Jussi Halme
finnischer Sänger
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Jussi Halme (* 6. Juli 1961 als Marko-Jussi Halme in Tampere) ist ein finnischer Sänger, Komponist, Pianist und Arrangeur mit künstlerischem Schwerpunkt in der Jazzmusik. Mitte der 1980er-Jahre erlangte er mit Eigenkompositionen im Stil des Synthiepop mit deutlichen Einflüssen des Fusion Jazz lokale Bekanntheit in Finnland und erhielt 1985 den Emma-Musikpreis.

Persönliches
Jussi Halme wurde 1961 als einer von zwei Söhnen des Geschäftsmannes Seppo Halme und dessen Frau Laila (geb. Soppi) im südfinnischen Tampere geboren. Laila Halme war in den 1950er- und 1960er-Jahren als Sängerin im Genre des finnischen Schlagers (Iskelmä) aktiv und vertrat ihr Land im Finale des Eurovision Song Contest 1963 in London.[1] Seppo Halmes Vater spielte als Pianist unter anderem zusammen mit Vili Vesterisen, dessen Interpretation des Volkslieds Säkkijärven polkka in der Zeit des Zweiten Weltkrieges in Finnland große Popularität erlangt hatte.[2] Entsprechend wuchsen die Halme-Brüder in einer musikalisch geprägten Familie auf. Jussi Halme erlernte mit sechs Jahren das Klavierspiel und entwickelte als Jugendlicher eine Vorliebe für die afroamerikanische Musik, darunter insbesondere die Genres Jazz, Funk und Soul. Inspiriert von Künstlern wie George Duke, Herbie Hancock und Lonnie Liston Smith begann er als Jugendlicher Mitte der 1970er-Jahre auf dem elektronischen Piano zu komponieren. Er studierte nach seinem Schulabschluss an der Pirkanmaan musiikkiopisto in Tampere und später in Helsinki am Pop & Jazz Konservatorio.
Karriere
Zambas und musikalische Anfänge
Während seines Musikstudiums in Helsinki gründete mit einigen Mitstudenten die Fusion-Jazz-Band Zambas.[3] Ab Sommer 1979 absolvierte die Gruppe Liveauftritte in der Stadt und spielte zudem auf dem Jazzfestival Pori Jazz in der gleichnamigen Stadt an der finnischen Westküste. Die finnische Tageszeitung Helsingin Sanomat hob in ihrem Bericht das Talent des jungen Keyboarders hervor.[4] Während der traditionellen Jam-Sessions auf dem Festival hatte Halme die Möglichkeit, mit den Szenegrößen Art Van Damme und Rhoda Scott gemeinsam zu musizieren. Zur gleichen Zeit wurde er vom finnischen Schlagersänger Markku Aro als Keyboarder für dessen Begleitband engagiert.[5] Zudem war er Mitglied der Pop-Rock-Band Karma unter der Leitung von Leif Kiviharju, die im vergangenen Jahrzehnt zu einer der erfolgreichsten Bands in Finnland gehört hatte. Halme trat mit der Gruppe finnlandweit sowie in den Nachbarländern Schweden und Norwegen auf.[4]
Bereits während seiner Zeit als Künstler auf Tour in den frühen 1980er-Jahren hatte Halme begonnen, sich neben Liveauftritten auch für Studioarbeit und Musikproduktion zu interessieren. Durch ein Praktikum im MSL-Studio des Musikers Mika Sundqvist in Lempäälä, einem der größten Tonstudios in Finnland, sammelte er praktische Kenntnisse und wurde anschließend fest angestellt.[6] 1983 nahm er mit seinen ehemaligen Zambas-Mitmusikern die Single Funny Funk mit instrumentalen Eigenkompositionen auf und beabsichtigte durch die Veröffentlichung unter seinem eigenen Namen, sowohl für seine Tätigkeit als Produzent als auch Studiomusiker zu werben.[7] Die Hoffnungen, durch einen Plattenvertrag bei einem großen Label ein komplettes Album im Stil der Single aufnehmen zu können, ließen sich aber nicht verwirklichen, da Halme die dort vorgegebenen Bedingungen, seine Kompositionen deutlich kommerzieller auszurichten und im Genre des finnischen Schlagers zu etablieren, nicht akzeptieren wollte.
Etablierter Musiker und Plattenproduzent
1984 arbeitete Halme hauptsächlich als Toningenieur und Studiomusiker im MSL-Studio und produzierte neben Sundqvists Album Sade das im Stil des Post-Disco gehaltene Stück Manhattan Club.[8] Die gleichnamige Diskothek in Tampere hatte Halme beauftragt, zu Werbezwecken eine eigene Titelmusik zu komponieren, die zudem ähnlich eines Jingles vor und nach dem Abendprogramm gespielt werden sollte. Die Singles wurden lokal an Clubbesucher ausgegeben, zu einer größeren Veröffentlichung kam es aber nicht.[9] Während seiner Arbeit für die Diskothek lernte Halme die britische DJ Lori St. John kennen, die zu dieser Zeit in Finnland auftrat, und nahm mit ihr im Frühjahr 1985 den Song Tic Toc Tic Toc auf.[10] Ein Liveauftritt des Duos in der Fernsehsendung Keväan sävel auf MTV3 brachte ihnen einen Plattenvertrag bei VIP Music ein. Die von Halme produzierte LP Jussi Halme & Lori St. John, auf dem er, obwohl sich selbst nie als Sänger bezeichnend, erstmals selbst Gesangsparts sowohl auf Englisch als auch Finnisch übernahm, blieb die einzige vollwertige Albumveröffentlichung des Musikers.[11] Im Herbst 1985 wurde Halme mit einem Sonderpreis der Emma, dem höchsten finnischen Musikpreis, ausgezeichnet.[12] Er sang in der Fernsehübertragung der Emma-Gaala wieder als Solokünstler seine Eigenkomposition Aika Rakkauden, die 1986 neben Hiostavat Valheet / Joki Elämänals zweite Singleveröffentlichung in diesem Jahr erschien.[13] 1987 trat Halme im finnischen nationalen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest in Belgien zusammen mit Helena Miller, die bereits auf Manhattan Club gesungen hatte, an, konnte sich aber nicht gegen Vicky Rosti & Boulevard durchsetzen.[14]
Späte Karriere und Gegenwart
Ab 1988 arbeitete Halme weiter als Studiomusiker und Produzent, zu weiteren Tonträgerveröffentlichungen kam es aber nicht mehr. Ein Versuch der Teilnahme am Eurovision Song Contest 1990 in Jugoslawien scheiterte zugunsten der finnlandschwedischen Band Beat wie schon 1987 am nationalen Vorentscheid.[15] 1991 trat er mehrmals in der Fernsehsendung Helmenkalastajat auf, die von seiner Mutter Laila Halme moderiert wurde und in der er mit Begleitband wieder eigene Songs spielte. Zu dieser Zeit begann Halme, seine Tätigkeiten auf die durch die Deregulierung des Rundfunks rasant wachsende Hör- und Fernsehwerbebranche auszuweiten und produzierte für den lukrativen neuen Markt zahlreiche Jingles und Titelmusiken. Für die zwischen 1990 und 1996 ausgestrahlte politische Satiresendung Hyvät herrat steuerte er die Titelmusik bei.[16] Die Komposition entwickelte sich im Zusammenspiel mit der surrealistischen Animation des Intros von Seppo Välimäki in den frühen 2020er-Jahren zu einem Internetphänomen, das Halme neue Bekanntheit sowohl in seiner Heimat Finnland als auch in der Welt einbrachte.[17][18] Eine Zusammenarbeit mit dem finnischen Produzenten Misha brachte seit 2018 wieder aktiv Neuveröffentlichungen, die moderne Produktionstechniken und Klänge im Stil des Chillwave mit den klassischen, jazzorientierten Arrangements Halmes kombinierten.[19] 2019 erschien zudem das Kompilationsalbum Funny Funk 'N' Disco 1983–1991, auf dem diverse Soloveröffentlichungen sowie von Halme produzierte Lieder aus seiner künstlerisch aktivsten Zeit in den 1980er-Jahren zusammengefasst wurden.[20][21]
Diskografie
Alben und EPs
- 1985: Jussi Halme & Lori St. John (VIP Music) mit Lori St. John
Singles
- 1983: Funny Funk / Autumn Gold (JR-Productions)
- 1985: Manhattan Club (Promotionsveröffentlichung)
- 1986: Aika Rakkauden / Uni (Megafon)
- 1986: Hiostavat Valheet / Joki Elämän (Megafon)
Kompilationen
- 2019: Funny Funk ’N’ Disco 1983–1991 (Svart Records)
Weblinks
- Jussi Halme bei Discogs
- Jussi Halme bei MusicBrainz (englisch)
- Jussi Halme bei IMDb