobte Ascanios (Sopran)
  • Teucro, Ascanios Vertrauter (Tenor)
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Handlung

Julo Ascanio (Ascanius), der Sohn des trojanischen Prinzen Aeneas, hat soeben den arkadischen Fürsten Evandro (Euandros) besiegt und zieht triumphal in die eroberte Stadt Alba (Alba Longa) ein. Sein Vertrauter Teucro gratuliert ihm (Arie Teucro: „Vola già di lido in lido“). Ascanios Freude ist nicht ungetrübt, denn er hat sich in Evandros Schwester Emilia verliebt und glaubt, sie hasse ihn (Arie Ascanio: „Vestito da pietà“). Er möchte sich als gerechter und großzügiger Sieger erweisen und Evandro die Freiheit und sein Reich zurückgeben (Arie Ascanio: „Dopo il nemico oppresso“).

Im Gemach der Besiegten

Emilia leidet darunter, dass sie sich in den Sieger Ascanio verliebt hat und ihre Gefühle kaum vor sich selbst verbergen kann (Arie Emilia: „Dover arder di sdegno“ – Arie Emilia: „Par ch’io sia meno infelice“). Ihre Mutter Carmenta macht ihr Mut. Sie sieht in dieser Liebe ein Zeichen des Schicksals (Arie Carmenta: „A forza di soffrir“). Vorerst jedoch sucht Emilia nach Rache an dem Eroberer (Arie Emilia: „Sì, vendetta io voglio far“). Als Evandro seiner Mutter erfreut von Ascanios Großzügigkeit erzählt (Arie Evandro: „Credo appena al mio destino“), bittet diese ihn, die Liebe zwischen Emilia und dem Sieger fördern (Arie Carmenta: „Minaccioso a noi d’intorno“). Auch Evandro macht das Hoffnung (Arie Evandro: „Ciò che Marte a me rapì“).

In Ascanios Palast

Teucro informiert Ascanio darüber, dass Evandro alle Friedensbedingungen akzeptieren werde. Ascanio hat ein schlechtes Gewissen Emilia gegenüber. Teucro rät ihm, ihr seine Liebe zu offenbaren (Arie Teucro: „D’amante regnante“). Als Ascanio dies tut, weist Emilia ihn gegen ihre eigenen Gefühle mit groben Worten zurück (Arie Emilia: „T’aborrisco, ah! Non è vero“). Ascanio entschuldigt sich für die Opfer des Krieges. Er habe Grausamkeiten vermieden und lediglich der Ehre wegen handeln müssen (Arie Ascanio: „Io svenai, lo so, più vite“). Er bittet Evandro, sich bei seiner Schwester für ihn einzusetzen. Da dieser und auch seine Mutter das tun, willigt Emilia schließlich ein und reicht Ascanio ihre Hand (Terzett Emilia/Ascanio/Evandro: „Se la man non segue il core“). Carmenta prophezeit dem Paar eine lange Reihe heldenhafter und weiser Könige als Nachfahren (Arie Carmenta: „Il vincere superbi“). Sie werde bis zum römischen Kaiser Augustus und in ferner Zukunft bis zum Habsburger Kaiser Joseph I. reichen, der durch seine Tapferkeit, Milde und Gerechtigkeit dessen Namen noch verdunkeln werde (Arie Carmenta und Chor: „Qual giglio de’ fiori“).

Gestaltung

Musik

Die Orchesterbesetzung der Oper umfasst eine Trompete, zwei Chalumeaux, ein „Basson“, zwei Oboen, zwei Fagotte, Violinen 1 und 2, Bratschen, zwei Viole da gamba, Cembalo und Basso continuo mit Violoncello, Violone, Fagott und Cembalo.[1]

In ungewöhnlich vielen Arien kommen Solo-Instrumente als Partner des jeweiligen Gesangssolisten zum Einsatz. Bereits in der ersten Arie beim Auftritt Teucros erklingt eine Trompete. Die erste Arie des Ascanio wird von zwei Gamben begleitet, seine letzte von einer Solo-Violine. In der letzten Arie der Emilia spielen zwei Fagotte, in derjenigen der Carmenta zwei Chalumeaux.[2]

Stilistisch kombiniert Fux in diesem Werk Merkmale der französischen und der neapolitanischen Oper.[3]

Musiknummern

Die Oper enthält die folgenden Musiknummern:[4][5][1]

  • Nr. 1. Ouvertüre: [Andante]. Allegro. Adagio. Presto
  • Nr. 2 (1). Rezitativ (Teucro): „Signor, tai cose“
  • Nr. 2 (2). Arie (Teucro): „Vola già di lido in lido“ – mit Solo-Trompete
  • Nr. 3 (3). Rezitativ (Ascanio/Teucro): „Ah, Teucro“
  • Nr. 3 (4). Arie (Ascanio): „Vestito da pietà“ – mit zwei Viole da gamba
  • Nr. 4 (5). Rezitativ (Ascanio/Teucro): „Tanto spietata è dunque“
  • Nr. 4 (6). Arie (Ascanio): „Dopo il nemico oppresso“
  • Nr. 5 (7). Arie (Emilia): „Dover arder di sdegno“
  • Nr. 6 (8). Rezitativ (Emilia): „O sempre, e quando vinci“
  • Nr. 6 (9). Arie (Emilia): „Par ch’io sia meno infelice“
  • Nr. 7 (10). Rezitativ (Carmenta): „Figlia, mia dolce figlia“
  • Nr. 7 (11). Arie (Carmenta): „A forza di soffrir“
  • Nr. 8 (12). Rezitativ (Emilia Carmenta): „Madre, sia con tua pace“
  • Nr. 8 (13). Arie (Emilia): „Sì, vendetta io voglio far“
  • Nr. 9 (14). Rezitativ (Evandro/Carmenta): „Madre“
  • Nr. 9 (15). Arie (Evandro): „Credo appena al mio destino“
  • Nr. 10 (16). Rezitativ (Carmenta/Evandro): „Amor, figlio, è quel Nume“
  • Nr. 10 (17). Arie (Carmenta): „Minaccioso a noi d’intorno“
  • Nr. 11 (18). Rezitativ (Evandro): „Se v’è nel mondo ancora“
  • Nr. 11 (19). Arie (Evandro): „Ciò che Marte a me rapì“
  • Nr. 12 (20). Rezitativ (Ascanio/Teucro): „E ben, Teucro, che rechi?“
  • Nr. 12 (21). Arie (Teucro): „D’amante regnante“ – mit Violoncelli
  • Nr. 13 (22). Rezitativ (Ascanio/Emilia): „Principessa, da me la pace offerta“
  • Nr. 13 (23). Arie (Emilia): „T’aborrisco, ah! Non è vero“ – mit zwei Fagotten
  • Nr. 14 (24). Rezitativ (Ascanio): „Emilia, è ver che molto sangue“
  • Nr. 14 (25). Arie (Ascanio): „Io svenai, lo so, più vite“ – mit Solo-Violine
  • Nr. 15 (26). Rezitativ (Emilia/Ascanio/Evandro/Carmenta): „O del mio cor tiranni“
  • Nr. 15 (27). Terzett (Emilia/Ascanio/Evandro): „Se la man non segue il core“
  • Nr. 16 (28). Rezitativ (Carmenta): „Ah, mal ricopri, o figlia“
  • Nr. 16 (29). Arie (Carmenta): „Il vincere superbi“ – mit zwei Chalumeaux
  • Nr. 17 (30). Rezitativ (Ascanio/Carmenta): „Tanto ad Enea predisse“
  • Nr. 17 (31). Arie (Carmenta): „Qual giglio de’ fiori“ – mit zwei Viole da gamba und Cembalo solo
  • Nr. 18 (31). Chor: „Qual giglio de’ fiori“

Werkgeschichte

Diese Serenata entstand zur Feier des Namenstags von Kaiser Joseph I. Dem Wiennerischen Diarium vom 17. März 1708 (Nr. 483) zufolge hatte Josephs Gemahlin, die Kaiserin Wilhelmine Amalie, das Werk in Auftrag gegeben. Sie folgte damit dem Brauch der Habsburger, dass sich Kaiser und Kaiserin zum Geburts- und Namenstag jeweils mit einer neuen Oper beschenkten.[2] Das Libretto verfasste Pietro Antonio Bernardoni auf Basis der Ascanius-Erzählung in Titus Livius’ Geschichtswerk Ab urbe condita und der Euandros-Episode in Ovids Fasti.[3] Die Handlung verweist auf den Anspruch des Kaisers auf die Herrschaft in Italien. Er hatte im Spanischen Erbfolgekrieg bereits Mailand und Neapel erobert. Zwei Monate nach der Aufführung besetzten seine Truppen Teile des Kirchenstaats, was zum Krieg mit Papst Clemens XI. führte. Der Text der Serenata ist schon durch den Handlungsort Alba Longa (dort befand sich eine Residenz des Papstes) als Drohung an letzteren zu verstehen. Der Sieger Julo Ascanio wird mit Joseph gleichgesetzt, dessen Vater Aeneas mit seinem Vater Leopold I. Der Name Emilia ist eine Anspielung auf die römische Via Aemilia, an der sich die Kampfhandlungen vollziehen sollten.[2]

Die Uraufführung fand 19. März 1708 in der Wiener Hofburg statt. Der Vermerk „Servizio di camera“ auf der Rückseite der Partitur weist darauf hin, dass die Aufführung nicht öffentlich war, sondern in den privaten Räumen des Kaisers stattfand. Eine Theatervorstellung wäre schon deshalb undenkbar gewesen, weil das Datum in der Fastenzeit lag. Es sangen der damals berühmte Altkastrat Gaetano Orsini (Ascanio), der Bass Rainiero Borrini (Evandro), die Hofsängerinnen Anna Maria Lisi/Badia (Carmenta) und Kunigunda Sutter von Rosenfeldt (Emilia) sowie der Tenor Silvio Garghetti (Teucro). Der Name des Bühnenbildners ist nicht überliefert. In Frage kommt aber nur der neue kaiserliche Theaterarchitekt Antonio Beduzzi.[2]

Auch in neuerer Zeit gab es einige Produktionen:

Ein Librettodruck der Oper ist nicht erhalten. Überliefert sind lediglich eine Abschrift der Partitur und die Streicherstimmen (Österreichischen Nationalbibliothek: A-Wn Mus.Hs. 17247 und A-Wn Mus.Hs. 17248).[9] Anhand dieser Noten erstellten Ramona Hocker und Alexander Rausch für die Produktion der Styriarte 2018 eine Neuausgabe der Partitur und des Aufführungsmaterials.[1]

Aufnahmen

Einzelnachweise

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