Wikiwand AI

Jüdischer Friedhof (Strausberg)

Begräbnisort im Landkreis Märkisch-Oderland From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Jüdische Friedhof in Strausberg ist ein Begräbnisort im Landkreis Märkisch-Oderland. Der etwa sieben Ar große Friedhof[1] liegt erhöht an der Uferpromenade am Straussee nahe der Strausseefähre an der Karl-Liebknecht-Straße. Das Grundstück ist von einer Feldsteinmauer umgeben.[2]

Informationstafel am Friedhof

Geschichte

Der jüdische Friedhof in Strausberg wurde um 1720 vor dem Landsberger Tor nahe am „Galgenberg“ angelegt. Zu dieser Zeit lebten dreißig jüdische Menschen aus vier Familien am Ort. Erwähnt wurde der Friedhof auch 1782 mit dem Hinweis, dass er seit langem im Besitz der jüdische Gemeinde sei. Das kleine Areal war „42 ½ Fuß lang und 54 ½ Fuß breit“.[1][3] In den Jahren 1766, 1810 und 1832 wurde das Begräbnisareal den Bedürfnissen der wachsenden Gemeinde folgend erweitert. Die hölzerne Umfriedung wurde 1838/1839 durch eine Feldsteinmauer ersetzt mit einem zweiflügeligen Tor aus Eiche. Auch ein Taharahaus wurde auf dem Friedhof erbaut.[4]

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten in der Stadt etwa siebzig jüdische Menschen.[2] Die letzte Beerdigung fand um 1933/1934 statt.[4] Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge in der Jungfernstraße zerstört und der Friedhof geschändet. Im April 1942 wurden die letzten in Strausberg lebenden jüdischen Bürgerinnen und Bürger in Vernichtungslager deportiert.[4]

Die Reste des Friedhofs wurden in den 1960er Jahren im Rahmen einer damaligen FDJ-Aktion „Unsere Stadt soll schöner werden“ eingeebnet, die letzten noch verbliebenen Grabsteine entfernt und in den angrenzenden Stausee geworfen. Auch das Taharahaus wurde abgebrochen. Nur Teile einer Mauer blieben noch stehen. Das Areal wurde bis zur Oberkante der Friedhofsmauer aufgeschüttet, die Fläche durch eine Treppe zugänglich gemacht und das Areal als Spiel-, Bolz- und Liegewiese genutzt. Ende Oktober 2011 wurde ein Gedenkstein auf dem Friedhof mit schwarzer Farbe beschmiert.[1][2][3]

Gedenken

Hinweistafel an der Karl-Liebknecht-Straße

Im Jahr 1988 wurde eine erste Informationstafel an einem Mauerrest des Friedhofs angebracht. 1991 ließ der damalige Bürgermeister Jürgen Schmitz einen Findling mit einem Davidstern aufstellen.[2][3] 1996 wurde der Friedhof durch einen Rabbiner neu geweiht.[4] Im September 1996 gestalteten israelische Schüler und Schüler des örtlichen Gymnasiums im Rahmen eines internationalen Schulprojektes gemeinsam Lehm-Beton-Grabsteine mit Namen jüdischer Strausberger Bürger. Die Steine wurden auf dem Friedhof aufgestellt.

2009 wurde eine kleine Tafel mit der Aufschrift „Jüdischer Friedhof“ an der Mauer des Friedhofs angebracht. Die auf das Areal führende Treppe wurde abgerissen, um die Totenruhe zu schützen und eine weitere Nutzung des Friedhofsgeländes für Picknick, als Spielplatz oder Hundefreifläche zu verhindern.[1] Zwei aus dem Stausee geborgene Grabsteine wurden wieder auf den Friedhof gebracht.[3][4] Vor dem Friedhof an der Karl-Liebknecht-Straße/Fichteplatz ist eine neue Gedenk- und Informationstafel zur Erinnerung an die Opfer der Shoa aufgestellt.[1][4]

Einzelnachweise

Related Articles