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Jüdischer Friedhof (Nördlingen)

Friedhof in Nördlingen, Bayern From Wikipedia, the free encyclopedia

Der jüdische Friedhof Nördlingen ist eine seit 1877 bestehende Begräbnisstätte der jüdischen Gemeinde in der bayerischen Stadt Nördlingen. Er liegt am westlichen Stadtrand am Nähermemminger Weg südlich der Bergmühle und umfasst eine Fläche von rund 1868 m². Auf dem Friedhof befinden sich etwa 230 Grabsteine; die letzte Beisetzung fand 1986 statt.[1]

Eingangsportal zum jüdischen Friedhof Nördlingen (2012)
Blick vom Eingang über den Friedhof (2012)
Teilansicht der Gräberreihen (2012)

Neben seiner Funktion als Ruhestätte erinnert die Anlage mit zwei Gedenksteinen sowohl an die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten als auch an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.

Der Friedhof ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.[2]

Geschichte

Nach Angaben des Stadtbibliothekars und Stadtarchivars Ludwig Müller (1831–1910) verfügten die Juden in Nördlingen bereits seit „unvordenklicher Zeit“ über einen eigenen Friedhof, der sich zunächst beim Gotteshaus der Gemeinde befand. Nach der Vertreibung der Juden im Jahr 1348 wurden auf diesem Gelände Wohnhäuser errichtet.[1]

Bischof Burkhard von Ellerbach gestattete den Juden 1378 die Anlage eines neuen Begräbnisplatzes neben den Häusern. Die Anlage bestand allerdings nur kurze Zeit, da die Judengemeinde 1384 bereits wieder von den Nördlingern ausgelöscht wurde.[3] Anschließend entstand auf der sogenannten Marienhöhe am Henkelberg (dem ehemaligen Galgenberg) ein neuer Begräbnisplatz,[1] der erstmals 1415 urkundlich erwähnt wurde und bis zur Vertreibung der Juden im Jahr 1506 genutzt wurde.

Mit der Neugründung einer jüdischen Gemeinde ab 1870 entstand erneut der Wunsch nach einem eigenen Begräbnisplatz, da die Verstorbenen bis dahin im benachbarten Mönchsdeggingen beigesetzt werden mussten. 1877 erhielt die Gemeinde ein Grundstück am westlichen Stadtrand am Nähermemminger Weg südlich der Bergmühle zugebilligt.[1] Am Eingang wurde zudem ein Taharahaus errichtet.

1944 ließ Bürgermeister Eugen Einberger die Umfassungsmauer des Friedhofs abbrechen, um Baumaterial für Behelfsheime zu gewinnen. Die Arbeiten führte die Hitlerjugend aus; dabei wurden auch Grabsteine beschädigt oder entwendet. Einige weitere Steine nahmen ortsansässige Steinmetze an sich. Nach Kriegsende konnten die meisten Grabsteine zurückgebracht und wieder aufgestellt werden.[1]

1978 musste das Taharahaus wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Die letzte Beisetzung auf dem Friedhof erfolgte 1986. Seither befinden sich dort rund 230 Grabsteine.

Gedenksteine

Auf dem Friedhof befinden sich zwei Gedenksteine. Der ältere erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten aus Nördlingen. Die Inschrift lautet:

„Fürs Vaterland seid Ihr gestorben: Wir Ehren Euch. Fürs Judentum habt Ihr erworben das Himmelreich.“

Ein weiterer Gedenkstein wurde 1979 vom Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern errichtet. Er erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und trägt die Inschrift:

„Den Toten zur Ehre und zum ewigen Gedenken an die jüdischen Bürger aus Nördlingen und Umgebung, die in den Verfolgungsjahren 1933–1945 grausam umgekommen sind. Uns Lebenden zur Mahnung, den kommenden Geschlechtern zur eindringlichen Lehre.“

Literatur

Einzelnachweise

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