Wikiwand AI

Jüdischer Friedhof (Treuenbrietzen)

Begräbnisort im Landkreis Potsdam-Mittelmark From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Jüdische Friedhof in Treuenbrietzen ist ein Begräbnisort im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Gedenkstein im Stadtpark

Beschreibung

Der Friedhof in Treuenbrietzen zählt zu den ältesten der Region.[1] Er liegt in der Nähe des Freibades zwischen Befestigungsgraben und den Resten der Stadtmauer[2] westlich der nahe vorbeifließenden Nieplitz.[3] Die mit Rasen begrünte 1.052 Quadratmeter große Fläche grenzt an den Stadtpark. Ein Gedenkstein erinnert an die Nutzung als Friedhof. Auf dem Areal sind keine Grabsteine mehr aufgestellt.[2]

Im Brandenburgischen Landesdenkmalamt wird ein Fragment eines jüdischen Grabsteins aufbewahrt, der im April 2019 bei Arbeiten an Parkwegen und Platzflächen auf der dem Friedhof gegenüberliegenden Uferseite der Nieplitz freigelegt wurde.[3][4] Zwei Grabmalfragmente aus Sandstein, die im Zuge von Umbauarbeiten am nahen Freibad entdeckt wurden, befinden sich im örtlichen Heimatmuseum.[2][3] Unter dem Treuenbrietzener Friedrich-Heinrich-Himmel-Denkmal wurde außerdem ein weiterer Stein mit hebräischer Inschrift gefunden.[2]

Geschichte

Der Friedhof wurde an der Außenseite der Stadtmauer angelegt und 1711 eröffnet.[1] 1769 wurde seine Fläche mit drei Quadratruten, zwanzig Fuß (etwa fünfzig Quadratmeter) angegeben. Insgesamt neun jüdische Familien lebten 1842 in Treuenbrietzen, von denen vier dem „Verein der jüdischen Glaubensgenossen“ angehörten, der der Stadt eine jährliche Pachtgebühr von zwei Talern für den Friedhof bezahlte. Die Gebühren der Beisetzung betrugen drei Taler für Kinder unter sieben Jahren, fünf Taler für Kinder zwischen sieben und vierzehn Jahren, acht Taler für Personen zwischen 14 und 20 Jahren und zehn Taler für ältere Personen. Zudem wurden Arme kostenlos bestattet. Zwischen 1800 und 1874 gab es 47 Todesfälle. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Friedhof auf 1.135 Quadratmeter erweitert.[3] Das letzte Begräbnis fand 1913 oder 1914 statt.[2][3]

In der Zeit des Nationalsozialismus und unter den Arisierungsplänen der Nationalsozialisten wurde 1937 der Gemeinde das Recht aberkannt, ihren Friedhof weiterhin zu nutzen. Im März 1937 wurde „das Eigentumsrecht der Stadtgemeinde Treuenbrietzen an dem Platz grundbuchlich eingetragen“.[3] Bis 1940 waren noch etwa 20 Grabsteine vorhanden.[5] Während des Zweiten Weltkriegs wurden die nicht aus dem Ort weggezogenen oder ins Ausland emigrierten Juden deportiert und in Konzentrationslagern ermordet.[6] Der jüdische Friedhof wurde 1944 durch den Bau eines Luftschutzbunkers in zentraler Lage fast vollständig zerstört.[1] Viele der Grabsteine wurden für die Stabilisierung des Bauwerks eingesetzt, einige blieben stehen und überdauerten die NS-Zeit.[3] Zu Zeiten der DDR verschwanden In den 1960er Jahren die letzten Grabsteine.[1] Einige wurden vermutlich zum Bau der Nieplitz-Brücken oder zur Uferbefestigung zweckentfremdet.[3][4] Um 1963/1966 wurde die Fläche durch eine Abteilung sowjetischer Soldaten eingeebnet, eine Rasenfläche angelegt und der Friedhof in den anliegenden Park integriert.[3]

Gedenken

Ab den 1960er Jahren setzte eine Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte des Ortes ein, in den 1990er Jahren folgten vermehrt ehrenamtliches Engagement und erste Schülerprojekte. Im Oktober 2003 wurde auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung von Treuenbrietzen ein Granitstein in Form eines Pultes mit der Inschrift „Jüdischer Friedhof“ am einstigen Zugang des jüdischen Friedhofs aufgestellt.[1][3]

Zwischen 2021 und 2022 fand in Kooperation mit dem Schulprogramm „denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Heimatverein an der Albert-Schweitzer-Grundschule ein Schülerprojekt zur Geschichte der Treuenbrietzener Juden und ihres Friedhofes statt. Im September 2022 wurde zum Tag des offenen Denkmals ein neuer Gedenkstein eingeweiht, der Informationen zur Geschichte des Ortes vermittelt.[1][3][7][8]

Einzelnachweise

Related Articles